Brechtener Unternehmen bietet Betreuung für Hilfebedürftige an - und entlastet Angehörige

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Viele demenzkranke Menschen müssten nicht unbedingt in ein Pflegeheim umziehen, meint die Brechtenerin Ilka Mildner. Und einen Service, der das verhindert, unterstützt sogar die Pflegekasse.

Brechten

, 22.08.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Angehörige von alten oder kranken Menschen kennen Pflegedienste, die sich - wie der Name sagt - um die pflegerischen Aspekte ihrer Kunden beziehungsweise Patienten kümmern. Was sie dagegen weniger kennen, sind laut der Brechtenerin Ilka Mildner (36) die Betreuungsdienste. Einen solchen betreibt sie selbst seit vier Jahren unter dem Namen „Betreuungsservice NRW“. 31 Mitarbeiter und 170 Patienten hat sie mittlerweile.

Nehmen wir Bruno D., einen Rentner von Anfang 80, der immer allein und in seiner eigenen Wohnung gelebt hat. Irgendwann, als bei ihm eine Demenz diagnostiziert wurde, habe sich seine Nichte an den Betreuungsservice gewandt. Der sei fortan jeden Vormittag für drei Stunden zu Bruno gekommen, habe das Badezimmer vorbereitet, den Senior daran erinnert, dass er es benutzen und sich später anziehen müsse. Danach habe es Frühstück gegeben, und Besorgungen oder Einkäufe seien gemeinsam gemacht worden. Mit dem Mittagessen endete die Betreuung. Bruno habe noch alles selbst tun können, sagt Mitarbeiterin Sabrina Hoberg (39), nur habe er eben darauf hingewiesen werden müssen, es wirklich zu tun. Zum Beispiel habe er nicht genug getrunken, also haben die Mitarbeiter des Betreuungsservices überall in der Wohnung gefüllte Wassergläser verteilt. Später, als die Demenz schlimmer wurde, habe es auch nachmittags einen Besuch gegeben.

Betroffene können länger in ihrer Wohnung bleiben

Dieser Service habe dazu beigetragen, dass Bruno viel länger in seiner Wohnung weiterleben konnte, als das ohne diesen Dienst der Fall gewesen wäre. Denn besonders ein Ortswechsel ist es bei vielen Demenzkranken, der eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands mit sich bringe: „Durchgangssyndrom“ heißt dieses Phänomen.

31 Euro pro Stunde kosten die Dienste des Betreuungsservices. „Aber“, sagt Ilka Mildner, „viele Angehörige wissen nicht, dass sie dafür einen Zuschuss von der Pflegekasse bekommen. Die Familie von Bruno habe knapp unter 1000 Euro monatlich zuzahlen müssen. Immer wieder höre sie: „Mein Gott, das wusste ich ja gar nicht.“ Sie wolle die Menschen aufklären, Werbung für ihren eigenen Betrieb brauche sie nicht. Der sei gut ausgelastet.

Nett, zuverlässig und verantwortungsbewusst

Was sie jedoch brauchen könne, seien weitere Mitarbeiter. Wer also nett, zuverlässig und verantwortungsbewusst sei, dürfe sich gern bei ihr melden. Ihr Betrieb sei familienfreundlich, und die Arbeitszeiten können individuell auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst werden - so wie bei Sabrina Hoberg, die sich neben dem Beruf auch um ihre drei Kinder kümmern muss. Neue Mitarbeiter erhalten eine 40-stündige Ausbildung, mit der sie auf ihre Tätigkeit vorbereitet werden.

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