Die Bundesbank-Filiale am Hiltropwall gehört zu den elegantesten Gebäuden der Dortmunder Innenstadt. Was passiert damit, wenn die Bank Ende des Jahres in den Neubau an der B1 zieht?

Dortmund

, 30.08.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Deutsche Bundesbank wird bald ihr zeitlos elegantes Gebäude am Hiltropwall nicht mehr benötigen. Der monumentale Geldspeicher an der B1 ist so gut wie fertig, im Dezember soll der Geschäftsbetrieb am neuen, hochmodernen Standort anlaufen. Er vereint fünf Filialen, deren alte Standorte werden nach und nach aufgegeben, erklärt Bundesbank-Sprecher Uwe Deichert.

Das städtebaulich prägende Bankgebäude gegenüber der Thier-Galerie wird dann einen neuen Besitzer bekommen. Die Bundesbank vermiete oder verpachte ihre ungenutzten Immobilien nicht, sondern verkaufe sie, so Deichert.

Wer zieht in den großen Tresor?

So schön die Architektur des Gebäudes auch ist, so ist die Innengestaltung nicht für jeden Zweck geeignet. Schließlich handelt es sich in erster Linie um einen riesigen Tresor. Andernorts aber gibt es bereits Beispiele für kreative neue Nutzungen, in einer alten Filiale beispielsweise wurde eine Kneipe eröffnet.

Das Dortmunder Bankgebäude wurde von dem bedeutenden Architekten Wilhelm Kreis entworfen. Von ihm stammt unter anderem das Hygienemuseum in Dresden und das heutige Karstadt-Haus an der Hansastraße.

Die neue Landeszentralbank entstand 1952-54 auf dem Fundament der im Krieg zerstörten Reichsbankfiliale; ein repräsentativer Staatsbau mit einer symmetrisch aufgebauten und klar gegliederten Front.

Die Bank sollte Kreis‘ letzter Bau werden, er starb nur ein Jahr später 1955. Wie es mit seinem Vermächtnis am Hiltropwall weitergeht, ist noch offen. Für solche Überlegungen sei es noch viel zu früh, heißt es aus der Immobilienabteilung der Zentralbank. Schließlich stehe bisher nicht einmal der Schließungstermin fest. Wenn der Verkauf ansteht, werde die Anzeige für alle zugänglich im Internet veröffentlicht. Die Stadt Dortmund allerdings genieße ein Vorkaufsrecht.

Zwölf Wohnungen ergänzen die Geschäftsräume

Zu dem Gebäude mit den beiden Seitenflügeln gehören zwölf Wohnungen und ein Parkdeck mit 38 Stellplätzen. Im Keller findet sich ein massiver Tresor, der nicht beim Auszug der Bank entfernt werden kann wie die Sicherheitstechnik.

Eine Anfrage zum Denkmalschutz bringt noch etwas mehr Spannung ins Spiel. Vor rund zehn Jahren war die Schutzwürdigkeit des Gebäudes schon einmal geprüft worden. Damals konnte der Denkmalschutz nicht durchgesetzt werden.

Eventuell sieht das heute anders aus. Die Zuständigkeit für das Bundesgebäude liege nicht in Dortmund, sondern bei der Oberen Denkmalbehörde bei der Bezirksregierung, teilt die Stadt mit.

Der LWL findet den Denkmalschutz des Gebäudes wichtig

Arnsberg überraschte mit der Auskunft, dass die Bundesbank-Filiale dort aktuell tatsächlich Thema ist. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL hat ein Denkmalschutz-Verfahren angestoßen. „Gegenwärtig wurde der Eigentümer um Stellungnahme gebeten“, teilt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung, mit. „Wie wir uns dann dazu stellen, ist noch offen.“

Die Antwort der Bundesbank steht noch aus. „Wir prüfen gerade, wie wir uns positionieren“, sagt ein Mitarbeiter. Die Frist für die Stellungnahmen läuft bis Ende September.

Dortmunder Architekten würdigen das Gebäude

Dortmunder Architekten im Bund Deutscher Architekten (BDA) müssen nicht lange überlegen. Sie finden die besondere klare Architektur und Eleganz des Gebäudes erhaltenswert. Das entschied schon bei der zehn Jahre zurückliegenden Prüfung Architekt Peter Kroos aus Dortmund, der das Haus im Auftrag des Amts für Denkmalschutz untersucht hatte. Er lobte die sachliche, noble Eleganz des Hauses. „Es hat in über 60 Jahren nichts von seiner großartigen Wirkung verloren.“

Auch Richard Schmalöer, bis vor Kurzem Vorsitzender beim BDA, schätzt das Objekt sehr: „In einer Liste der wenigen Häuser von Architekten mit nationalem Ruhm stünde das Gebäude weit vorne.“

Der Entwurf stamme aus einer Zeit, als Banken noch ehrwürdige Unternehmen waren und das Betreten Ehrfurcht auslöste, so Richard Schmalöer. Das zeige die Fassade in Gliederung, Proportion und Materialität noch heute. „Ein ehrwürdiges Bankgebäude, das sich von den klassischen Vorläufern mit Säulenportikus verabschiedet hat, ohne an Erhabenheit einzubüßen.“

Bundesbank-Gebäude in der Dortmunder City sucht einen neuen Besitzer

Am Eingang steht eine Bronzefigur von Gerhard Marcks. „Fortuna“ wird voraussichtlich mit umziehen an den neuen Standort. © Susanne Riese

Darüber hinaus steht es perfekt an Dortmunds städtebaulichem Juwel, dem Ring der ehemaligen Stadtmauer. „Den wünsche ich mir als eine Kette architektonischer Glanzstücke, von denen es mit Oper, ehemaliger AOK und dem Harenberg-Haus schon einige aus unterschiedlichen Epochen gibt; der Wall als wunderbarer Boulevard gerahmt von schöner Architektur.“ Die Bundesbank sei ein wichtiger Baustein auf diesem Weg, den es zu erhalten gelte.

Und auch in Sachen Nachhaltigkeit sei das Gebäude vorbildlich: In all den Jahren sei das Haus niemals eingerüstet gewesen. Es brauchte aufgrund seiner Bauweise und Materialien keine Energie, um gepflegt auszusehen. „Das ist eine Form von Nachhaltigkeit, die ich für ökologisch halte“, so Schmalöer.

Wer auch immer irgendwann neuer Nutzer sein wird, vor Einbrechern braucht er wohl keine große Angst zu haben. Auf die kleine goldene Figur am Eingang aber wird er verzichten müssen. Die Bronze von Gerhard Marcks wird mit fortziehen und voraussichtlich am neuen Bank-Standort an der B1 aufgestellt.

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