Elvis hilft beim Lesen von Texten, die strubbelige Elli ist Friseurmaskottchen, und Lennox ist der Praktikant mit dem Kauknochen. Alle drei haben einen Job. Aber es gibt auch Regeln.

Mitte

, 17.07.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Chihuahua Elvis sein Frauchen zur Arbeit in der Stadtredaktion begleitet, könnte man meinen, dass der kleine Hund mit den großen Augen für das Lesen von Texten geschaffen wurde. Labrador-Rüde Lennox im Büro nebenan freut sich, wenn Frauchens Kollegin Tennisbälle als Geschenk mitbringt. Und im Friseurgeschäft „Neue Köpfe“ in der Dortmunder Innenstadt hat Hundedame Elli ihren Haarschopf dem aktuellen Trend angepasst.

Wenn der Hund mit ins Büro kommt: Mit diesen Regeln kann es funktionieren

Elli hat das Zeug zur Friseurgehilfin. © Martina Niehaus

Elli begleitet ihr Frauchen Tania Küster seit zwei Jahren in deren Friseurladen am Neuen Graben. Die kleine wuschelige Hündin ist eine ganz feine Dame. Langsam kommt sie von ihrem lilafarbenen Kissen herunter, das unter einer Bank liegt. Sie gähnt und streckt sich, dann lässt sie sich von Frauchen streicheln. Dabei wirft sie sich auf den Rücken. „Sie hat jetzt Mittagspause“, erklärt die Friseurin.

Kein stundenlanges Warten mehr allein zu Hause

Tiere im Büro - das ist nicht überall selbstverständlich. Wer sein Haustier - meist sind es Hunde - mit zum Arbeitsplatz nehmen möchte, muss einen verständnisvollen Arbeitgeber haben. Oder eben, so wie Tania Küster, selbst Chef sein.

Denn anfangs scheint es viele Hindernisse zu geben: Was macht man, wenn Kunden oder Kollegen Angst vor Hunden haben? Oder Allergien? Was ist mit Hygienevorschriften? Und fühlt sich so ein Hund im Büro überhaupt wohl?

Wenn der Hund mit ins Büro kommt: Mit diesen Regeln kann es funktionieren

Der haarige Kollege am Arbeitsplatz – in vielen Unternehmen gehört er zum Team dazu. © Martina Niehaus

Der Deutsche Tierschutzbund mit Sitz in Bonn ruft jedes Jahr zur Aktion „Kollege Hund“ auf. Aus Dortmund und der näheren Umgebung haben sich dieses Jahr Ende Juni verschiedene Unternehmen beteiligt. „Darunter waren

eine Logopädie-Praxis, eine Anwaltskanzlei, ein Hospiz, ein Zoogeschäft sowie ein Fenster- und Türenbauer“, zählt Dr. Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund, auf.

Wenn der Hund mit ins Büro kommt: Mit diesen Regeln kann es funktionieren

Jasmin Bechtlow (l.) und Kim Wilczek mit ihren Hunden Cassy und Misiu. © Martina Niehaus

Ziel ist es, Unternehmen dazu zu bringen, für einen Tag das Tier am Arbeitsplatz probehalber zu erlauben. Und später dann vielleicht für immer. Denn je mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern erlauben, ein Tier mitzubringen, umso weniger Tiere müssen zu Hause stundenlang allein auf Herrchen oder Frauchen warten - oder am Ende im Tierheim leben.

Cassy sieht aus wie aus der Hundefutter-Werbung

Im „Fressnapf“ in Eving darf Cassy ihr Frauchen Jasmin Bechtlow mit ins Büro begleiten. Der West-Highland-Terrier-Mix, der aussieht wie der Hund aus der „Caesar“-Hundefutter-Werbung, ist an sich schon ein Werbeträger für den Markt. Meist bleibt Cassy jedoch in ihrem Rückzugsbereich im Büro. „Sie hat ihr Kissen, auf dem sie schläft, und mittags gehen wir im Park spazieren“, erzählt Jasmin Bechtlow.

Wenn der Hund mit ins Büro kommt: Mit diesen Regeln kann es funktionieren

Cassy ist Hundefutter-Expertin und hat einen Job im „Fressnapf“. © Martina Niehaus

Kristian Peters-Lach, Pressesprecher des Unternehmens „Fressnapf“ mit Sitz in Krefeld, erklärt dazu: „Bei uns ist der Kollege Hund tagtäglich gern gesehener Gast - und das seit 30 Jahren.“ Um die menschlich-tierische Zusammenarbeit zu regeln, seien alle Tiere versichert und geimpft.

