Bühne frei für freche Reime

Heinrich-Heine-Gymnasiasten setzten Texte von Kästner und Erhardt in Szene

30.05.2007 / Lesedauer: 3 min

Eine tiefe Weisheit von Erich Kästner, der jetzt die Schüler der 12. Stufe des Heinrich-Heine-Gymnasiums folgten. Denn sie befassten sich nicht nur theoretisch mit Gedichten von Erich Kästner und Heinz Erhardt, sondern sie setzten sie auch szenisch um und präsentierten das Ergebnis vor großem Publikum. Und dem wurde ein anregender Kontrast geboten: Da standen Kästners gesellschaftskritischer «erhobener Zeigefinger» und Erhardts humorvoller Wortwitz gegenüber. Und zwar in getrennten Blöcken. Jeweils drei Schüler begrüßten das Publikum locker und frech und stimmten mit kleinen biographischen Einschüben zu dem Autor auf den Besuch ein. Durch den «Kästner-Teil» führten Johannes Schlesiger, Ann-Kathrin Borgstädt und Sven Winter. Eine «so genannte Klassefrau» verkörperte Meltem Tar. Von denen heißt es bei dem spitzzüngigen Autor, dass sie doch nur der Mode nacheifern - und wenn Mode sei, sich mit Schmutz zu schminken, sie würden es tun. Beeindruckende Soloauftritte zeigten auch Melanie Götz («Eisenbahngleichnis») und Serkan Kurnaz («Hotelsolo für eine Männerstimme»). Einen nachdenklichen Ton erhielt der Abend mit «Die andere Möglichkeit»: «Was wäre, wenn wir den Krieg gewonnen hätten», fragte sich das Quartett auf der Bühne. Wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten, «dann wäre jeder ein Soldat - der Staat bräuchte Kinder als Konserve. Dann läge die Vernunft in Ketten. Zum Glück gewannen wir ihn nicht.» Durch den «Erhardt-Abend» führten Judith Kayka, Christopher Kessen und Nadija Palamar. In seinen witzigen Reimereien klärt Heinz Erhardt so wichtige Dinge wie, «warum die Zitronen sauer wurden» und warum die Mona Lisa von Leonardo da Vinci und nicht einem anderen gemalt wurde. Marc Balfanz hatte das Gedicht «Ritter Fips und sein anderes Ende» vertont und sang es als Ballade mit Gitarrenbegleitung. Den Schluss bildete das «Theaterstück mit G»: Holger Göhring und Thomas Lohsträter gebrauchten in ihrem Dialog nur Worte mit dem Anfangs-Buchstaben G, zur Freude des Publikums Der muntere Abend diente im Übrigen einem guten Zweck: Der Erlös kommt einem Altenheim in Tenjo in Kolumbien zugute. nav

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