Brüder stehen plötzlich vor leerem Grab ihrer Eltern

hzFriedhofsärger in Eving

Zwei Dortmunder Brüder sind entsetzt: Das Grab ihrer Eltern wurde ohne Rücksprache eingeebnet. Nun meldet sich die Friedhofverwaltung zu Wort.

Eving

, 14.04.2020, 13:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Anfang Februar ging mein Bruder Rudolf Kroh zum Grab, um dort zum Geburtstag unserer Mutter einen Blumenstrauß aufzustellen“, erzählt Clemens Siedlaczek. Dabei musste er feststellen, dass die Grabstätte am Nordfriedhof nicht mehr existierte.

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„Das Grab unser Eltern wurde 15 Jahre vor Ende der Ruhezeit durch die Neuhaus oHG eingeebnet, der Grabstein wurde entfernt und vernichtet. Das Grab ist als solches nicht mehr zu erkennen“, bedauert Clemens Siedlaczek. Grund ist eine falsche Berechnung der pflegenden Neuhaus oHG: Der Vertrag wäre Ende 2019 ausgelaufen.

Konto für Grabpflege wurde versehentlich zu früh eröffnet

„Am 15. März 2015 wurde unsere Mutter Anna Siedlaczek in der Grabstätte beigesetzt, unser Vater schon 1998“, berichtet Clemens Siedlaczek. Seit 2009 hat die Neuhaus oHG die Grabpflege übernommen und wurde jeweils jährlich bezahlt.

„Am 11. Mai 2015 hat meine Schwester Magdalena Strugholz dann einen Dauergrabpflegevertrag für fünf Jahre geschlossen. Per Vertrag wurde eine Einebnung bei Vertragsende vereinbart, nicht aber die Entfernung und Vernichtung des Grabsteines“, erklärt Clemens Siedlaczek. Laut Vertrag war der Vertragsbeginn auf Abruf, wie Rudolf Kroh (geborener Siedlaczek) erklärt. Der sei zum Juni 2015 erfolgt.

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„Es stellte sich heraus, dass die Friedhofsgärtner Dortmund eG das Konto, anders als vertraglich vereinbart, zum 1. Januar 2015 eröffnet und am 31. Dezember 2019 beendet hat“, so Clemens Siedlaczek. Aus dem Treuhandkonto wurde die Pflege bezahlt, so Kroh. „Eigentlich hätte es erst Mitte 2020 aufgebraucht sein dürfen.“

Stelle der Erinnerung fehlt den Hinterbliebenen nun

„Wir und unsere Kinder sind entsetzt, nunmehr keine Stelle mehr zu haben, wo wir unserer Eltern, Groß- und Urgroßeltern gedenken können. Da wir fast alle außerhalb Dortmunds wohnen, war das Grab immer eine Stelle der Erinnerung und viele sind Allerheiligen nur deshalb nach Dortmund gekommen, um das Grab zu besuchen“, bedauert Clemens Siedlaczek.

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Clemens Siedlaczek geht es, wie er sagt, vor allem darum, andere Betroffene darauf hinzuweisen, dass sie die Kontoauszüge der Friedhofsgärtner, die es nur auf Verlangen gebe, auf Korrektheit prüfen und eventuelle Abweichungen sofort bemängeln sollten. Die Auszüge werden regelmäßig zugesandt, erklärt Martin Struck von der Friedhofsgärtner Dortmund eG.

Friedhofsgärtner entschuldigen sich für Fehler

„Wir können den Schock und die Enttäuschung der Familienangehörigen verstehen, als sie vor dem eingeebneten Grab standen und ich möchte mich im Namen der Friedhofsgärtner Dortmund eG für die gemachten Fehler entschuldigen“, bedauert Martin Struck.

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Auch der Neuhaus oHG tue der Fehler sehr leid. Missverständnisse in der Kommunikation hätten dazu geführt, dass das Grab versehentlich eingeebnet wurde. „Wir haben die Fehler analysiert, damit so etwas in Zukunft nicht mehr vorkommt“, heißt es vonseiten der Neuhaus oHG.

Schaden soll wieder gut gemacht werden

„Wir werden versuchen, zumindest den materiellen Schaden wieder gut zu machen“, verspricht Martin Struck. „Wie bereits mit den Angehörigen vereinbart, übernehmen wir die Kosten für einen neuen Grabstein sowie dessen Beschriftung und Aufstellung auf der Grabstätte.“

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Nach einem Gespräch mit den Angehörigen werde die Grabstätte umgehend nach den Wünschen der Angehörigen bepflanzt, die selbstverständlich nichts bezahlen müssen.

Der zu viel eingenommene Betrag für die Grabpflege werde der Vertragspartnerin zuzüglich Zinsen erstattet. Des Weiteren übernehmen die Friedhofsgärtner kostenlos für das gesamte Jahr 2020 die fachgerechte Pflege der Grabstätte.


Fakten über die Friedhofsgärtner eG

Die Friedhofsgärtner Dortmund eG betreuen seit mehr als 60 Jahren mehr als 6000 Grabstätten in Dortmund, Lünen und Castrop-Rauxel.

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