Dortmunder (67) braut eigenes Bier auf 13 Quadratmetern

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Reinhard Erlenkamp aus Brackel stellt sein eigenes Bier her – in einer Mikrobrauerei. Sobald nur eine Flasche die Wohnung verlässt, muss der Hobby-Brauer beim Zollamt vorstellig werden.

Brackel

, 20.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Bleib Dortmund treu, trink Erlenbräu“ – bei diesem Slogan dürften selbst ausgewiesene Bierkenner ins Grübeln geraten. Die heimischen Biere sind ihnen ja geläufig, aber Erlenbräu? Wo soll das denn gebraut werden? Die Antwort ist einfach: in Brackel, genauer gesagt in der Wohnung Reinhard Erlenkamps.

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Kölsch, Weizen, Alt oder Stout: Eine Menge Sorten, die der Liebhaber obergäriger Gerstensäfte schätzt, hat auch der Brackeler schon zubereitet. Allerdings nicht auf einem großen Gelände mit Sudhaus und stattlicher Abfüllanlage, sondern im ehemaligen Arbeitszimmer, das wegen der zahlreichen Edelstahl-Utensilien den Namen Brauzimmer inzwischen eher verdient hätte. Das Brauzimmer ist circa 13 Quadratmeter groß.

Erste Versuche mit einem Holzlöffel

Zugegeben, als gelernter Konditor hatte der 67-Jährige schon früher mit Hefe zu tun. Doch wie so oft spielte der Zufall eine Rolle, als Erlenkamp zu seinem jetzigen Hobby kam.

Eigentlich wollten seine Frau Gudrun und er im Jahr 2015 in der Hövels Hausbrauerei nämlich brunchen, entschieden sich dann aber für eine Brauschulung, die ihnen ein Hövels-Mitarbeiter empfohlen hatte.

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Mit mehreren Bekannten besuchte das Ehepaar das Seminar, doch trotz des neuen Wissens blieben nur zwei Teilnehmer dem Brauen treu: Gudrun und Reinhard Erlenkamp.

„Die ersten Versuche habe ich in der Küche mit einem 20-Liter-Einkochkessel und einem großen Holzlöffel unternommen“, erzählt der Brackeler und lacht. „Beim Abmaischen landete dann alles auf dem Boden. Das war eine ziemliche Sauerei.“

Dortmunder (67) braut eigenes Bier auf 13 Quadratmetern

Ein Besuch bei den Profis: Die Gründungsmitglieder der Braugruppe Erlenbräu besichtigen zunächst einmal das Dortmunder Brauereimuseum. © Privat

Doch der Rentner blieb hartnäckig und startete einen zweiten Versuch, der schon besser gelang. „Ich habe damals zwar immer noch Fehler gemacht, aber einige Leute, die das Bier probiert haben, meinten, das könne man trinken.“

Ganz allein wollte er sich aber nicht auf den Weg zum perfekten Durstlöscher machen und fand letztlich vier weitere Mitstreiter, von denen heute noch drei zum Brau-Team gehören.

Und auch die Gattin blieb dabei und bildet noch immer eine feste Größe. „Ohne ihre Unterstützung ginge das gar nicht“, sagt der dankbare Gatte. „Vor und nach dem Brauvorgang muss so viel erledigt und geputzt werden, das würde ich allein nicht schaffen.“

Dortmunder (67) braut eigenes Bier auf 13 Quadratmetern

Eine Mikrobrauerei braucht natürlich eigene Bierdeckel. Mehrere Hundert davon ließ Reinhard Erlenkamp anfertigen. © Michael Schuh

Im Laufe der Zeit vergrößerte Erlenkamp mit Büchern und Infos aus dem Internet die eigenen Kenntnisse sowie mit Einkäufen in speziellen Internetshops die Ausstattung. Der kleine Einkochkessel ist längst Geschichte.

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Mittlerweile nehmen ein Läuter- und ein Gärbottich, ein Maische- und ein Einkochkessel sowie verschiedene Malzarten und Fässchen das ehemalige Arbeitszimmer in Beschlag.

Da Deutschland aber nicht nur das Land des Bieres, sondern auch der Bürokratie ist, musste Erlenkamp sein Hobby beim Zoll anmelden und sich verpflichten, jährlich nicht mehr als 200 Liter Bier zu brauen.

Formelles Schreiben und ein paar Cent Zollgebühr

Doch damit nicht genug: Da das Getränk nach der rund sechswöchigen Brauphase nur im eigenen Haushalt verzehrt werden darf, wurde der Rentner 2018 erneut beim Zollamt vorstellig, als er mit einigen Flaschen zu den Hobby-Brauer-Tagen nach Lüneburg reisen wollte. „Dann erhielt ich ein formelles Schreiben und musste Zollgebühren zahlen“, erinnert er sich grinsend. „Das waren 38 oder 58 Cent – so genau weiß ich es nicht mehr.“

Mit seinem „Sierra Nevada Pale Ale“ landete er beim Wettbewerb in Lüneburg auf einem Mittelfeldplatz. Doch Auszeichnungen spielen für den 67-Jährigen ohnehin keine allzu große Rolle, im Vordergrund steht der Spaß.

Zum Abend hin wird es gemütlich

Ziemlich lustig geht es offenbar zu, wenn sich das Team drei- bis viermal pro Jahr zum Brauen, Essen und Trinken in Brackel trifft. Denn nach der Arbeit steht die Verköstigung des im vorherigen Brauvorgang hergestellten Tropfens auf dem Programm. „Zum Abend hin wird es dann immer gemütlicher“, erläutert Erlenkamp vielsagend und schmunzelt.

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