Corona-Ausbrüche in Dortmund: Wann gibt es Massentests – und wann nicht?

hzSchulen und Altenheime

Im Minna-Sattler-Seniorenheim gab es nach vier Corona-Fällen Massen-Tests - an mehreren Dortmunder Schulen mit Corona-Kranken hingegen nicht. Woran liegt das? Die Antwort ist kompliziert.

Dortmund

, 27.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

420 Menschen ließ das Dortmunder Gesundheitsamt zuletzt in zwei Senioren-Einrichtungen auf Corona testen. Im Minna-Sattler-Heim am Zoo waren vier Corona-Fälle entdeckt worden, in den Cordian-Wohngemeinschaften in Bövinghausen waren es zwei.

Genau solche Massen-Tests forderten auch Lehrer- und Elternvertreter der Libellen-Grundschule in der Nordstadt, nachdem unlängst insgesamt drei Menschen - zwei OGS-Mitarbeiterinnen und eine Lehrerin - an Covid-19 erkrankt waren. Die Schule wurde sicherheitshalber geschlossen. Doch auf flächendeckende Tests warteten die Belegschaft und die Schüler vergebens.

Was steckt hinter diesem unterschiedlichen Vorgehen? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit es zu Reihen-Testungen kommt?

Massen-Tests benötigen infektiologischen Grund

Das ist nicht so einfach zu sagen, heißt es dazu aus dem städtischen Gesundheitsamt - der einzigen Institution, die einen solchen Test anordnen kann: „Jede konkrete Fallkonstellation muss unter unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet und bewertet werden.“

Dabei geht es um eine entscheidende Frage: Gibt es einen zwingenden infektiologischen Grund für eine Reihen-Testung? Andernfalls dürfe man einen solchen Schritt nicht anordnen, so das Gesundheitsamt.

Der Dortmunder Infektiologe Dr. Simon Larrosa-Lombardi, leitender Oberarzt am Knappschaftskrankenhaus Brackel, sagt dazu auf Anfrage: „Es sind Situationen denkbar, in denen solche Tests unbedingt sinnvoll sind, um eine Infektionsausbreitung zu vermeiden oder ein Infektionsgeschehen aufzuklären, zum Beispiel wenn es einen Anhalt dafür gibt, dass unerkannte Infektionsfälle in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe vorliegen könnten.“

Beispiel Libellen-Grundschule: Hier entschied sich das Gesundheitsamt gegen einen Massen-Test. Es war sicher, dass die drei Infektionen unabhängig voneinander auftraten und es keine großflächige Ansteckungsgefahr in der Schule gegeben habe.

Bei der Lehrerin geht das Gesundheitsamt davon aus, dass sie bei ihrem letzten Arbeitstag vor einem langen Wochenende noch nicht ansteckend war; die eine OGS-Mitarbeiterin hatte keinen direkten Kontakt zu Schülern; und die zweite Mitarbeiterin hatte zwar Kontakt mit einer Klasse, doch hier reichte es dem Gesundheitsamt offensichtlich, die komplette Klasse samt Angehörigen in Quarantäne zu schicken.

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Beispiel Minna-Sattler-Heim: Beim Seniorenheim lagen die Dinge anders. Als nach und nach immer mehr Corona-Ansteckungen von Bewohnern bekannt wurden, wuchs offenbar die Sorge, einen Ausbruch zu übersehen.

„Besonders vulnerable Personengruppen, z.B. Senioren und kranke Menschen, bedürfen eines besonderen Schutzes und haben bei Reihen-Testungen Priorität“, schreibt die Stadt.

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