Brandserie auf Feldern in und um Dortmund: Hartes Urteil für 21-Jährigen

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Ein psychisch kranker Dortmunder hat im Sommer 2019 reihenweise Felder und Strohlager angezündet. Trotz erster Behandlungserfolge bleibt das Landgericht in seinem Urteil hart.

Dortmund

, 11.05.2020, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess um eine Serie von Feld- und Strohlager-Bränden in Dortmund und dem gesamten Kreis Unna hat das Landgericht das Urteil gefällt. Der 21-jährige Angeklagte, der eine Reihe von Brandstiftungen im Prozess eingeräumt hatte, wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Ein normales Gefängnis wird der psychisch schwer angeschlagene junge Mann allerdings wahrscheinlich niemals von innen sehen. Die Richter ordneten nämlich außerdem seine zeitlich unbefristete Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik an.

Gutachter: erhebliche Rückfallgefahr bei Brandstifter

Für den Dortmunder bedeutet das: Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihn seine behandelnden Ärzte vor Ablauf der drei Jahre und neun Monate für geheilt erklären würden, müsste er den verbleibenden Rest der Zeit noch in einem Gefängnis verbüßen. Es ist jedoch eher zu erwarten, dass die Dauer seiner Behandlung die Zeit der verhängten Freiheitsstrafe deutlich übersteigt.

Psychologe Malik Mbamba hatte den Angeklagten im Verlaufe des Prozesses mehrmals eingehend untersucht und war danach zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Er attestierte dem jungen Dortmunder eine „schwere Persönlichkeitsfehlentwicklung“ und ein „extremes Aufmerksamkeitsdefizit“, das unbedingt in einer Klinik behandelt werden müsse.

Der Angeklagte und Verteidiger Dirk Mayer haben Revision eingelegt.

Der Angeklagte und Verteidiger Dirk Mayer haben Revision eingelegt. © Martin von Braunschweig

Auf die Frage, was passieren würde, wenn der 21-Jährige keine Therapie bekäme, antwortete der Sachverständige ebenfalls klar und eindeutig. „Es besteht eine erhebliche Rückfallgefahr“, sagte Mbamba.

Eine solche sei bei Brandstiftern in der Regel immer gegeben. Im Fall des Dortmunder sei sie jedoch besonders hoch anzusetzen. Alle Beteuerungen des Angeklagten, er spüre derzeit keinerlei Druck, Feuer zu legen, nützten in diesem Zusammenhang nichts.

Landwirte in Wut und Sorge

Die Brandstiftungen hatten im Sommer 2019 bei zahlreichen Landwirten in der Umgebung Wut und Sorge ausgelöst. Die Strohballen waren zum Teil mehrere Tausend Euro wert. Der Angeklagte hatte eingeräumt, immer wieder ziellos mit seinem Auto durch die Gegend gefahren zu sein, wenn er eine innere Unruhe spürte. „Dann hat es irgendwann im Kopf klick gemacht und ich bin ausgestiegen und habe ein Feuer gelegt“, so der Dortmunder im Prozess.

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Mit seiner unbefristeten Unterbringung in der Psychiatrie will sich der 21-Jährige trotz aller Krankheitseinsicht nicht einfach so abfinden. Zusammen mit seinem Verteidiger hat er bereits Revision gegen das Urteil des Landgericht eingelegt. Das heißt, dass die Akten in einigen Monaten auch noch den Bundesgerichtshof beschäftigen werden.

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