CDU wählt kommissarischen Parteichef - Weitere Rücktrittsforderungen

hzKanitz-Rücktritt

Steffen Kanitz hat sein Amt als Dortmunder CDU-Parteichef niedergelegt. Nun steht sein kommissarischer Nachfolger fest. Die „Datenschutz-Affäre“ sorgt jedoch weiter für Unruhe.

Dortmund

, 13.10.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kommunalwahl ließ er noch vorüberziehen. Jetzt hat er Nägel mit Köpfen gemacht: Steffen Kanitz (36) hat seinen lang angekündigten Rücktritt vom Posten des Dortmunder CDU-Kreisvorsitzenden vollzogen. Bei der Vorstandssitzung am Montagabend (12.10) legte Kanitz wie erwartet sein Amt nieder. Es sei „eine sehr emotionale Situation gewesen“, schildern Teilnehmer.

Kanitz hatte den Parteivorsitz 2009 im Alter von 25 Jahren übernommen und galt lange als Hoffnungsträger in Dortmunds CDU. Doch allmählich war die Kluft zwischen den Anforderungen seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) und seinen politischen Aufgaben in Dortmund schlicht zu groß geworden. Immer häufiger musste sich Kanitz bei wichtigen Veranstaltungen entschuldigen lassen. Seine Stimme verlor mehr und mehr an Gewicht – während das Murren in der CDU lauter wurde.

CDU hat das Kandidatenrennen eröffnet

Alle Redner haben in ihren Rückblicken „ein differenziertes Bild gezeichnet“, wie ein Beobachter der Vorstandssitzung berichtet. Das Rücktrittsschreiben, das Kanitz Tage zuvor mit mahnenden Untertönen an seine Partei („weniger ich und mehr wir“) verfasst hatte, spielte in der zweieinhalb-stündigen Sitzung keine Rolle.

Der frühere Aplerbecker Bezirksbürgermeister Sascha Mader ist jetzt kommissarischer Parteichef der Dortmunder CDU.

Der frühere Aplerbecker Bezirksbürgermeister Sascha Mader ist jetzt kommissarischer Parteichef der Dortmunder CDU. © Archiv

Dafür entschied der CDU-Vorstand einstimmig, die Geschäfte an der Parteispitze in die Hände von Sascha Mader zu legen. Der Aplerbecker, einer von insgesamt drei Stellvertretern, rückt zunächst kommissarisch an die Stelle des Parteichefs.

Für November, so der Plan, wird ein Parteitag einberufen, auf dem nicht nur die Kanitz-Nachfolge neu geregelt wird: Die gesamte Dortmunder CDU-Führung steht dann zur Disposition. Inklusive aller Vizeposten. Dem Vernehmen nach soll sich Mader beim Vorstandstreffen bereits „deutlich für einen personellen Neuanfang“ ausgesprochen haben. Mader selber tritt für das Amt des Parteichefs an. Weitere Namen wurden nicht gehandelt. Doch das Kandidatenrennen ist eröffnet.

Rücktrittsforderungen an Stellvertreter-Duo

Und die verbliebenen Stellvertreter Claudia Middendorf und Thorsten Hoffmann? Die Strafanzeige der Jungen Union (JU) gegen die beiden prominenten Parteispitzen sorgte wie in nahezu der gesamten CDU auch in der Vorstandsrunde für Zündstoff – vereinzelt kamen sogar Rücktrittsforderungen auf.

Sie blieben ohne Konsequenzen im Raum stehen: Middendorf und Hoffmann, denen die JU im Zusammenhang mit der Neuwahl ihrer Vorsitzenden Verstöße gegen Datenschutz-Bestimmungen vorwirft, äußerten sich nicht. Sie verwiesen auf „das laufende Verfahren“. Die Anzeige liegt der Staatsanwaltschaft vor. Ob sie sich im November erneut zur Wahl stellen, ließen Middendorf und Hoffmann offen.

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