Blutgruppe B: Angeklagter im „Schalla-Prozess“ gerät weiter unter Druck

hzSchwurgericht Dortmund

Im Prozess um die Ermordung der Schülerin Nicole-Denise Schalla ist die Indizienkette gegen den Angeklagten Ralf H. (53) länger geworden. Eine Blutuntersuchung belastet ihn.

Dortmund

, 22.08.2019, 15:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angeklagte im Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla vor 25 Jahren hat die Blutgruppe „B“. Das hat ein Arzt (72) am Donnerstag vor dem Dortmunder Schwurgericht im letzten Verhandlungstermin vor einer einmonatigen „Sommerpause“ eindeutig bestätigt. Damit hat sich die Wahrscheinlichkeit, dass mit dem Castrop-Rauxeler Ralf H. der Mörder der Dortmunder Schülerin auf der Anklagebank sitzt, beträchtlich erhöht. Ob allein dieses neue Indiz am Ende reichen wird, ist allerdings fraglich.

Haar an der Leiche deutete auf Blutgruppe „B“

Hintergrund für die Bestimmung der Blutgruppe, gegen die sich Ralf H. vehement gesträubt hatte, war ein blondes Haar, das am Leichnam der am 14. Oktober 1993 ermordeten Schülerin gesichert werden konnte und das eindeutig nicht von ihr stammt. Dieses Haar konnte zwar nicht mehr auf DNA untersucht werden, wohl aber auf bestimmte Blut-Parameter: Im Ergebnis gab es überwiegende Merkmale dafür, dass das Haar von einem Spurenleger mit der Blutgruppe „B“ stammt.

Fakt ist: Dadurch, dass nun klar ist, dass auch Ralf H. Blutgruppe „B“ hat, hat sich der Druck auf ihn massiv erhöht. Fakt ist aber auch: Das neue Indiz ist allenfalls ein weiteres Glied in der Indizienkette. Denn immerhin haben laut dem Deutschen Roten Kreuz statistisch rund elf Prozent der Bevölkerung in Deutschland die Blutgruppe „B“.

Verteidiger will zwei weitere Zeugen hören

Verteidiger Christian Dreier will den Angeklagten nun durch die Vernehmung zweier weiterer Zeugen entlasten. Dabei spielt erneut die angebliche Untauglichkeit zum Würgen beim Angeklagten wegen zweier Daumen-Operationen in den 1970er-Jahren eine Rolle.

Erst am vergangenen Prozesstag hatte sich ein medizinischer Sachverständiger mehr oder weniger eindeutig festgelegt, dass die unfallbedingten Folgen an den Daumen zu keinen Beeinträchtigungen bei Ralf H. geführt haben dürften.

Der ehemalige Ausbildungsleiter des Angeklagten im Werler Gefängnis soll laut Verteidigung nun aber als Zeuge bestätigen, dass das seinerzeit im Gefängnis sehr wohl der Fall gewesen ist. Gefängnis-Lehrling Ralf H. sei damals nicht einmal mehr in der Lage gewesen „Teig zu kneten“ und habe deshalb seine Bäckerlehre abbrechen müssen, hieß es. Das könne der ehemalige Bewährungshelfer des Angeklagten ebenso bestätigen, behauptete die Verteidigung. Nebenklageanwältin Arabella Pooth bezeichnete den neuerlichen Entlastungs-Vorstoß der Verteidigung als „überflüssig“.

Nach der einmonatigen Verhandlungspause wird der Prozess am 23. September fortgesetzt. Stand jetzt wollen die Richter am 4. Oktober das Urteil verkünden.

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