Auftritt in Dortmund: Masken-Verweigerer versperrt Jens Spahn den Weg

hzSchrecksekunde für Gesundheitsminister

Wie reagiert Deutschland auf die steigenden Corona-Fallzahlen? Dazu hat sich Jens Spahn (CDU) auf einer Veranstaltung der CDU erklärt – und musste am Ende eine brenzlige Situation überstehen.

Dortmund

, 25.08.2020, 11:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war am Montagabend (24.8.) gegen 20.45 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte das Gebäude der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nahe der B1 verlassen und wollte gerade in seinen Dienstwagen, als ein Masken-Rebell plötzlich vor die geöffnete Autotür trat, den Minister am Einstieg hinderte und mit lauter Stimme ein Pamphlet vortrug.

Erschrocken wich Spahn einen Schritt zurück. Als der offensichtlich unbewaffnete Mann trotz mehrfacher Aufforderung von Personenschützern und Polizei die Autotür nicht freigeben wollte, griffen die Beamten ein.

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Zu Zweit trugen sie den zappelnden und laut „Nein, nein, nein“ schreienden Mann vom Wagen weg und nahmen seine Personalien auf. Da war der Minister bereits abgedüst zum nächsten Termin.

In der eigenen Echokammer

Ironie der Geschichte: Noch kurze Zeit vorher hatte Spahn als Gast der Dortmunder CDU in seinem Vortrag in der KV dafür geworben, „miteinander zu reden, statt sich gegeneinander anzuschreien.“

Manche Menschen seien übervorsichtig und hielten zehn Meter Abstand – während Verschwörungstheoretiker und Pandemie-Leugner behaupteten, das Virus sei eine Erfindung von Bill Gates, Angela Merkel und Co. Es sei klar, dass eine Intensivkrankenschwester die Lage anders bewerte als ein Busunternehmer.

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„Die Bereitschaft, andere Meinungen zu hören, nimmt nicht gerade zu“, stellte Spahn in seinem per Livestream ins Netz übertragenen Vortrag fest. „Viele sind nur in der eigenen Echokammer unterwegs und suchen Bestätigung für ihre Meinung“, kritisierte Spahn.

Spahn: Es soll keinen zweiten Lockdown geben

Es gehe aber nicht darum, „Wahrheiten zu verkünden“. Es gehe darum, eine ausgewogene Balance zwischen Sicherheit und Risiko zu finden, so Spahn.

Stets an der Seite des Ministers: der Dortmunder CDU-OB-Kandidat Andreas Hollstein, der in einer Art Moderation Spahn die Fragen von Zuschauern aus dem Netz vortrug. Spahn gab eine klare Marschroute vor: Einen zweiten Lockdown wie im März wird es trotz steigender Infektionszahlen wohl nicht geben.

Vorsicht vor neuen Lockerungen

„Bestimmte Dinge wird man so nicht mehr machen“, sagte der Bundesgesundheitsminister und nannte als Beispiele den Einzelhandel und Friseurläden. „Die Frage ist, wie gut wir mit dem Virus leben können“, formulierte Spahn. Und setzte Prioritäten.

Es müsse gelingen, die Bereiche Kitas und Schulen, Wirtschaft und Handel sowie Gesundheit und Pflege „in einen Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen zu bekommen“. Erst dann könne man schrittweise über weitere Lockerungen nachdenken.

Spahn: Das Coronavirus ist der Spaßverderber, nicht ich

„Ich will nicht der Spaßverderber sein“, sagt Spahn in Anspielung auf seinen kontrovers diskutierten Vorschlag, Karnevalsveranstaltungen ausfallen zu lassen. Der Spaßverderber sei das Virus.

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Zunächst müsse es darum gehen, das Erreichte zu sichern. Mit Blick auf die deutlich steigenden Infektionszahlen sprach sich Spahn dafür aus, über die bestehenden „Größenordnungen“ bei privaten Feiern wie etwa Hochzeiten zu reden.

Keine kostenlosen Tests mehr

In seiner Rede deutete Spahn an, was die Gesundheitsminister der Länder Stunden vorher in einer telefonischen Schaltkonferenz als weiteres Vorgehen gegen das Virus beraten hatten: Demnach neigt sich die Zeit der kostenlosen Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten dem Ende entgegen. Für sie soll künftig eine Quarantänepflicht gelten, die nach frühestens fünf Tagen mit einem negativen Testergebnis beendet werden kann.

Die Testkapazitäten können nicht unendlich ausgeweitet werden. Deshalb sollen sie künftig wieder stärker auf das Gesundheitswesen konzentriert werden.

Wann der Minister einen Impfstoff erwarte, lautete eine Frage eins Zuschauers im Netz. 2021 halte er für realistisch, entgegnete Spahn. Wichtig sei: Anders als in Russland müssten zuvor Studien mit „mehreren tausend Menschen durchgeführt werden“.

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