Blockado zu Thor Steinar: „Mal sehen, ob es wieder 12 Wochen dauert“

hz„Bezüge zu Nazi-Ideologie“

Zum zweiten Mal hat ein Geschäft der umstrittenen Marke Thor Steinar in Dortmund eröffnet. Und zum zweiten Mal werden Demonstrationen gegen den Laden organisiert.

Dortmund

, 28.07.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Iris Bernert-Leushacke ist ein bekanntes Gesicht des Dortmunder Engagements gegen Rechtsextremismus. Als sie am Montag (27.7.) von der erneuten Eröffnung eines Thor-Steinar-Ladens in der City hörte, machte sie sich ein Bild von der Lage - und wurde rüde angegangen, erzählt sie.

Nachdem sie Fotos des Gebäudes gemacht habe, habe sie ein Mann, „Typ Türsteher“, wie sie sagt, am Arm gepackt und habe sie offenbar zwingen wollen, die Fotos zu löschen. Die Hämatome, die am Tag danach sichtbar geworden seien, will sie ärztlich attestieren lassen. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Die Marke Thor Steinar ist sehr umstritten. Sie wird unter anderem mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht. Laut dem städtischen Sonderbeauftragten für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, Manfred Kossack, enthalten die von der Marke verwendeten Symbole, Runen und Codes „eindeutige Bezüge zur nationalsozialistischen Ideologie, Gewalt und Kolonialgeschichte.“

Erstes Geschäft war geschlossen worden

Monatelang hat Iris Bernert-Leushacke im Herbst als Sprecherin des Bündnisses Blockado dafür gekämpft, dass ein früherer Thor-Steinar-Laden aus Dortmund verschwindet - und das erfolgreich. Ihr erster Gedanke, als sie hörte, dass die Marke wieder ein Ladenlokal eröffnet? „Ich habe mir gedacht: Wie dumm kann man sein, zweimal dasselbe zu versuchen?“

Die Schaufenster des neuen Thor-Steinar-Geschäfts waren am Eröffnungstag beklebt.

Die Schaufenster des neuen Thor-Steinar-Geschäfts waren am Eröffnungstag beklebt. © Thomas Thiel

Im November hat die Stadt Dortmund das erste Geschäft am Brüderweg aus Brandschutzgründen schließen lassen. Erst vor wenigen Wochen ist das Firmenschild an der Fassade entfernt worden - nun gibt es die Neueröffnung am Alten Burgwall.

Bernert-Leushacke sagt: „Ich hoffe, dass der Vermieter jetzt reagiert.“ Einen großen Vorwurf macht sie den Hauseigentümern aber nicht. Nach längerer Zeit des Leerstands sei jeder froh, Mieter zu finden. Da würden die Geschäftsmodelle nicht allzu sehr hinterfragt, wenn eine Firma angibt, Kleidung zu verkaufen.

Erste Kundgebung für Donnerstag angekündigt

Eine erste Kundgebung gegen die neuen Mieter ist für Donnerstag (30.7.) ab 17.30 Uhr am Alten Burgwall angekündigt. „Wir haben jetzt Übung“, sagt die Blockado-Sprecherin: „Mal sehen, ob es wieder zwölf Wochen dauert, bis der Laden schließt.“

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Im vergangenen Herbst waren zur Auftakt-Demo rund 200 Personen erschienen, einige Wochen danach hat es auch einen Überfall von vermummten Linksextremen auf den Laden gegeben. Iris Bernert-Leushacke distanziert sich davon und sagt für Blockado: „Unser Protest ist immer friedlich.“

Manfred Kossack betont, Dortmund sei weltoffen und vielfältig und habe sich im vergangenen Jahr „erfolgreich gegen die Bekleidungsfirma und die von ihr propagierte menschenfeindliche Ideologie positioniert“. Die Stadt Dortmund werde alles mögliche tun, um zu verhindern, dass Thor Steinar hier Fuß fasst.

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