Brackeler: „Skandal-Arzt forderte 300.000 Euro für Bagatell-Unfall“

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War die Gier stets zu groß? Der Skandal-Arzt, der einst in Wambel und Schwerte praktizierte, forderte nach einem Unfall mit Blechschaden 300.000 Euro. Was folgte, war eine juristische Schlammschlacht.

Wambel, Schwerte

, 23.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anrufe reißen nicht ab. Immer mehr Dortmunder wollen von ihren eigenen Erlebnissen mit dem einstigen Wambeler Skandal-Arzt Hareshchandra Shah erzählen. Einer von ihnen ist der Brackeler Hans-Georg Bragrock.

Er sagt. „Vor 33 Jahren hatte meine Frau einen kleinen Unfall am Breierspfad/Ecke Am Sonneborn. Das war ein bisschen Blechschaden. An unserem Kadett war kaum etwas kaputt. Und genauso war‘s mit dem Auto des Unfallgegners: einem Jaguar, an dessen Steuer Hareshchandra Shah saß, der seine Tochter zum Reiten bringen wollte.“

Nach ein paar Tagen kam der Hammer

Weil sich tagelang niemand bei ihnen meldete, dachten die Bragrocks schon, das Thema sei wegen Geringfügigkeit erledigt. Doch dann kam der Hammer: Shah habe eine Entschädigung in Höhe von 300.000 Euro gefordert. Er habe nach dem Unfall nichts mehr riechen und schmecken können und sei insgesamt durch den Vorfall so beeinträchtigt, dass er nicht mehr arbeiten könne, hieß es damals.

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Was folgte, war nach Aussage von Hans-Georg Bragrock eine juristische Schlammschlacht, an der verschiedene Gutachter, Versicherungen und Gerichte beteiligt waren. Fünf Jahre habe der gesamte Prozess gedauert.

Und am Ende habe der Arzt vom Oberlandesgericht Hamm tatsächlich eine Summe von 70.000 Euro zugesprochen bekommen. Weil der Vorfall so weit in der Vergangenheit liegt, kann das Gericht den Sachverhalt heute allerdings nicht mehr bestätigen. Pressesprecher Martin Brandt teilt mit: „Über unser Registratursystem lässt sich ein entsprechendes Verfahren nicht nachvollziehbar verifizieren.“

Arzt musste sich mehrfach wegen Betrugs verantworten

Auch das Landgericht Dortmund, das sich zuvor mit dem Fall beschäftigt haben muss, teilt mit, ein so alter Fall sei heute nur schwer in den Archiven zu finden. Gleiches gilt für das Rechtsanwalts-Büro, das damals mit dem Fall betraut war.

Nein, er sei definitiv nicht gut auf Hareshchandra Shah zu sprechen, sagt Hans-Georg Bragrock noch.

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Wie berichtet, musste sich der Arzt, der seine Wurzeln in Indien hat und ab 1973 in Wambel und später in Schwerte praktizierte, mehrfach wegen Betrugs und anderer Delikte vor Gericht verantworten. Unter anderem hatte er Drogen an Suchtkranke verkauft.

Auch hatte er in seiner Schwerter Praxis einen Einbruch vorgetäuscht, um die Versicherungsentschädigung zu kassieren. Heute lebt er in der Schweiz, wo ihm die Ausweisung drohte. Nach einem Gerichtsentscheid muss er das Land nun aber doch nicht verlassen.

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