Die 25-Jährige Jasmin Bechtlow freut sich, dass das Unternehmen Tiere am Arbeitsplatz zulässt. „Manchmal kann sie auch bei meinen Eltern bleiben, aber so ist das viel praktischer.“

Regeln für das Miteinander sind wichtig

Dabei sind allerdings auch Regeln zu beachten, damit das Miteinander von menschlichen und tierischen Kollegen auch gut funktioniert (siehe Anhang). Und auch der Hund muss sich wohlfühlen. „Mir ist es wichtig, dass Elli sich zurückziehen kann, wenn sie möchte“, sagt Friseurin Tania Küster.

Wenn der Hund mit ins Büro kommt: Mit diesen Regeln kann es funktionieren

Friseurin Tania Küster und Hundedame Elli. © Martina Niehaus

Im Unternehmen Fressnapf hat man, so der Pressesprecher, „gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen einen ,Hunde-Knigge´ erarbeitet. Darin steht zum Beispiel, dass die Hunde in Büros herzlich willkommen sind, auf dem Gelände an der Leine zu führen sind und der Zutritt zu Kantine, Waschräumen oder Konferenzräumen tabu ist.“

Auch bei Lennox hat sich Frauchen Sabrina Michallik erst das Einverständnis der Kollegen geholt. „Man muss schon Rücksicht nehmen. Manche haben ja Respekt vor Hunden. Wenn jemand eine Tierhaar-Allergie hätte, wäre es unmöglich. Aber hier mögen ihn alle“, freut sie sich und lacht: „Hier gibt es 40 Frauen, die ihn streicheln wollen. Besser geht’s doch nicht.“

Wenn der Hund mit ins Büro kommt: Mit diesen Regeln kann es funktionieren

Elvis mit den Kulleraugen kann richtig gut lesen.. © Martina Niehaus

Friseurin Tania Küster hat auch Kunden, die nicht so vertraut mit Tieren sind. Die hätten allerdings kein Problem mit Ellie. „Sie ist nicht aufdringlich und nähert sich jemandem nur, wenn man sie ruft“, sagt ihre Besitzerin. Doch die meisten Kunden haben die verschmuste Hündin ins Herz geschlossen. „Ah, da ist ja das kleine Raubtier“, sagt ein Kunde, als Elli am Tag des Fototermins unter der Bank hervorkommt.

Auslauf gibt es in der Mittagspause

Nicht nur für den Besitzer hat es Vorteile, wenn der „Kollege Hund“ mit im Büro sitzt: Abbey, eine englische Bulldogge, sorgt im ganzen Büro immer für gute Laune. „Wenn wir eine Besprechung haben, kommt sie manchmal dazu, setzt sich in die Mitte oder legt sich auf den Rücken“, erzählt Frauchen Dorothee Egling. „Dann ist das gleich eine richtig positive Atmosphäre.“

Obwohl viele Kollegen die junge Hündin mögen, betont Dorothee Egling, dass gewisse Regeln eingehalten werden müssen. „Sie darf nicht bellen, das geht gar nicht, wenn wir hier telefonieren. Und wir nehmen natürlich Rücksicht auf ängstliche Mitarbeiter.“

Wenn der Hund mit ins Büro kommt: Mit diesen Regeln kann es funktionieren

Anstrengender Job: Bulldogge Abbey macht ein Nickerchen auf ihrem Kuschelkissen. © Martina Niehaus

Bewegung gibt es auch: Wenn alle einverstanden sind, darf Abbey auf dem langen Flur schon einmal den Ball fangen. Anschließend ist wieder Ausruhen angesagt: Abbey hat ihre eigene Ecke im Büro. Sie schläft gern in ihrem Kuschelkissen mit Zeitungsdesign.

So klappt’s mit dem „Kollegen Hund“: Dr. Moira Gerlach vom Deutschen Tierschutzbund erklärt, was aus arbeitsrechtlicher Sicht zu beachten ist.
  • Ein Recht auf die Mitnahme des Hundes gibt es nicht. Nur im Einzelfall (jahrelange Mitnahme oder mündliche, besser schriftliche Zusage, unwiderrufliche Zusicherung) kann daraus ein Rechtsanspruch erwachsen.
  • Der Vorgesetzte muss auf gesundheitliche Aspekte, zum Beispiel Allergien von Kollegen, Rücksicht nehmen.
  • Das Tier darf keine gesundheitliche Beeinträchtigung für den Menschen nach sich ziehen (Infektionskrankheiten, Parasiten). Ein tierärztliches Attest ist von Vorteil.
  • Der Hund sollte haftpflichtversichert sein.
  • Zusätzlich sollte man Absprachen treffen - und bestimmte Räume wie die Küche sollten für Hunde auch tabu sein.
  • Der Hund sollte regelmäßig geimpft sein, und es sollte eine regelmäßige Parasitenprophylaxe (gegen Flöhe/Zecken/Würmer) erfolgen.
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