Auf dem Westenhellweg ist aktuell wenig los. Der Handel drängt auf Öffnungen. Die Politik schlägt als möglichen Öffnungsschritt Terminshopping-Angebote vor. © Stephan Schuetze
Corona-Krise

„Click&Meet“ statt Ladenöffnung: Was Dortmunder Händler zum Termin-Shoppen sagen

Shoppen nur mit Termin? Der Corona-Gipfel diskutiert, dass der Handel mit sogenannten „Click&Meet“-Angeboten öffnen könnte. Ist das sinnvoll? Und machbar?

Beim Bund-Länder-Gipfel zeichnet sich ab, dass Öffnungsschritte für den Einzelhandel bereits ab einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 möglich sein sollen. In Dortmund liegt der Wert aktuell bei 64,8.

Geschäfte sollen bei einer solchen Infektionslage mit sogenannten Terminshopping-Angeboten („Click&Meet“) öffnen dürfen. Die Kunden müssen also einen Termin buchen, um einkaufen zu können.

„Ich bin da skeptisch und finde es schwierig. Vielleicht hilft es den kleinen Geschäften, aber bei den großen Kaufhäusern steht der Aufwand doch in keinem Verhältnis zu den Kosten“, sagt Tobias Heitmann, der Vorsitzende des Dortmunder Cityrings, in dem Innenstadt-Händler organisiert sind. „Und“, fügt er an, „es ist ja auch für den Kunden kein Einkaufserlebnis, wenn er nur ein bestimmtes Zeitfenster zur Verfügung hat und ständig auf die Uhr gucken muss.“

Kosten höher als die Umsätze

Sehr kritisch äußert sich die Handelskette Butlers. „Die vorgeschlagenen Click&Meet-Angebote sind keine Öffnungsstrategie. Die Personal- und Betriebskosten für diese Angebote sind für die allermeisten Geschäfte höher als die Umsätze. Und die praktische Umsetzung würde zu unnötigen Aufenthalten und Schlangenbildungen führen, die den Hygienekonzepten zuwiderlaufen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens für Tischideen und Wohnaccessoires.

Butlers betreibt in Dortmund ein Geschäft am Westenhellweg und macht einen anderen Vorschlag zu einer sicheren Öffnung des Handels: „Wir unterstützen eine Einführung von Zeiten, in denen der Besuch der Geschäfte des Einzelhandels den besonders gefährdeten älteren Menschen vorbehalten ist. Konkret empfehlen wir die Einführung einer Öffnungsstunde für Senioren über 60 von Montag bis Freitag in der Zeit zwischen 10 und 11 Uhr.“

Thier-Galerie-Manager: „Scheinlösung hilft keinem“

Markus Haas, der Center-Manager in der Thier-Galerie, betont bei jeder Gelegenheit, dass der Handel kein Infektionstreiber sei. Je länger der Lockdown nun trotzdem anhalte, desto mehr würden die finanziellen Schwierigkeiten der Mieter in dem Shoppingcenter zunehmen. „Viele können einen anhaltenden Lockdown nicht mehr lange durchhalten. Scheinlösungen wie Shopping auf Terminvereinbarung helfen dabei keinem“, sagt er.

Vorsichtig äußert sich das Textilhandelsunternehmen P&C aus Düsseldorf. Man sei „hart vom bisherigen Lockdown getroffen“, heißt es, und begrüße Pläne für die Rückkehr zur Normalität. „Das Einkaufen nach Terminvereinbarung prüfen wir aktuell“, so das Unternehmen.

Monika Graf, Geschäftsführerin des traditionsreichen Einrichtungshauses Büker am Westenhellweg sagt zu dem möglichen ersten Öffnungsschritt: „Diese Regelung ist nicht toll, aber besser als nichts. Mit einem solchen Angebot käme es auf jeden Fall wieder in die Köpfe der Kunden, dass es uns gibt und dass wir geöffnet haben.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt