Im Dortmunder Amtsgericht: Khadija Bouizar und Anwalt Dirk Niehaus. Bouizar leidet bis heute unter dem Sturz mit einem E-Scooter. © Jörn Hartwich
Amtsgericht Dortmund

Bremsen am E-Scooter versagten: Dortmunderin lebenslang beeinträchtigt

Nach einem schweren Sturz mit einem defekten E-Roller hat die Staatsanwaltschaft den „Operation-Manager“ angeklagt. Verurteilt wurde er aber nicht.

Das ist wohl der Albtraum eines jeden E-Roller-Fahrers: Eigentlich sollte es nur eine kurze Tour zum Kiosk werden, doch dann haben plötzlich die Bremsen versagt. Am Freitag hat der Fall der Dortmunderin Khadija Bouizar das Amtsgericht erreicht.

Angeklagt war der für das Ruhrgebiet verantwortliche Operation-Manager der Verleihfirma. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: fahrlässige Körperverletzung. Überraschenderweise war der 30-Jährige jedoch gar nicht zum Prozess erschienen. Er ließ sich von seinem Anwalt vertreten, was in diesem Fall erlaubt war.

600 Euro vom Angeklagten

Für die Restaurantfachfrau aus Dortmund war es trotzdem ein erfolgreicher Tag. Das Strafverfahren soll zwar eingestellt werden. Im Gegenzug hat sich der Angeklagte über seinen Anwalt jedoch bereit erklärt, 600 Euro zu zahlen – als eine Art erstes Schmerzensgeld. Ausgestanden ist der Fall für seine Firma damit aber noch nicht.

Bouizars Anwalt Dirk Niehaus fordert parallel zum Strafverfahren ein viel höheres Schmerzensgeld. „Meine Mandantin wird lebenslang beeinträchtigt sein“, sagte er am Rande des Prozesses. „Das muss kompensiert werden.“

Es war die Nacht auf den 18. September 2020 als die Dortmunderin plötzlich merkte, dass sie nicht bremsen kann. Der nachfolgende Sturz war der Beginn einer nicht enden wollenden Odyssee von Ärzten zu Therapeuten.

Hilfe der Familie

„Ich dachte, ich komme ins Krankenhaus, werde operiert und nach sechs Wochen ist alles wieder in Ordnung“, so die Dortmunderin. Doch der Bruch am rechten Ellbogen war so kompliziert, dass die Schmerzen noch immer andauern. „Ich kann noch nicht einmal sechs Flaschen Wasser tragen.“ Anfangs sei der Schmerz sogar bis in die Finger gezogen. „Ohne die Hilfe meiner Familie hätte ich das alles nicht geschafft.“

Die Schiene mit Schrauben ist noch immer in ihrem Arm, die Bewegung deutlich eingeschränkt. Ihren Job als Restaurantfachfrau kann sie seit dem Unfall nicht mehr ausüben. Eine neue Arbeitsstelle hat sie bisher nicht finden können.

Firma ist ratlos

Bei der Verleihfirma ist man angeblich ratlos. „Bei einem technischen Fehler hätte der Roller eigentlich automatisch gesperrt werden müssen“, so der Anwalt des Angeklagten. Auch spätere Versuche, bei denen der von der Polizei festgestellte Bremsendefekt nachgestellt worden sei, hätten keine Klärung erbracht. „Es war ein einmaliger Ausreißer technischer Art.“

Die Staatsanwaltschaft hat der angedachten Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 600 Euro zwar noch nicht offiziell zugestimmt, aber bereits grünes Licht signalisiert. Sollte sie ihre Meinung ändern, müsste der Prozess noch einmal von vorne beginnen.

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Gerichtsreporter

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