Ausbaupläne: Stadt muss Westfalenhalle mit Millionen beispringen

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Die Westfalenhalle plant den großen Wurf: Mitte 2021 soll der Baubeginn für die beiden ersten neuen Messehallen sein. Die Kosten sind immens - und von der Halle allein nicht zu schultern.

Dortmund

, 29.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sabine Loos brachte es auf den Punkt. Das Gebäude sei „ein Ankerpunkt der strategischen Weiterentwicklung des Messeplatzes Dortmund“, so die Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhalle Unternehmensgruppe, als sie mit Gästen das Messefoyer Nord eröffnete. Das war im März 2019.

Was das Wort „Weiterentwicklung“ bedeutet, spiegelt sich im aktuellen Rahmenplan „Messe- und Veranstaltungszentrum Strobelallee“. Kernpunkte: Die Strobelallee wird in eine Veranstaltungsmeile (Event-Meile) umfunktioniert, während sich die Westfalenhallen mit einer Reihe neuer Gebäude im Messe- und Kongressgeschäft behaupten wollen.

Die Pläne werden dem gesamten Komplex rund um die Strobelallee und die Straße Im Rabenloh langfristig ein völlig neues Gesicht geben. Nach aktuellem Stand soll bereits im nächsten Jahr mit den Neubauten gestartet werden.

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Den Auftakt bilden zwei Messehallen, die Hallen 9 und 10. Sie sollen auf dem Parkplatz A7 an der Strobelallee entstehen und zusammen gut 11.000 Quadratmeter Fläche haben. Zum Vergleich: Die bisherigen Messehallen bringen es auf rund 60 000 qm Bruttogeschossfläche.

Zwei neue Hallen bis zur EM 2024

Viele Gebäude sind allerdings in die Jahre gekommen und genügen nicht mehr allen modernen Standards. Die Messehalle 1 ist mit 65 Jahren die älteste; gefolgt von Halle 2 und Halle 4, die mit 60 bzw. 59 Jahren nur unwesentlich jünger sind. Weshalb sie peu a peu durch Neubauten ersetzt werden sollen – sogar ein Kongresshotel sieht das Konzept vor. Zukunftsmusik.

Das Investitionsvolumen für die Hallen 9 und 10 beläuft sich grob auf 87,1 Millionen Euro. Voraussichtlicher Baubeginn soll im Juli 2021 sein. Läuft alles glatt, können die Neubauten zu Beginn der Fußball-Europameisterschaft im Juni 2024 in Betrieb gehen. Die erste Halbzeit der Bauphase wäre dann beendet.

Der Parkplatz A7 an der Strobelallee soll Standort für die Halle 9 und die Halle 10 werden.

Der Parkplatz A7 an der Strobelallee soll Standort für die Halle 9 und die Halle 10 werden. © Beushausen

Ein Jahr später soll in die zweite Hälfte gestartet werden: Von 2025 bis 2028 will die Westfalenhallen GmbH am Standort des Reitervereins die dritte Messehalle mit 4700 Quadratmetern hochziehen, inklusive eines neuen Messeeingangs Süd. Gleichzeitig soll ein neues Kongresszentrum her. Es verläuft unterhalb der Neubauten - die Hallen werden aufgeständert.

Voraussichtliche Kosten für den zweiten Bauabschnitt: 76,9 Millionen Euro. Kosten des Gesamtprojekts: rund 164 Millionen Euro - die aber noch lange nicht in Stein gemeißelt sind. Der Aufsichtsrat der Westfalenhallen hat das Vorhaben im Grundsatz abgesegnet. Dabei rechnen die Akteure mit finanzieller Hilfe der Stadt.

Stadt muss Geld nachlegen

Aus eigener Kraft wird die Westfalenhallen GmbH die Erweiterungs- und Modernisierungspläne nicht stemmen können. Die Stadt werde die Projekte „durch Bürgschaften und Zuschüsse" mitfinanzieren müssen, teilt die Verwaltung in einer Vorlage an den Rat mit.

Eine Überraschung ist das nicht: Ein Investitionsvolumen in dreistelliger Millionenhöhe wäre für die Halle ohnehin ein schweres Paket. Nun kommt die Corona-Krise hinzu, die das laufende Geschäftsjahr verhagelt.

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Zwar hat die Stadt zugunsten ihrer 100 Prozent-Tochter bereits 31,5 Millionen Euro für die Jahre 2020 bis 2024 im Haushalt beiseite gelegt. Sie sollen der Halle als Eigenkapitalverstärkung zur Verfügung gestellt werden. Ob das reicht? Eher nicht.

Schon jetzt geht man in der Verwaltung davon aus, dass die Mutter Stadt für das Messe- und Veranstaltungszentrum, dessen Ausbau ausdrücklich erwünscht ist, mittelfristig noch tiefer in die Tasche greifen muss. Um welche Summen es geht, bleibt erst einmal offen - und hängt auch davon ab, welche Projektbausteine aus dem Rahmenplan realisiert werden.

Belastbare Angaben dürfte selbst Sabine Loos derzeit kaum machen können. Oder doch? Am Donnerstag (4.6.) können die Politiker in nicht-öffentlicher Sitzung persönlich nachfragen: Die Hallen-Chefin kommt in den Finanzausschuss.

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