Brekau-Prozess: "Nur Traurigkeit vorhanden"

GÜSTROW Vor dem Amtsgericht Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) hat heute um 9.30 Uhr der Prozess um den tragischen Unfalltod des Dortmunder Polizisten Benjamin Brekau begonnen. Der 27-Jährige war am 8. Juni am Rande des G8-Gipfels auf einem Hotel-Parkplatz in Linstow (Landkreis Güstrow) aus einem Polizei-Mannschaftswagen gestürzt und drei Tage später an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben. <br><b>Letzte Aktualisierung: 18.19 Uhr</b>

von Von Martin von Braunschweig

, 22.11.2007 / Lesedauer: 4 min

Die Staatsanwaltschaft hat eine 26-jährige Kollegin Brekaus wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Die Dortmunderin hatte bei der Abfahrt vor dem Hotel-Restaurant am Steuer des Ford Transit gesessen. Der Vorwurf der Anklage lautet: Die Polizistin hätte sich vor dem Losfahren vergewissern müssen, dass alle Insassen angeschnallt und die Tür des Wagens geschlossen waren. Das Amtsgericht Güstrow hat den Freitag (23.11.) als zweiten Verhandlungstag angesetzt.

Hinweis: Der Prozess um den tragischen Tod des Polizisten Benjamin Brekau wird am Freitag um 9.30 Uhr in Güstrow vor dem Amtsgericht fortgesetzt. Wir sind für Sie vor Ort und informieren den ganzen Tag über aktuell.

18.19 Uhr: Der Prozess ist immer noch nicht zu Ende, wird sich sogar noch bis spät in die Abendstunden verzögern, weil noch weitere Zeugen, die allerdings alle nichts zum Unfall-Hergang sagen können, gehört werden sollen. Für heute unterbrechen wir daher unsere Berichterstattung. Am Freitag sind wir allerdings wieder für Sie bei der Verhandlung (ab 9.30 Uhr). Dann soll es laut Richter Nitschke allerdings höchstens zu den Plädoyers beider Seiten kommen. Für eine Urteilsverkündung werde vermutlich ein Termin in der kommenden Woche anberaumt.

18.02 Uhr: Zeugen, die Aussagen zum Randgeschehen machen können, werden vernommen. Es handelt sich dabei um Polizisten, die sich auf dem Hotel-Parkplatz befanden oder zur Unfallstelle gekommen sind, aber zum Unfallhergang nicht sagen können. Meist Kollegen aus Dortmund und Bochum.

Sie sollen Aussagen über mögliche Streitigkeiten oder Konkurrenzkämpfe innerhalb der Polizisten-Gruppe machen. Ein 33-Jähriger sagte: „Bei mir ist nur Traurigkeit vorhanden. Es ist schlimm, dass so ein angenehmer Einsatz so tragisch enden musste.“

16.00 Uhr: Die Vernehmung des Gruppenführers (33) läuft. Er sagt: "Ich habe versucht, Benjamin festzuhalten, aber plötzlich war er weg." Es sei alles sehr schnell gegangen. Die Stimmung unter den Kollegen sei zuvor sehr gut gewesen. Niemand habe Benjamin geschubst und es habe keinen Streit gegegben. Brekau sei ein überaus beliebter Kollege gewesen.

15.15 Uhr: Das Gericht hinkt dem eigenen Zeitplan mittlerweile drei Stunden hinterher. Als nächstes soll der dritte Zeuge, der 33-jährige Gruppenführer - ebenfalls ein Dortmunder Polizist -, aussagen. Doch zuvor muss das Gericht Verfahrensfragen klären. Konkret geht es darum, wer den Anwalt des Gruppenführers bezahlt.

14.28 Uhr: Mit Thomas S. wird derzeit ein weiterer Fahrzeug-Insasse in Güstrow vernommen. Zum Unfallhergang verkündete der 41-Jährige kaum Neuigkeiten. Es sei alles so schnell gegangen, erklärte er. Und das er sich an Einzelheiten nicht mehr erinnern könne.

Thomas S. gab allerdings zu: „Wir sind jeden Tag mehrfach mit offener Tür und unangeschnallt gefahren.“

Und: Der Gruppenführer, der bei den Fahrten immer auf dem Beifahrersitz gesessen hat, habe zwar häufig darauf hingewiesen, sich anzuschnallen. Vor dem Unfall allerdings nicht. Ohnehin wurden die Hinweise von kaum einem der Polizisten befolgt, wie Thomas S. mitteilte. Bei der kurzen Fahrt vom Hotel-Restaurant zur Unterkunft habe sich niemand angeschnallt.

13.15 Uhr: Das Amtsgericht Güstrow hat die Vernehmung des ersten Zeugen abgeschlossen. Der 28-jährige Polizist hatte bei dem Unglück ebenfalls im Wagen gesessen – direkt gegenüber von Benjamin Brekau. Auch nach der Befragung bleibt unklar, was sich am Unglückstag gegen 21 Uhr tatsächlich im Inneren des Ford Transit ereignet hat.

Fakt ist: Kurz nach dem Losfahren stand Benjamin Brekau noch einmal auf und bewegte sich in Richtung Fahrer- und Beifahrersitz. Der Zeuge: „Dann ging alles furchtbar schnell. Plötzlich stand er in der Tür und schaute ganz angestrengt. Er hat noch versucht, sich festzuhalten, aber auf einmal war er weg.“

Gerüchte, dass es zuvor zwischen dem Verunglückten und einem Kollegen zu Streit und Handgreiflichkeiten gekommen sein könnte, bestätigte der Zeuge nicht: „So was habe ich nicht beobachtet. Außerdem war die Stimmung in unserer Gruppe gut. Ich habe Benjamin sehr gemocht.“

11.05 Uhr: Unter großem Medienandrang hat am Amtsgericht der Prozess begonnen. Die wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Fahrerin des Wagens – eine 26-jährige Polizistin aus Dortmund – hat inzwischen damit begonnen, den Unfallhergang aus ihrer Sicht zu schildern. „Wir waren alle schockiert“, erinnerte sich die Frau vor Gericht. Ihr Verteidiger Martin Habig sagte: „Natürlich bedauert meine Mandantin das Geschehen. Aber es war ein Unfall eine Tragödie, ein Unglück, an dem sie nicht die Schuld trägt.“

Benjamin Brekaus Witwe Michaela (26) verfolgt den Prozess als Nebenklägerin mit. Ihr kurz nach dem Unglück geborener Sohn Benjamin junior schläft derweil in einem Nebenzimmer. Kurz vor Beginn des Prozesses sagte Michaela Brekau gegenüber Pressevertretern: „Es geht mir nicht darum, dass hier jemand bestraft wird. Ich will einfach nur wissen, was damals passiert ist.“

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