Blutiger Einsatz am Hauptbahnhof Dortmund - Video bald auf Facebook und Instagram

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Vergangene Woche lag ein blutender Mann vorm Hauptbahnhof. Hunderte haben das gesehen, etliche gefilmt. Das Video wird veröffentlicht. Das hier ist die ganze Geschichte dahinter.

Dortmund

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein blutüberströmter junger Mann liegt an einem der prominentesten Orte der Stadt. Eine große Wunde links unten am Bauch. Passanten zücken das Handy und filmen, stören den Einsatz von Polizei und Feuerwehr. So geschehen am Donnerstagabend (4.7.) an der Katharinentreppe vor dem Hauptbahnhof. Verantwortlich für die Lage des Mannes sind jedoch kein schlimmer Unfall oder ein Messerangriff, sondern dahinter stecken die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft (DFeuG).

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Das Blut ist künstlich, die Wunde die Arbeit einer Maskenbildnerin, sogar die Schaulustigen sind gestellt. Die Szene an der Katharinentreppe ist Teil der Dreharbeiten für eine gemeinsame Kampagne der beiden Gewerkschaften. Mit mehreren Kurzfilmen wollen sie für mehr Respekt gegenüber Einsatzkräften werben und Einblick in die mentale Welt von Polizisten, Feuerwehrleuten, Sanitätern und anderen Rettern geben.

Im Kopf der Retter

„In jedem Kurzfilm soll der Zuschauer mit an einen Einsatzort genommen werden, einen Einblick in die gemeinsame Arbeit der Rettungskräfte bekommen und auch erfahren, was in den Köpfen vorgeht“, erklärt Maik Müller. Er ist Polizist und einer der Macher der Kampagne „Respekt?! Ja bitte!“.

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Diese künstliche Bauchwunde ist das Werk einer Krankenschwester. Durch den Schlauch kommt später künstliches Blut. © Maik Müller

Der „Verletzte“ von der Katharinentreppe wird später in einem Kurzfilm zu Gewalt unter Kindern und Jugendlichen zu sehen sein. Dazu wurde auch bereits im Klinikum gedreht – wo die künstliche Wunde fachmännisch von echten Ärzten vesorgt wurde. Am Montag (8.7.) hat das Team außerdem noch in der Nordstadt gedreht. „Täter und Opfer, die halb so alt sind wie die Einsatzkräfte, stellen natürlich für manche eine besondere Belastung dar“, sagt Maik Müller.

Trotz dieser mentalen Nahbeschau ist Maike Müller eine Sache wichtig: „Wir wollen die Einsatzkräfte nicht als Opfer darstellen. Das entspricht nicht deren Selbstwahrnehmung.“ Es sei aber wichtig, das Verständnis für die Arbeit von Polizei und Feuerwehr zu verbessern.

Viele Gruppen beteiligt

Ablehnung von oder sogar Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt in vielen Bereichen zu. Dabei kann Kritik natürlich auch berechtigt sein – zum Beispiel am Großeinsatz der Polizei im Hambacher Forst. Aber auch tätliche Angriffe auf Polizisten haben in der Vergangenheit zugenommen.

Ein besonders gutes Beispiel für den Kontrast, der darin steckt, sei die Einsatzhundertschaft, so Maik Müller. Bei Demos oder Fußballspielen gebe es immer wieder Skepsis gegenüber der Truppe. Was kaum einer wisse: Dieselben Beamten werden zum Beispiel auch bei Vermisstensuchen eingesetzt. „Wir wollen sagen: Ja, sei unseretwegen ruhig skeptisch, aber schau dir auch an, was wir noch machen, und bleib respektvoll.“

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Auch im Klinikum wurde für die Kampagne bereits gedreht. © Maik Müller

Neben der GdP und der DFeuG haben auch bereits einige NRW-Politiker Statements für mehr Respekt abgegeben, die in den Kurzfilmen zu sehen sein werden. Auch mit weiteren Personen des öffentlichen Lebens liefen Gespräche, so Maik Müller. „Wir hatten auch gehofft, noch weitere Gewerkschaften mit ins Boot zu holen. Leider hat das bisher nicht geklappt.“

Erste Folgen im Spätsommer

Ende August sollen die Dreharbeiten abgeschlossen sein, sagt Maik Müller. Dann sollen auch regelmäßig Folgen der Kampagne im Netz erscheinen – vornehmlich auf Facebook und Instagram.

Die Arbeiten für den Film übernehmen übrigens ebenfalls Einsatzkräfte – und zwar ehrenamtlich. Die Bauchwunde des Mannes an der Katharinentreppe sei zum Beispiel von einer Krankenschwester gemacht worden, die abseits ihres Berufes auch Maskenbildnerin ist, so Maik Müller. Eine Gesundheitsgefahr für den „Schwerverletzten“ bestand also wirklich zu keiner Zeit.

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