Bizarrer Streit um Tische und Stühle vor dem Imbiss My Döner

hzAußengastronomie

Um die Außengastronomie in Wickede hat sich zwischen Politik einerseits und Stadtverwaltung sowie Polizei andererseits ein Streit entwickelt, der über ein Jahr schwelt. Wer setzt sich durch?

Wickede

, 17.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Özkan Sezgin, Betreiber von My Döner am Wickeder Hellweg 101, wollte 2018 einige Tische und Stühle auf den Gehweg stellen. Ihm schwebte dabei ein Podest ähnlich wie bei der Pizzeria Da Rocco in Asseln vor. Schon bei der telefonischen Nachfrage bei der Stadt wurde ihm erläutert, dass das wegen der wegfallenden Parkplätze nicht genehmigt werden würde. Als Özkan die Politik um Hilfe bat, wurde ihm geraten, die Genehmigung schriftlich zu beantragen.

Der Ablehnungsbescheid kam im März 2019. Als Grund nannte die Stadtverwaltung wegfallende Parkmöglichkeiten und vor allem die Ausfahrt vom nahen Tedi-Parkplatz. Schon im November 2018 hatte die Bezirksvertretung Brackel signalisiert, dass sie eine solche Außengastronomie als Aufwertung des Hellweges sehr begrüßen würde und dass dadurch nur eine einzelne Parkbox wegfallen würde.

Ortstermin mit Stadt, Polizei und Politik

Letztlich forderte die Bezirksvertretung einen Ortstermin, der dann mit Polizei, Ordnungs- und Tiefbauamt im Oktober 2019 stattfand. Dabei kam ein neues Argument auf den Tisch: Podeste wie bei Da Rocco in Asseln werden grundsätzlich nicht mehr genehmigt. Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka (SPD) und Dirk Risthaus, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung, trauten ihren Ohren nicht, als vonseiten der Polizei die Parkplatz-Ausfahrt als Argument herhalten musste. Czierpka: „Jeder Wickeder weiß: Vom Parkplatz bei Tedi darf man gar nicht auf den Hellweg ausfahren.“

Vor Ort überzeugten sich die Beamten davon, dass hier tatsächlich nur die Einfahrt erlaubt ist. Auch die Möglichkeit, drei Tische direkt vor dem Fenster des Döner-Ladens aufzustellen und den Fußgängern dann Platz durch ein Parkverbot auf dem Gehweg zu schaffen, wurde kategorisch abgelehnt. Das war der Polizei zu schmal und zu gefährlich durch die nahe Stadtbahn. Czierpka: „Dass am Hellweg –etwa in Brackel – viel schmalere und gefährlichere Gehwege seit Jahren ohne Einspruch der Polizei hingenommen werden, ließen die Beamten nicht gelten.“

So schmal ist der Gehweg stellenweise in Brackel

So schmal ist der Gehweg stellenweise in Brackel. © Karl-Heinz Czierpka

Was den schmalen Gehweg angeht, machten Mitglieder der Bezirksvertretung einige Tage später die Probe aufs Exempel: Sie stellten den Parkplatz auf dem Gehweg mit Pollern zu und machten sich vor dem Imbiss mit Stühlen und Tischen breit. Cziepka: „Mehr als 2,50 Meter Bürgersteig blieben für die Passanten übrig, viel mehr als an den meisten anderen Stellen.“

Czierpka und Risthaus jedenfalls kamen zum gleichen Ergebnis: Die Außengastronomie war nicht gewollt. Tiefbau- und Ordnungsamtsmitarbeiter erklärten unisono: Wenn die Polizei ablehnt, können wir nicht zustimmen. Das aber wollte die Bezirksvertretung Brackel so nicht hinnehmen, schließlich soll auch am Hellweg in Wickede urbanes Leben entstehen, trotz Landesstraße und Stadtbahn.

„Wir lassen uns nicht an den Rand drängen“

„Das ist hier unser Ortskern, da wo man anderswo in einer Fußgängerzone flanieren kann. Wir leben zwar am Rande der Stadt, aber wir lassen uns nicht an den Rand drängen. Auch in Wickede soll man draußen sitzen können, wenn man das mag“, so der Bezirksbürgermeister, der selbst in Wickede wohnt. Das sehen alle Parteien in der Bezirksvertretung so und sie beauftragten ihren Vorsitzenden, die Verwaltung auf die Fehler und Widersprüche in den Begründungen hinzuweisen.

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So gab etwa die Polizei die Gehwegbreite mit „ca. 4 Meter“ an - in der Realität seien es 5,20 Meter, so Czierpka. Das wiederum führte aus Sicht der Brackeler Politik zu einem unerfreulichen Briefwechsel zwischen dem Bezirksbürgermeister und dem Polizeipräsidenten. Letztlich stellten in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung alle Parteien einen Antrag : Die Außengastronomie soll nun endlich genehmigt werden. Als Schutz vor der Straßenbahn schlägt die Bezirksvertretung Absperrbügel vor.

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