Ausbildung zum Bestatter – Warum Fabienne (22) den Toten ihr Berufsleben widmet

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Der Beruf des Bestatters wird immer beliebter. Denn er ist nicht düster, wie viele zunächst denken. Er hat auch sehr schöne Seiten, wie die Auszubildende Fabienne in Dortmund erzählt.

von Prisca Lauterbach

Dortmund

, 15.08.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die 22-jährige Fabienne Hense macht seit 2017 eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft im Bestattungshaus Weber in Dortmund. „Mich hat der menschliche Körper schon immer fasziniert. Und was nach dem Tod mit ihm passiert“, erzählt sie. Nach ihrem Realschulabschluss hat sie sich deshalb entschieden, mit Toten zu arbeiten. Jetzt, in ihrem dritten Ausbildungsjahr, ist sie mehr als zufrieden mit dieser Entscheidung.

„Man kann nicht sagen, ein Bestatter ist einfach nur ein Verscharrer. Es ist so viel mehr als das. Es ist auch die Begleitung der Angehörigen. Und vieles, wo man eigentlich sagen könnte, das hat mit dem typischen Bestatter gar nichts mehr zu tun. Wir kümmern uns um die ganzen Behördengänge, Abmeldungen bei Versicherungen und Krankenkassen, beantragen Sterbeurkunden. Wir organisieren die Trauerfeier, wir kümmern uns um die Floristik, den Organisten, um so vieles einfach. Am Anfang meiner Ausbildung habe ich mich mehr darauf fokussiert, die Verstorbenen hygienisch zu versorgen und für die Trauerfeier vorzubereiten, also zu waschen und einzukleiden. Mittlerweile bin ich viel im Büro und begleite die Angehörigen zu Trauerfeiern.“

Auch Fabienne hat schon von den Vorurteilen gegenüber diesem Beruf gehört: „Viele glauben ja, ein Bestatter ist ein großer, alter Mann mit Zigarre im Mund und schwarzem Anzug. Und dann sieht man mich dagegen. Wenn man überlegt: Wir sind 30 Leute in meiner Berufsschulklasse und davon sind 22 Frauen.“

Fakten zum Beruf und zur Ausbildung:

Von Jahr zu Jahr gibt es mehr Bewerber. Die Übernahmechancen nach der Ausbildung sind sehr gut, da es zu wenig geschulte Bestattungsfachkräfte gibt. Während der Ausbildung arbeiten die Lehrlinge viel im Betrieb und haben drei bis viermal im Jahr blockweise Schule für ein paar Wochen. Sie lernen unter anderem den Umgang mit Trauernden, das richtige Tragen und Heben von Särgen, die Versorgung von Verstorbenen und formulieren eigene Trauerreden.

Der Verdienst ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich und hängt davon ab, wie groß der Betrieb ist und ob er an einen Tarifvertrag gebunden ist. Im ersten Jahr liegt das Ausbildungsgehalt darum zwischen 350 und 750 Euro. In dualen Ausbildungen steigt das Lehrgeld jedes Jahr an. Im zweiten Jahr kann man mit einer Vergütung von 390 bis 800 Euro rechnen. Im dritten Jahr steigt sie auf 450 bis 850 Euro. Nach der Ausbildung kann man ein Einstiegsgehalt von 1.900 bis 2.200 Euro erwarten. Mit zunehmender Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit steigt dann in der Regel auch das Gehalt auf bis zu 3.000 Euro brutto.

Ausbildung zum Bestatter – Warum Fabienne (22) den Toten ihr Berufsleben widmet

Auch für Fußball-Fans ist gesorgt. Wer möchte, kann sich in einer Fußballurne begraben lassen. © Prisca Lauterbach

Das sagt Fabienne über ihre Berufswahl:

Was gefällt dir an dem Beruf besonders gut?

Fabienne: „Es wird nie langweilig. Jeder Sterbefall ist individuell. Und mittlerweile nimmt man sich auch viel mehr Zeit für Individuelles. Dadurch wird alles viel persönlicher und das finde ich sehr schön. Denn seinen Wert hat der Verstorbene ja nicht verloren.

Und düster ist der Beruf gar nicht. Er ist emotional und persönlich, aber nicht düster. Wenn ich zum Beispiel eine Trauerrede halte, möchte ich, dass die Angehörigen ruhig auch anfangen zu weinen, denn die Trauerfeier ist genau der richtige Zeitpunkt dafür. Aber es ist auch immer mein Ziel, dass die Angehörigen lächeln und in schönen Erinnerungen schwelgen. Wir reden darüber, was den Verstorbenen ausgemacht hat, was seine Marotten waren. Das sind einfach so Bilder im Kopf, die man als Trauernder braucht. Der Tod gehört einfach zum Leben dazu. Wir werden geboren, um irgendwann zu sterben. Und ich verstehe nicht, wieso dieses Thema oft so stillgeschwiegen wird.“

Was gefällt dir nicht?

Fabienne: „Was mir oft im Weg steht, ist Unentschlossenheit. Klar, Trauer ist ein Ausnahmezustand und Trauer erlaubt alles. Aber wenn die Leute dann dasitzen, man gibt ihnen Vorschläge für Traueranzeigen und die können sich dann immer noch nicht entscheiden, ist es nicht immer ganz leicht, gelassen zu bleiben.“

Wo hättest du in der Schule besser aufpassen sollen?

Fabienne: „Mathe. Definitiv Mathe. Ich habe eine Dyskalkulie, das heißt, ich kann mit Zahlen gar nicht umgehen. Dementsprechend fällt es mir noch schwerer. Buchhaltung und Rechnungswesen sind tatsächlich ein sehr großes Thema in der Schule. Im ersten Ausbildungsjahr sogar eins der Hauptfächer. Und wenn man sich da nicht wirklich reinkniet, versagt man. Ich würde daher jedem empfehlen mindestens einen Realschulabschluss zu machen, wenn nicht sogar ein Fachabitur im Rechnungswesen.“

Hier gibt es Ausbildungsplätze

Wer Interesse an dieser Ausbildung hat, findet auf der Internetseite des Bestatterverbandes NRW weitere Informationen und Stellenausschreibungen. In Dortmund sind bei der Arbeitsagentur fürs aktuell startende Lehrjahr keine freien Ausbildungsstellen gemeldet. Generelle Infos zu Ausbildungsplätzen in Dortmund gibt es auf der Internetseite der Jobbörse der Agentur für Arbeit unter www.jobboerse.arbeitsagentur.de sowie vor Ort im Dortmunder Jugendberufshaus, Steinstraße 39, www.jugendberufhshaus-dortmund.de.

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