Bis zu 2000 Leih-E-Scooter könnten bald in Dortmund unterwegs sein

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Mehrere App-Betreiber wollen Leih-Elektroroller in Dortmund verteilen. Ein Dortmunder Start-Up-Unternehmer sieht großes Potenzial. Andere Städte hatten große Probleme mit den E-Scootern.

Dortmund

, 18.05.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In vielen Großstädten außerhalb Deutschlands gehören die kleinen Elektro-Tretroller von Sharing-Diensten wie Lime, Bird, Tier oder Hive bereits seit ein paar Monaten fest zum Straßenbild. Mit Hilfe von Smartphone-Apps kann man dort Roller für kleines Geld für kurze Fahrten benutzen. Wenn man an seinem Ziel ist, lässt man die Roller einfach an Ort und Stelle stehen, der nächste Nutzer wird per App zum E-Scooter geleitet.

Am Freitag fiel in Berlin die letzte große Hürde für E-Scooter in Deutschland: Der Bundesrat stimmte für eine Zulassung der Elektro-Tretroller, die entsprechende Verordnung soll noch im Sommer endgültig in Kraft treten.

Anbieter: „Nicht einfach über Nacht X Scooter auf die Straße stellen“

Schon vor der Entscheidung bereiteten sich die Sharing-App-Anbieter darauf vor, möglichst schnell in deutschen Städten an den Start zu gehen – auch in Dortmund. Oberbürgermeister Ullrich Sierau sagte vergangene Woche, dass bereits Gespräche mit mehreren Unternehmen laufen würden.

Eines davon ist das Berliner Start-Up Tier: „Wann und mit welcher Anzahl von Scootern wir in Dortmund starten werden, hängt sehr von diesen Gesprächen ab“, sagt Tier-Sprecher Bodo von Braunmühl auf Anfrage unserer Redaktion. „Unsere Strategie ist es allgemein, unser Vorgehen mit den Städten abzusprechen, und nicht einfach über Nacht X Scooter auf die Straße zu stellen.“

Blockierte Bürgersteige, Scooter in Büschen

Damit spielt von Braunmühl auf die schlechten Erfahrungen an, die so manche Stadt mit den neuartigen Leihsystemen gemacht hat: San Francisco etwa wurde von einem Tag auf den anderen von einer ganzen Armada von E-Scootern überschwemmt. Achtlos abgestellte Scooter blockierten schnell Bürgersteige oder lagen quer auf Straßen oder in Büschen, manche landeten sogar in der San Francisco Bay. Die Stadtverwaltung zog die Reißleine und verbot die Roller. Mittlerweile hat sie Lizenzen an ausgewählte Betreiber vergeben, die strengen Bestimmungen unterliegen.

ZUR SACHE

GESETZLICHE BESTIMMUNGEN FÜR E-SCOOTER

  • E-Scooter werden in Deutschland ausschließlich auf Radwegen oder Straßen unterwegs sein dürfen. Gehwege sind tabu.
  • Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein.
  • Eine Helmpflicht besteht nicht.
  • Die Scooter müssen unter anderem zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und ein (abnehmbares) Licht habe, dazu Reflektoren und eine „helltönende Glocke“.
  • Sie dürfen nicht schneller als 20 km/h fahren und müssen eine eigene Haftpflichtversicherung haben.

Aus anderen Städten gibt es Berichte über steigende Verletztenzahlen im Straßenverkehr, oder über rücksichtslose E-Scooter-Fahrer, die auf Bürgersteigen herumrasen. Paris verhängte schließlich ein Gehweg-Verbot; wer dagegen verstößt, muss 135 Euro Strafe zahlen. In Dortmund gibt es wiederum Bedenken, dass das Verkehrssystem der Stadt ausreichend auf die Roller vorbereitet ist.

Dortmund hat eine „einfache Infrastruktur“

Philip Müller kennt die Sharing-Branche gut: Der 31-Jährige Dortmunder leitet das Dortmunder Start-Up „Wunder Fleet“, das ein Betriebsprogramm für Apps entwickelt hat, mit dem Sharing-Anbieter auf der ganzen Welt ihre Leih-Flotten organisieren.

Er sieht Dortmunds als einen „interessanten Standort“ für Elektroroller-Leihsysteme. Die Innenstadt sei relativ groß und habe eine „einfache Infrastruktur“: Es gebe mit der Hellweg-Schiene und der B54 aus allen Richtungen gute Einfallsstraßen in die Innenstadt, besonders am Hellweg im Osten Dortmunds reihe sich Vorort an Vorort.

Bis sich das Sharing-Modell in der Stadt etabliere, werde es aber noch eine Weile dauern, glaubt Müller: „Dortmund kennt bisher kein Sharing, die Leute müssen sich erst einmal daran gewöhnen.“ Der Experte für Sharing-Plattformen Müller schätzt, dass es am Ende irgendwas zwischen 1000 und 2000 E-Scooter in der Stadt geben wird, „eher in Richtung 2000“.

Stadtverwaltung braucht noch Zeit

Die Dortmunder Stadtverwaltung will sich noch nicht zu dem Thema äußern. Zuerst müssten sich die verschiedenen betroffenen Ämter abstimmen und ein gemeinsames Konzept entwickeln, erklärte die Stadt auf Nachfrage. Das könne bis in den Juni dauern.

Sie hat auch noch etwas Zeit. Nach Müllers Einschätzung wird es wohl bis Juli dauern, bis die E-Scooter-Hersteller die ersten für die App-Betreiber interessanten Modelle produziert haben, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

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