Bus lässt Dortmunder Schüler an der Haltestelle stehen

hzLinie E447

Der Bus zur Schule kommt zu spät oder hält nicht an der Haltestelle: Für Chiara Wientjens (15) aus Dortmund ist das Alltag. Schüler und Eltern laufen Sturm.

Deusen, Wischlingen

, 05.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Anfang Oktober schrieb Frank Wientjens die erste E-Mail an die DSW21 und das Schulamt. Der Grund: Seine Tochter Chiara (15) berichtet seit Monaten von Verspätungen ihres Schulbusses. Im aktuellen Schuljahr sei es so schlimm, dass Chiara fast eine Stunde früher aufsteht, um einen anderen Bus zu nehmen.

„Ich kam fast täglich mindestens 15 Minuten zu spät und manchmal kamen einige andere und ich gar nicht mehr in den Bus rein“, erzählt die 15-Jährige. „Viele werden inzwischen von ihren Eltern gebracht – aber das möchte ich eigentlich nicht, allein schon wegen der Umwelt.“

Statt um 7.20 Uhr mit der E-Buslinie E447 die Direktverbindung zwischen ihrem Wohnort Deusen und dem Reinoldus- und Schiller-Gymnasium in Wischlingen zu nutzen, fährt Chiara deshalb um 6.45 Uhr mit dem Bus nach Mengede und dann weiter mit der Bahn.

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25 Kinder werden an der Haltestelle stehen gelassen

Trotzdem scheinen Schulamt und DSW21 das Problem nicht zu erkennen. „Das Schulamt hat sich erst gar nicht zurückgemeldet, dann hieß es, es sei alles in Ordnung“, sagt Frank Wientjens. „Von der DSW21 habe ich eine allgemeine Antwort bekommen, dass die Verspätungen eben an den Baustellen liegen.“

Ehefrau Diana schüttelt den Kopf. „Aber das hat ja nichts damit zu tun, dass die Kinder zum Teil an der Haltestelle stehen gelassen werden“, sagt sie. Etwa 25 Schüler steigen mit Chiara an der Haltestelle in Deusen ein.

Bus lässt Dortmunder Schüler an der Haltestelle stehen

Chiara Wientjens (15) und einige ihrer Mitschüler kamen fast täglich zu spät zur Schule. © Carolin West

Eine Haltestelle später kommen noch einige hinzu. Früher, als die Linie E447 von Deusen aus startete, sei das unproblematisch gewesen. Seit gut einem Jahr beginnt die Fahrt allerdings in Eving.

„Da ist der Bus oft schon voll, wenn er hier ankommt“, sagt Chiara. Die Deusener Schüler würden in dem Fall an der Haltestelle zurückgelassen.

Schüler und Eltern laufen Sturm bei der DSW21

Einen späteren Bus zu nehmen, sei keine Option. „Der kommt erst eine halbe Stunde später, dann sind wir wirklich viel zu spät an der Schule“, erklärt Chiara.

Nicht nur die Wientjens, auch andere Schüler und ihre Eltern beschwerten sich bei der DSW21 – ohne Erfolg. „Dass man da so ignoriert wird, ist wirklich Wahnsinn“, sagt Frank Wientjens.

Bus lässt Dortmunder Schüler an der Haltestelle stehen

Von dieser Haltestelle aus fährt der Bus, den Chiara Wientjens eigentlich nehmen möchte, direkt zum Reinoldus- und Schiller-Gymnasium. © Carolin West

Dabei gebe es verschiedene Lösungsvorschläge der Schüler und ihrer Eltern: Zum einen könnten morgens zwei Busse oder ein Gelenkbus eingesetzt werden, um alle Schüler zu transportieren.

Zum anderen könnte der Bus ab Eving früher starten, um Verspätungen durch Baustellen und Berufsverkehr aufzufangen.

Die DSW21 sieht kein Problem

„Wir haben auf der 447 und E447 aktuell Verspätungen aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der Baustellen“, bestätigt DSW21-Pressesprecherin Britta Heydenbluth auf Anfrage.

„Das bedauern wir, es ist nicht nur für die Fahrgäste ärgerlich, es setzt auch unsere Fahrer zeitlich unter Druck.“ Die müssten zum Teil auf eine Pause verzichten. Eine Lösung gebe es aber nicht. „Wir haben auf das große Verkehrsaufkommen leider keinen Einfluss.“

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Dass Kinder an den Haltestellen stehen gelassen werden, sei der DSW21 nicht bekannt. Eine Überprüfung der Linie habe lediglich ergeben, dass die Linie gut bis sehr gut ausgelastet sei.

Eltern wenden sich an die Schulleitung

Weil sie sich von der DSW21 im Stich gelassen fühlen, haben sich einige Eltern an Karola Hügging, die Schulleiterin des Reinoldus- und Schiller-Gymnasiums, gewandt.

„Dass es so ein großes Problem mit einer Buslinie gibt, dass sich die Eltern sogar an mich wenden, kam noch nie vor“, sagt sie. Seit einigen Monaten häufen sich jedoch die Beschwerden bei der Schulleiterin. Ärger gebe es für die Schüler, die auf die Linie E447 angewiesen sind, deshalb nicht. „Ich weiß ja von dem Problem und die Schüler können nichts dafür.“

Trotzdem: So weiter gehen könne es nicht. Die Schulleiterin möchte sich deshalb auch noch einmal selbst an die DSW21 wenden. „Ich hoffe wirklich, dass sich da noch mal etwas ändert“, sagt Chiara Wientjens. „Wir möchten ja einfach nur wieder in Ruhe zur Schule kommen.“

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