Die Bauarbeiten am Reinoldi-Pylon, die zum Projekt „Boulevard Kampstraße“ gehören, sind gestoppt. © Lukas Wittland
Boulevard Kampstraße

Baustopp am Reinoldi-Pylon – neue Sorgen um Boulevard-Pläne in der City

Der Boulevard Kampstraße bleibt das Sorgenkind der Stadt. Die Bauarbeiten am Reinoldi-Pylon müssen wegen Bauschäden abgebrochen werden - das könnte Folgen für den gesamten Boulevard haben.

Irgendwie ist der Wurm drin bei den Umbauplanungen für die Kampstraße, die zum „Boulevard“ werden soll. Das Tiefbauamt verkündete jetzt einen weitgehenden Baustopp für die im Mai gestarteten Arbeiten am Reinoldi-Pylon an, für die es vorher schon Ärger um die Finanzierung gab, weil Fördermittel des Landes in Höhe von 2,3 Millionen Euro abgelaufen waren.

Grund für den Baustopp sind jetzt unerwartete Bauschäden an der Stadtbahnstation Reinoldikirche. Beim Abtragen der Oberfläche und Freilegen der alten Stadtbahnschienen seien „trotz größter Sorgfalt erste unerwartete Schäden“ an der darunterliegenden Stadtbahn-Station und an Abdichtung und Schutzbeton aufgetreten, teilte die Verwaltung am Dienstag dem Ausschuss für Mobilität, Infrastruktur und Grün mit. Von Rissen ist die Rede. Die Stadtbahn-Anlage liege in diesem Bereich „äußerst oberflächennah“, heißt es zur Erläuterung.

Gutachter im Einsatz

Aus diesem Grund wurden die Bauarbeiten von Beginn an von einem Gutachter begleitet, der die Beweissicherung bei möglichen Schäden sicherstellen soll. Er sichte derzeit die Unterlagen zur Stadtbahn-Station. Ein Problem dabei: Planunterlagen zum Stadtbahnbau, die bis ins Jahr 1976 zurückreichen, seien teilweise „nicht mehr lesbar“, teilt die Verwaltung mit.

Fest steht: Bei den weiteren Bauarbeiten sollen jetzt Mess-Sensoren angebracht werden, um mögliche Bewegungen im Bauwerk feststellen zu können. Dazu müssten unter anderem Deckenverkleidungen entfernt und Gerüste aufgebaut werden. „Das passiert zurzeit vor allem nachts, wenn keine Fahrgäste unterwegs sind“, erklärte Tiefbauamts-Leiterin Sylvia Uehlendahl auf Anfrage.

Mehrkosten drohen

Die Gutachter raten mit Blick auf die sensiblen technischen Anlagen in der Stadtbahnstation und der Gefahr herabfallender Deckenteile im Bahnhof Reinoldikirche „dringend davon ab“, ohne bautechnische Vorkehrungen weiterzubauen. Weitergebaut werden soll zunächst nur in einem „begrenzten Testfeld“, um die Auswirkungen auf das Bauwerk weiter untersuchen zu können.

Das hat Konsequenzen: Wenn man wegen des sensiblen Bauwerks nur eine alternative Straßenkonstruktion umsetzen könne, seien „deutliche Kostensteigerungen“ zu erwarten, heißt es in der Information für die Politik. Bislang war von Baukosten von 2,85 Millionen Euro die Rede, die die Stadt nach dem Wegfall der Fördermittel allein tragen muss.

Und alles braucht auch mehr Zeit. Die Bauunterbrechung wird wohl mindestens bis zum Frühjahr 2022 dauern, wobei ab Mitte November ohnehin eine Weihnachtspause geplant war. Abgeschlossen werden können die Arbeiten am Pylon dann wohl erst bis Ende 2022 statt wie eigentlich geplant bis zum Sommer.

Welche Folgen der Baustopp für den gesamten Boulevard Kampstraße hat, ist noch unklar. Parallel zu den Arbeiten am Pylon sollen im nächsten Jahr zwischen Reinoldikirche und Hansastraße zunächst Versorgungs- und Fernwärmeleitungen verlegt werden. Der eigentliche Straßenumbau auf dem zentralen Boulevard-Abschnitt zwischen Reinoldi- und Petrikirche „könnte sich dann ab 2023 anschließen“, heißt es nun.

Aber auch dazu gibt es über die noch ungeklärte Finanzierung hinaus ein dickes Fragezeichen: Die Überdeckung der U-Bahn-Station Kampstraße sei noch geringer als an der Station Reinoldikirche, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Auch hier werden deshalb weitere Gutachten und Maßnahmen erforderlich, „die sich gegebenenfalls auf die weitere Zeitschiene auswirken können“, teilt die Verwaltung mit.

Ob das Zeitziel für den „Boulevard“ bis 2025 gehalten werden kann, ist deshalb offen. „Wir müssen den Bauzeitplan jetzt anpassen“, erklärte Sylvia Uehlendahl mit Blick auf die neuesten Entwicklungen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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