Bach statt Backstreet Boys

Mit zwölf Jahren hatte Meike Albers ihr erstes Casting. Mit zitternden Knien stand sie im evangelischen Gemeindehaus Dorstfeld und sang das Kinderlied "Drei kleine Wölfe". Ihre Bewerbung für den Monteverdi-Junior-Chor war erfolgreich - und der Grundstein für eine Profi-Karriere gelegt.

06.02.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Meike Albers als Prinzessin in der Kinderoper "Lausekerl und Schwindelfinger". Foto Stage Picture</p>

<p>Meike Albers als Prinzessin in der Kinderoper "Lausekerl und Schwindelfinger". Foto Stage Picture</p>

Kurz darauf wirkte Meike Albers als "Lebkuchenmännchen" in der Kinderoper "Hänsel und Gretel" mit. Das war 1997. Heute ist die 23-Jährige auf dem besten Wege, Opernsängerin zu werden. Schuld daran ist auch die Chorakademie, die sich 2002 aus dem Monteverdi-Junior-Chor entwickelte - und die seit "Hänsel und Gretel" fest mit der Oper kooperiert.

"Tosca", "Othello", "Carmen", "La Bohème" - in ihren sechs Jahren beim Chor sang Meike Albers jedes Jahr auf der großen Bühne, lernte den Opernbetrieb hinter den Kulissen kennen und gewöhnte sich daran, dass Sänger auch schauspielern müssen. Heute studiert die Sopranistin im siebten Semester Gesang und Musiktheater an der renommierten Folkwang Hochschule in Essen. In zwei Jahren will sie fertig sein, was bei ihrer Disziplin kein Problem sein dürfte.

Diese Tugend, meint die Sängerin, habe sie bei der Chorakademie gelernt. Zu den Proben zwei Mal pro Woche kamen Opern-Proben an den Abenden und an Vormittagen. Zeit für andere Hobbys blieb da kaum, schließlich sollte auch die Schule nicht leiden.

Als anstrengend empfand sie die Zeit jedoch nicht, sagt Meike Albers: Obwohl sie wie viele Mädchen zunächst von einer Karriere als Pop-Sängerin träumte, entschied sie sich schließlich bewusst für den Monteverdi-Chor: Bach statt Backstreet Boys, Halleluja statt Hip-Hop.

"In den Konzerten sah man uns immer in ordentlichen Kostümen hoch seriöse Literatur singen, aber es ging schon gut ab bei uns", erinnert sich Meike Albers lachend, "der Spaß kam nicht zu kurz."

Noch heute hat die zierliche Rothaarige Kontakt zu vielen Chor-Freunden; aus der engeren Clique studieren allein sechs ebenso Gesang.

"Wir betrachten die Kinder als professionelle Mitarbeiter und Kollegen," sagte Opernintendantin Christine Mielitz jüngst bei der letzten "Hänsel und Gretel"-Vorstellung, an der - natürlich - wie vor zehn Jahren schon wieder Chorakademie-Kinder mitwirkten. Ein Kompliment, dass Chorakademie-Geschäftsführer Lars Kersting zurückgibt: "An anderen Häusern werden die Kinder von den Regisseuren oft nur irgendwo hingestellt. In Dortmund bindet man sie ein und weiß, was man ihnen zutrauen kann." Davon profitieren dann nicht nur die Inszenierungen, sondern auch die Kinder - so wie Meike Albers. pin

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