Corona, Erkältung, Grippe: Wie sich Dortmunds Ärzte auf die kalte Jahreszeit vorbereiten

hzCoronavirus in Dortmund

Der Herbst steht vor der Tür, der Winter klopft auch schon an. Die Zeit für Schnupfen und Grippe – und weiterhin auch Corona. Die Arztpraxen wappnen sich. Dabei spielt auch ein Impfstoff eine Rolle.

Dortmund

, 13.10.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Sommer ist vorbei, es wird wieder kalt in Dortmund. Mit der kalten Jahreszeit folgt auch das übliche Potpourri aus Erkältungen und Grippe. Die Wartezimmer in den Arztpraxen füllen sich dann mit hustenden und niesenden Menschen.

In diesem Jahr kommt noch das Coronavirus hinzu. Wartezimmer dicht gefüllt mit schniefenden Nasen wären deshalb wohl keine gute Idee – das zusätzliche Infektionsrisiko wäre zu hoch.

Separater Wartebereich für Infekt-Patienten

Dortmunds Ärzte haben deshalb Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Wie in der Praxis im Kaiserviertel von Dr. Eckart Fraisse. Dort werden Infekt-Patienten von den anderen Patienten getrennt. Mit separaten Wartebereichen. „So wird das Wartezimmer nicht zum Infektionsherd“, erklärt der Allgemeinmediziner.

Patienten der Hausarzt-Praxis, die Symptome wie Husten, Schnupfen, Fieber oder Atemwegsbeschwerden haben, werden jetzt in einer Infekt-Sprechstunde am Ende der regulären Öffnungszeit versorgt. Diese Symptome können zu einer Erkältung oder zur Grippe (Influenza) gehören. Oder eben zu Covid-19, ausgelöst durch eine Infektion mit dem Coronavirus.

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Zu der Infekt-Sprechstunde müssen sich Patienten anmelden und bekommen einen festen Termin. Dann geht es durch den Innenhof am Heiligen Weg, wo die Praxis liegt, in den eigenen Wartebereich für Infekt-Patienten. Dort steht ein weißes Zelt, unter dem mit viel Abstand zueinander Platz genommen werden kann. Auch, wenn es draußen kalt wird. Dann werden Heizpilze aufgestellt.

Trotz Schutzkleidung nur wenig Patientenkontakt

Über eine Stahltreppe geht es dann zum Behandlungsraum in der Praxis. Der oder die zuständige Mediziner nimmt sich dann den Patienten an, fragt sie nach ihren Beschwerden und nimmt einen Abstrich für einen Corona-Schnelltest. Dabei tragen die Ärzte die volle Corona-Schutzmontur: Ganzkörper-Schutzanzug, Maske, Handschuhe, und Faceshield. Der Abstrich für den Test wird zusätzlich draußen genommen, um das Infektionsrisiko gering zu halten.

Ärztin Annette Rennert nimmt bei einer Patientin in der Infekt-Sprechstunde in der Praxis im Kaiserviertel einen Corona-Abstrich. Draußen und in voller Schutzkleidung, um das Infektionsrisiko gering zu halten.

Ärztin Annette Rennert nimmt bei einer Patientin in der Infekt-Sprechstunde in der Praxis im Kaiserviertel einen Corona-Abstrich. Draußen und in voller Schutzkleidung, um das Infektionsrisiko gering zu halten. © Robin Albers

Sobald die Influenza-Saison im Winter beginnt, will die Praxis auch das testen. Nach dem Test ist die Behandlung eigentlich auch schon vorbei.

„Ungefähr zwei Patienten können so in zehn Minuten getestet werden“, so Karina Pate, ebenfalls Ärztin in der Praxis. Sollten die Patienten dennoch noch andere akute Bedarfe haben, wird sich natürlich trotzdem um sie gekümmert, wie Pate versichert. Die eigentlichen Räume der Praxis können sie allerdings erst wieder besuchen, wenn das Testergebnis vorliegt. Und das muss natürlich negativ sein.

Klärung gibt es jetzt auch samstags vom Arzt

Vorsichtsmaßnahmen wie in der Praxis im Kaiserviertel empfiehlt auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe. Die Organisation und Handhabung dieser bleibt aber Aufgabe der Ärzte.

