Kritik an Corona-Beschlüssen: Dortmunder Handel und Handwerk in Sorge

IHK und Handwerkskammer

Bundeskanzlerin Merkel und die Länderchefs haben einschneidende Corona-Maßnahmen beschlossen – die treffen auch den Dortmunder Handel und das Handwerk. Von dort gibt es scharfe Kritik.

Dortmund

, 28.10.2020, 19:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Frisöre dürfen unter Sicherheitsauflagen geöffnet bleiben. Andere Bereiche in den Bereichen Handwerk und Handel treffen die jüngsten Corona-Maßnahmen härter.

Frisöre dürfen unter Sicherheitsauflagen geöffnet bleiben. Andere Bereiche in den Bereichen Handwerk und Handel treffen die jüngsten Corona-Maßnahmen härter. (Symbolbild) © dpa

Die exponentiell steigende Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus führt zu einschneidenden Maßnahmen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Chefs der Länder am Mittwoch beschlossen haben. Ziel sei es die zweite Welle zu brechen. Die Maßnahmen, so die Kanzlerin, zielten insbesondere auf die Kontakte zwischen Menschen. Diese seien drastisch zu verringern.

Das hat Wirkung auf viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Auch auf die Arbeitswelt. Darauf haben die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund und die Dortmunder Handwerkskammer in einer gemeinsamen Pressemitteilung reagiert.

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IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann betonte, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie notwendig seien. Allerdings hinterfrage die IHK kritisch, „ob die gefassten Beschlüsse an den richtigen Stellen ansetzen.“ Für viele Mitgliedsunternehmen bedeuteten die neuen Vorgaben weitere existenzbedrohende Einschnitte, hieß es in der Mitteilung.

Weniger Umsatz und Kosten für Sicherheitsdienst

„Mit Sorge sehen wir zum Beispiel die Einschränkungen für den Einzelhandel“, so Dustmann. Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen im Einzelhandel hätten sich bewährt. Müsse noch mehr Abstand gewahrt werden – das heißt weniger Kunden dürfen sich in einem Geschäft aufhalten – sehe Dustmann die Wirtschaftlichkeit vieler Einzelhändler gefährdet.

„Dies bedeutet deutlich weniger Umsatz und höchstwahrscheinlich auch höhere Kosten etwa für Sicherheitsdienste, denn vor vielen Läden werden sich zu Stoßzeiten zwangsläufig Kundenschlangen bilden.

Wenn Kunden im Handel mehr Abstand halten müssten, werde sich das auch auf das Einkaufsverhalten der Dortmunder auswirken.

Wenn Kunden im Handel mehr Abstand halten müssten, werde sich das auch auf das Einkaufsverhalten der Dortmunder auswirken. © Stephan Schütze (Archiv)

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber betonte: „Die finanziellen Reserven sind oft aufgebraucht.“ Die Gastronomie- und Freizeitbetriebe, die nun schließen müssten, könnten nachweislich nicht für die deutlich steigende Infektionsdynamik verantwortlich gemacht werden.

„Hier fehlt unserer Meinung nach die Verhältnismäßigkeit. Gleiches gilt für das Verbot von privaten Übernachtungen in Hotels.“ Negativ betroffen sind überdies viele Dienstleistungsbereiche im Bereich der Körperpflege. „Dass Friseursalons geöffnet bleiben dürfen, ist sinnvoll. Dies sollte aber auch etwa für Tattoo- und Kosmetik-Studios gelten.“

Unbürokratische Unterstützung soll her

Unternehmen, die durch die Maßnahmen erhebliche Einschränkungen ihres Geschäftsbetriebes hinnehmen oder schließen müssten, sollten ausreichend unterstützt werden, forderte Handwerkskammerpräsident Berthold Schröder. „Diese Betriebe sind unverschuldet in die Krise geraten und mussten bereits während der letzten Monate um ihr Überleben kämpfen.“

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IHK und Handwerkskammer begrüßten, dass Unterstützung für die Wirtschaft angekündigt sei. „Es ist wichtig, dass diese Hilfen jetzt schnell und unbürokratisch umgesetzt werden, damit sie schnellstmöglich in den Betrieben ankommen“, so Schröder.

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