Aufgeschürftes Knie und Schnupfen? Die Feuerwehr wird immer öfter wegen Kleinigkeiten gerufen

hzFeuerwehr-Einsätze

Die Einsätze, die die Dortmunder Feuerwehr pro Jahr fährt, werden immer mehr. Doch nicht in allen Fällen hätte es die Hilfe der Einsatzkräfte unbedingt gebraucht.

Dortmund

, 06.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast 6000 zusätzliche Einsätze. Die hat die Feuerwehr Dortmund 2018 im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet, ein Anstieg um vier Prozent. Das sind im Schnitt etwa 16 Einsätze mehr pro Tag.

Um die 3500 davon waren zusätzliche Einsätze des Rettungsdienst, fast 2000 waren Feuerwehreinsätze, davon gingen wiederum 250 auf das Konto der Brandeinsätze.

Diese Zunahme hat verschiedene Gründe. Erst Sturmtief Friederike, dann der trockene Sommer - 2018 war in vielerlei Hinsicht ein extremes Jahr für Dortmund.

Aber gerade mit dem Zuwachs an Rettungseinsätzen liegt die Feuerwehr Dortmund nach eigenen Angaben im deutschlandweiten Trend. Der demografische Wandel führt zu mehr alten Menschen, weniger Krankenhäuser sorgen für mehr Krankentransporte. Das ist eine Entwicklung, die viele Feuerwehren beobachten.

Feuerwehr-Sprecher: Das ist eine Fehlentwicklung

Ein weiterer Grund: Zahlreiche Einsätze, die der Rettungsdienst 2018 in Dortmund übernommen hat, fallen streng genommen in den Verantwortungsbereich der hausärztlichen Versorgung.

Das heißt: Der Rettungsdienst musste wegen Krankheiten und Verletzungen ausrücken, um die sich auch ein Hausarzt hätte kümmern können - etwa ein aufgeschürftes Knie oder einen Schnupfen. „Aus unserer Sicht ist das eine Fehlentwicklung“, sagt Feuerwehr-Sprecher André Lüddecke. Denn: „Es kann nicht sein, dass die Feuerwehr für Lücken im Gesundheitssystem büßt“, so Lüddecke.

Mehr Einsätze heißt nicht unbedingt mehr Notfälle

Doch auch die Feuerwehr-Einsätze sind im vergangenen Jahr in Dortmund mehr geworden. Dabei geht es nicht nur um Brände, sondern auch um Hilfe nach Stürmen oder Starkregen. Der Anstieg hängt aber laut Sprecher Lüddecke nicht nur damit zusammen, dass es 2018 tatsächlich mehr Notfälle in Dortmund gab.

„Es kann nicht sein, dass die Feuerwehr für Lücken im Gesundheitssystem büßt“
André Lüddecke, Sprecher der Feuerwehr Dortmund

Die Leute würden immer öfter zum Telefonhörer greifen und die Feuerwehr rufen, wenn sie das Problem auch allein oder mit Hilfe von Familien, Freunden oder Passanten hätten lösen können. Das klassische Beispiel, sagt Lüddecke, sei der brennende Mülleimer auf dem Westenhellweg. „Früher hätte man einfach eine Kaffeekanne mit Wasser gefüllt und den Brand selbst gelöscht“, sagt er. Heute liefen die Leute dran vorbei und riefen stattdessen die Feuerwehr.

Eine „Vollkasko-Mentalität“ nennt Lüddecke das. „Die Leute glauben, dass sie jeden Service rund um die Uhr bekommen können“, sagt er. Das führe zu immer weniger Selbstständigkeit, immer weniger Vorsorge, um die sich die Menschen selbst kümmern.

Warum das so ist? Da ist sich auch Lüddecke nicht ganz sicher. „Vielleicht ist das so eine Großstadt-Sache“, überlegt er. Wenn es eine Vielzahl von Angeboten tatsächlich rund um die Uhr gebe, nehme vielleicht der „Selbsthilfe-Mechanismus“, wie Lüddecke ihn nennt, ab.

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