Eine weitere große Maßnahme wird allerdings direkt von der KVWL organisiert: Infekt-Patienten sollen zukünftig in einer gesonderten Samstags-Sprechstunde behandelt werden dürfen. So wolle man vor allem den Praxisalltag unter der Woche entzerren und damit auch das Infektionsrisiko senken, wie KVWL-Sprecherin Jana Elbert erklärt. Außerdem sollen so die Notdienstpraxen unterstützt werden.

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An allen Samstagen im Oktober können sich Patienten mit Symptomen wie Husten, Schnupfen, Fieber und Atemwegsbeschwerden untersuchen lassen. Eine von den vier Dortmunder Praxen an dem Samstag ist die Praxis von Dr. Ali Arouk an der Kleppingstraße. In den nächsten Wochen werden sich verschiedene Arztpraxen in der Stadt samstags abwechseln.

Fehlender Impfstoff geht auf die Psyche

Der Samstagsdienst sei zwar Mehrarbeit, aber Dr. Arouk sieht sich auch in der Verantwortung, für seine Patienten da zu sein. Er hat in den vergangenen Monaten die Erfahrung gemacht, dass viele seiner Patienten unter einer hohen psychischen Belastung stehen. Besonders bei denen, die zur Risikogruppe gehören. Der zusätzliche Samstag könnte so für Beruhigung sorgen.

Dr. Ali Arouk bietet als einer der ersten Ärzte in seiner Praxis am Samstag (10.10.) eine Sprechstunde für Infekt-Patienten an.

Dr. Ali Arouk bietet als einer der ersten Ärzte in seiner Praxis am Samstag (10.10.) eine Sprechstunde für Infekt-Patienten an. © Robin Albers

Problematischer sieht der Mediziner die kommende Grippe-Saison. Der Impfstoff sei knapp, es könne nichts mehr bestellt werden. Hundert Ampullen habe Dr. Arouk kürzlich durch viel Glück in einer Apotheke besorgen können. Die waren aber schnell wieder aufgebraucht.

Die Nachfrage ist groß. Auch hier sieht Arouk die Risikopatienten im Nachteil: „Die müssen sich zusätzlich zur Grippe dann noch um Corona sorgen machen.“

Wirklich vorhersagen kann Dr. Arouk nicht, wie der Andrang am Samstag in seiner Praxis sein wird. Er geht davon aus, dass viele Urlauber kommen werden, die für die Einreise ein negatives Testergebnis benötigen. Die wird der Arzt aber wieder wegschicken, da die Sonder-Sprechstunde für akute Fälle gedacht sei.

Maßnahmen für den Ernstfall

Sollten es trotz Vorsichtsmaßnahmen wie dem ausgelagerten Wartezimmer im Kaiserviertel oder der Samstags-Sprechstunde wieder zu vermehrten Corona-Infektionen kommen, könne man laut KVWL-Vorstand Thomas Müller wieder zu „ergänzenden Maßnahmen“ greifen, um die Vertragsärzte in der Region bei der Versorgung von Corona-Patienten zu unterstützen. Dies seien beispielsweise Behandlungszentren wie das am Klinikum Nord, das im Frühjahr Verdachtsfälle behandelt hat.

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Die KVWL ist zuversichtlich, dass das aber nicht notwendig sein wird. Die letzten Monate habe man ausreichend Erfahrung sammeln können und das benötigte Schutzmaterial sei auch ausreichend vorhanden.

Infekt-Sprechstunde an Samstagen

  • Ab dem 10. Oktober wird es Sprechstunden für Patienten mit Infekt-typischen Symptomen wie Husten, Schnupfen, Fieber oder Atemwegsbeschwerden geben.
  • Laut KVWL ist eine telefonische Anmeldung vor dem Arztbesuch erforderlich. Die Kontaktdaten finden sich auf einer Liste der zuständigen Arztpraxen im Oktober. Die zuständigen Ärzte wechseln sich ab.
  • Weitere Informationen gibt es telefonisch beim Patientenservice unter Tel. 11 61 17 oder im Internet auf der Webseite der KVWL.
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