Diese Visualisierung ist schon gut zehn Jahren alt. So soll der Boulevard Kampstraße mit Wasserlauf, Wasserbecken und Lichtband vom Reinoldi-Pylon aus einmal aussehen. © Stadt Dortmund
Meinung

„Boulevard Kampstraße“: Diese Planung ist ein handfester Skandal!

Neuer Ärger um den „Boulevard Kampstraße“: Bei den laufenden Arbeiten am Reinoldipylon wurde ein Baustopp verhängt. Das ist nicht mehr nur eine teure Posse, findet unser Autor. Sondern ein Skandal.

Mit Pleiten, Pech und Pannen sind die Vorkommnisse um den Bau des „Boulevard Kampstraße“ sehr vornehm umschrieben: Nach jahrelangen Verzögerungen bei der Planung und dem Verlust von Fördermitteln in Millionenhöhe gibt es jetzt einen Baustopp und die Frage, ob die Pläne überhaupt realisiert werden können. Für mich wird der Umgang der Verwaltung mit der teuren Posse langsam vom Ärgernis zum Skandal.

Zweimal stand das Thema „Boulevard Kampstraße“ am Dienstag auf der Tagesordnung im Ratsausschuss für Mobilität. In einem Schreiben erklärte die Verwaltung, warum man unbedingt an der 23 Jahre alten Planung für den Boulevard mit Wasserlauf und Lichtband festhalten müsse und nun mit Blick auf Verkehrswende und neue Klimapolitik nicht mehr umplanen könne.

Von einem „schlüssigen zeitgemäßen Gestaltungskonzept als wichtigem Baustein für die Cityentwicklung“ ist die Rede. Änderungen in der Planung würden „durch neue Planungsaufträge und geänderte Ausschreibungsunterlagen zu einer weiteren Verzögerung der Maßnahme führen sowie eine Förderung gefährden“, heißt es in dem Schreiben von Planungsdezernent Ludger Wilde und Baudezernent Arnulf Rybicki.

Und weiter: „Die Maßnahme ist bis auf den Kirchplatz rund um die Reinoldikirche im Wesentlichen nach intensiven Abstimmungen mit zahlreichen Akteuren konkret durchgeplant; die Ausschreibungsunterlagen sind fertiggestellt.“

Pardon: Aber das passt nicht zu der zweiten Vorlage zum „Boulevard Kampstraße“, die die Verwaltung der Politik kurzfristig auf den Tisch legte. Darin wurde der Baustopp für den Arbeiten am Reinoldi-Pylon verkündet. Wegen der geringen Überdeckung der Stadtbahn-Station stellt ein Gutachter die aktuellen Planungen auf den Prüfstand – was Zeit und Geld kostet.

Zugleich räumt die Verwaltung ein, dass auch die Planungen für den zentralen Abschnitt auf sehr wackeligen Füßen stehen. Über der Stadtbahn-Station Kampstraße soll die Decke noch dünner sein.

Wie sich das mit dem geplanten Wasserlauf, einem wesentlichen Element der Pläne, verträgt? Selbst die Bauexperten haben darauf noch keine Antwort. Genauso wenig wie auf die Frage nach der aktuellen Zeitplanung. Das steht im krassen Widerspruch zu der Aussage, dass alles „konkret durchgeplant“ sei.

In der Verwaltung ist jetzt Ehrlichkeit gefragt: Gönnt Euch zu der Baupause auch eine Denkpause. Prüft Statik und Baugrund, bevor die Bagger anrollen – was unverständlicherweise bislang offensichtlich nicht der Fall war. Und sucht das Gespräch mit dem Land, wie es mit der Förderung unter neuen Bedingungen weitergehen kann. Denn auch in Düsseldorf wird man kein Interesse daran haben, Geld in ein Fass ohne Boden zu stecken. Es ist unser aller Steuergeld.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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