„Bürgerinitiative“ für Völkerverständigung - Was die Auslandsgesellschaft bewirkt

hz70 Jahre Auslandsgesellschaft

70-jähriges Bestehen feiert die Auslandsgesellschaft. Seit 1949 hat sich vieles verändert. Das Ziel und die Aufgabe sind allerdings geblieben. Ex-Präsident Horst Schiffmann (94) erinnert sich.

Dortmund

, 11.09.2019, 11:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem Festakt im Depot an der Immermannstraße feiert die Auslandsgesellschaft am 12. September ihr 70-jähriges Bestehen - mit Festredner Dr. Stephan Holthoff-Pfortner als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes, Oberbürgermeister Ullrich Sierau und einem ganz besonderen Gast: Horst Schiffmann (94) ist der älteste noch lebende Ex-Präsident und hat die Arbeit der Auslandsgesellschaft mit geprägt.

Ehrenamtliche Aufgabe

Als Vertreter der Auslandsgesellschaft ist Horst Schiffmann ein Spätberufener. „Zum Präsidentenamt bin ich wie die Jungfrau zu Kinde gekommen“, erzählt er.

Oberstadtdirektor Harald Heinze suchte 1986 einen Nachfolger für den scheidenden Dr. Harald Koch als Präsidenten der Auslandsgesellschaft. Er schlug Horst Schiffmann als amtierenden Kämmerer der Stadt vor. Der sagte nach kurzer Bedenkzeit zu.

„Die ehrenamtliche Aufgabe sollte ein guter Übergang in den Ruhestand sein“, erinnert sich Schiffmann. Doch dabei irrte er: „Das Präsidentenamt war doch eine relativ umfangreiche Beschäftigung“, stellt er rückblickend fest.

1986 wurde Schiffmann Präsident der Auslandsgesellschaft, Ende Februar 1990 schied er als Kämmerer aus - und konnte sich voll auf das Ehrenamt konzentrieren. Immerhin gab es in seiner Amtszeit bis 1995 wegweisende Entscheidung.

Neuer Name

Die weitreichendste: Aus der Rheinisch-Westfälischen Auslandsgesellschaft RWAG, wurde die Auslandsgesellschaft NRW. „Die Gesellschaft ist in Westfalen gegründet worden und hier aktiv. Da passte es irgendwie nicht, dass das rheinische vorangestellt war“, erklärt Schiffmann mit einem Augenzwinkern.

In seine Amtszeit fiel die Erweiterung der Steinwache als Sitz der Auslandsgesellschaft um das Harald-Koch-Haus. Hier ist nun viel Platz für Beratung, Sprachkurse und Veranstaltungen der Auslandsgesellschaft sowie die Treffen der Länderkreise, die die Arbeit der Gesellschaft prägen. „Die Länderkreise spielen eine ganz wichtige Rolle“, betont Schiffmann.

Kontakte nach China

Besonders im Mittelpunkt stand damals die Deutsch-Chinesische Gesellschaft. Sie war beteiligt an der Akquise der Terrakotta-Ausstellung, die 250.000 Besucher in das Museum am Ostwall lockte. Wie schmal der Grat internationaler Beziehungen ist, zeigte der Umgang mit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. „Wir mussten aufpassen, dass wir uns von der chinesischen Regierung nicht als Feigenblatt missbrauchen lassen“, sagt Schiffmann.

Er stellte aber auch fest, dass die Arbeit für die Auslandsgesellschaft viel mit seinem eigenen Leben zu tun hat. Mit Geburtsjahrgang 1925 hatte er den Zweiten Weltkrieg selbst noch als Soldat miterlebt.

Als Präsident der Auslandsgesellschaft erfuhr er, mit welcher Gastfreundschaft er in den ehemaligen „Feindesländern“ wie Russland aufgenommen wurde. Im Sinne der Gründungsidee der Auslandsgesellschaft, nach dem Krieg zur Aussöhnung und Völkerverständigung beizutragen.

Sie war gewissermaßen als Bürgerinitiative für Völkerverständigung entstanden. Der Französischlehrer Stefan Albring und der damalige Oberstadtdirektor Wilhelm Hansmann hatten 1948 ein Deutsch-Französisches Institut gegründet, aus dem sich im März 1949 - ergänzt unter anderem um die britische Institution „Brücke“ - das Auslandsinstitut entwickelte. Und weil das schon bald weit über Dortmund hinaus wirkte, wurde es 1957 in Rheinisch-Westfälische Auslandsgesellschaft (RWAG) umbenannt.

Schiffmann bewirkte den erneuten Namenswechsel. Und blickt mit 94 Jahren dankbar auf seine Zeit an der Spitze der Auslandsgesellschaft zurück. „Das war eine sehr erfreuliche und menschenbezogene Arbeit“, sagt Schiffmann. Und die Zeit, die eigentlich den Übergang in den Ruhestand markieren sollte, sei „regelrecht verflogen“: „Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich das neun Jahre gemacht habe.“

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