CDU-Bürgermeister Sauer wirft hin – und kritisiert die Partei scharf

hzKommunalwahl 2020

Der Bürgermeister-Streit in der CDU ist beendet: Manfred Sauer erklärt nach Querelen offiziell seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur. Er erhebt deutliche Vorwürfe.

Dortmund

, 02.09.2020, 11:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund zwei Wochen nach seiner Ankündigung, erneut für einen Bürgermeisterposten antreten zu wollen, wirft Manfred Sauer jetzt hin. In einem Schreiben an den CDU-Fraktionsvorstand und an die Parteispitzen erklärt er seinen Verzicht auf eine dritte Amtszeit. Seit 2009 im Amt, hatte Sauer gehofft, nach der Kommunalwahl am 13. September erneut den Bürgermeisterposten zu besetzen.

Doch ein einziger Anruf hatte seine Pläne torpediert: In dem Telefonat war Sauer von einem Parteifreund informiert worden, dass auch der bisherige CDU-Fraktionschef Ulrich Monegel (66) Ambitionen auf das Bürgermeisteramt habe. Sauer fühlte sich überrascht und düpiert: Er war davon ausgegangen, Monegel strebe einen Vizeposten im Fraktionsvorstand an.

Kritik an "Hinterzimmerpolitik"

Jetzt also der Rückzieher. Enttäuscht kritisiert Sauer in seinem Brief an die Fraktions- und Parteispitzen die Abläufe und kritisiert „die Hinterzimmerpolitik“ in seiner Partei. Er lehne „eine Vorfestlegung von Kandidaten und Wahlergebnissen durch Grüppchen der Partei ab“, schreibt Sauer. Allein die zuständigen Gremien seien dafür demokratisch legitimiert.

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Was Sauer besonders umtreibt: Die Gespräche übers Bürgermeisteramt wurden ohne sein Beisein in einem kleinen Kreis nach der Sonderratssitzung Mitte August geführt. Ein danach angesetzter Termin sei von CDU-Parteichef Steffen Kanitz später ohne Begründung abgesagt worden. Gerade in der heißen Phase des Kommunalwahlkampfes sei „eine solche Hinterzimmer-Veranstaltung zur Frage des Bürgermeister-Kandidaten zeitlich und inhaltlich völlig fehl am Platz“, moniert Sauer.

Parteichef Kanitz will Ruhe

Er selbst, so Sauer, sei vor seiner ersten Kandidatur 2009 beim damaligen Bürgermeister Adolf Miksch vorstellig geworden und habe erst einmal gefragt, ob Miksch weiter Ambitionen auf das Amt habe. Erst nach dessen Verzicht habe er sich beworben. Schon im Vorfeld seiner Wiederwahl vor rund fünf Jahren hätten „Parteifreunde, die auch jetzt wieder agieren“, Kandidaten gegen ihn ins Feld führen wollen, moniert Sauer.

Die aktuellen Vorgänge einbezogen, kritisiert Sauer „ein ungezogenes Verhalten“, das sowohl die Partei als auch das Bürgermeisteramt beschädige. Deshalb „werde ich dafür nicht mehr kandidieren“, schreibt er. Auf Anfrage bestätigte Sauer die Echtheit des Briefes. Inhaltlich habe er an dieser Stelle nichts hinzuzufügen, so der Bürgermeister. „Die Diskussionen müssen innerhalb der Partei geführt werden.“

Parteichef Steffen Kanitz zeigt sich um Schadensbegrenzung bemüht. Er wolle das Schreiben nicht weiter kommentieren, so Kanitz auf Anfrage. Jetzt sei nicht die Zeit für Personaldebatten. „Wir konzentrieren uns auf die Kommunalwahl.“

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