Aufgeschlagene Knie, matschige Hosen und Stockbrot - so laufen die Ferien in Rahm

hzJugendfreizeitstätte Rahm

An manchen Tagen tummeln sich gut 100 Kinder und Jugendliche auf dem Abenteuerspielplatz in Rahm. Hier gibt es während der ganzen Ferien volles Programm - trotzdem gucken manche aufs Handy.

Dortmund, Jungferntal-Rahm

, 15.08.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Mudel Mudel!“ ruft ein kleines blondes Mädchen und wird abrupt in die Luft gehoben. Wie eine schlaffe, kichernde Nudel hängt sie von den Schultern des Abenteuerspielplatz-Chefs Klemens Möller. Der ist voll in seinem Element. Immer von 13 bis 18 Uhr bespaßt er hier die kleinen Gäste - viele bespaßen sich aber auch selber.

Jeder hat hier die Möglichkeit, sich frei zu entfalten. Es stehen unter anderem Fahrzeuge bereit, ein Musikraum, ein Bolzplatz und Materialien, um Buden zu bauen. Das feste Programm reicht vom Kochen mit Kräutern aus der Umgebung bis zum Töpfern, zu Wasserspielen und Sport.

Aufgeschlagene Knie, matschige Hosen und Stockbrot - so laufen die Ferien in Rahm

Diesen Sommer geht es auf dem Abenteuerspielplatz um Respekt - nicht nur untereinander, sondern auch den Pflanzen gegenüber. Die Kinder entdecken, was für Nahrungsmittel um sie wachsen und was die Natur sonst noch so kann. © Sylva Witzig

Brennnesseln, Bienen und Matsch

„Häufig haben wir zum Anfang der Ferien größeren Andrang. Die Kinder haben plötzlich freie Zeit und wissen gar nicht, was sie damit anfangen sollen. Hier toben sie sich aus und lernen auch noch etwas dazu - wir haben Bienenhotels gebaut, Brennnessel-Drinks gebraut, die Pflanzen in der Gegend kennengelernt und uns schmutzig gemacht - so wie das mit Kindern nunmal ist“, erzählt Klemens Möller.

Aufgeschlagene Knie, matschige Hosen und Stockbrot - so laufen die Ferien in Rahm

Klemens Möller leitet den Abenteuerspielplatz mit Leib und Seele. Amina (10) und Joyce (9) kommen fast jeden Tag her und freuen sich über die vielfältigen Angebote. © Sylva Witzig

Vier hauptamtliche Mitarbeiter kümmern sich hier um die Kinder und Jugendlichen von 6 bis 16 Jahren. Die Eltern sind auch herzlich eingeladen. Die Aktionen sind fast alle kostenlos. „Wir wollen es allen ermöglichen, hier mitzumachen. Es wäre auch keine Option, den Wohlhabenden Geld abzunehmen und den anderen nicht. Auf unserem Spielplatz ist jeder gleich und niemand soll sich benachteiligt fühlen“, erklärt Möller. Der Abenteuerspielplatz ist einer der wenigen städtischen Einrichtungen, die auch in den Ferien geöffnet hat. In der letzten Ferienwoche liegt der Fokus auf sportlichen Aktivitäten.

Aufgeschlagene Knie, matschige Hosen und Stockbrot - so laufen die Ferien in Rahm

Die Kinder können sich auf dem Abenteuerspielplatz austoben. Fahrräder, Bälle, Skateboards und andere Spielmaterialien liegen kostenfrei bereit. Amina und Joyce auf diesem Bild skaten gerne - sind die Boards jedoch belegt, fällt ihnen Vieles ein, um Spaß zu haben. © Sylva Witzig

Kein Mobbing auf dem Spielplatz

„Also für mich könnten ruhig länger Ferien sein“, findet die 9-jährige Joyce. „Hier auf dem Spielplatz haben wir fast immer was zu lachen. Es gibt Stockbrot, Ausflüge und Klettermöglichkeiten. Außerdem sind die Leute alle nett - wir geben aufeinander Acht. Hier gibt es eigentlich kein Mobbing.“ Deshalb fühlt sie sich hier pudelwohl. „Im letzten Sommer ging es um Kohle“, erzählt ihre Freundin Amina (10). „Das fanden wir super spannend.“ Die beiden wohnen am Rahmer Wald und kommen auch in der Schulzeit zum spielen vorbei. Ein bisschen wehmütig ist Amina aber auch: „Ich komme jetzt auf die weiterführende Schule. Ich weiß nicht, ob ich dann noch so oft herkommen kann.“

Aufgeschlagene Knie, matschige Hosen und Stockbrot - so laufen die Ferien in Rahm

Auf dem ganzen Gelände dürfen die Kinder mitgestalten. © Sylva Witzig

An sogenannten Helikopter-Eltern, die ständig um ihre Kinder herumschwirren, sollte es jedenfalls nicht scheitern - mit denen hat Möller wenig zu tun: „Die meisten Eltern sind dankbar, dass die Kinder sich hier austoben und laufen nicht die ganze Zeit hinterher. Die sitzen auf den Bänken und quatschen untereinander - und schauen ab und zu auf ihre Handys. Die Kinder indes lassen die Smartphones in der Tasche - dafür sind sie viel zu beschäftigt.“

Aufgeschlagene Knie, matschige Hosen und Stockbrot - so laufen die Ferien in Rahm

Auf dem Abenteuerspielplatz in Rahm ist viel Raum für eigene Erkundungen und Werke. Die Idee für das Segel des Piratenschiffes brachte spontan ein Jugendlicher mit und machte es zu seinem Projekt. © Sylva Witzig

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