Psychotherapeut aus Dortmund verrät, wie Corona-Ängste verschwinden

Corona-Krise

Die Corona-Krise sorgt bei einigen für eine „Spirale aus schlechter Stimmung und Grübelei“, sagt der Dortmunder Psychotherapeut Harald Krauß. Er erklärt, wie sich diese Ängste bekämpfen lassen.

Dortmund

, 04.05.2020, 14:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie stresst und bereitet vielen Menschen Angst. Die Angst um die Gesundheit, die Angst um seine Angehörigen und auch das Gefühl, eingesperrt zu sein, geht auch bei vielen Dortmundern um.

In diesen außergewöhnlichen Zeiten ist es gut, den Tagen Struktur zu geben, offen über die eigenen Unsicherheiten zu sprechen und für Abwechslung zu sorgen, rät Dr. Harald Krauß, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Marien-Hospital Hombruch in einer Pressemitteilung.

Dr. Harald Krauß ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Marien-Hospital in Dortmund-Hombruch.

Dr. Harald Krauß ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Marien-Hospital in Hombruch. © G.P.Müller

Das Schwanken „zwischen Panik und Leichtsinn“

Eine psychische Belastung - auch der psychisch stabilen Menschen - sieht Krauß demnach zum einen an der „realen körperlichen Bedrohung“ durch das Coronavirus. Zum anderen sei das besondere und somit besonders belastende, dass die Gefahr aus Dortmunder Sicht schwierig zu beurteilen sei.

„Wir kennen die Bilder und Zahlen aus Italien und Spanien, hier in Dortmund sind aber nur wenige Menschen erkrankt.“ Der Einzelne schwanke so „zwischen Panik oder Leichtsinn“, so Krauß.

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„Problematisch wird es, wenn die Angst ein Ausmaß annimmt, die allen anderen Dingen des Lebens keinen Raum mehr gibt. Es entsteht eine Spirale aus schlechter Stimmung und Grübelei, die sich verdichten kann und scheinbar keinen Ausweg mehr bietet.“

Das sei vergleichbar mit anderen ‘normaleren’ Ängsten, wie vor dem Arbeitsplatzverlust, vor Verschuldung oder die Angst vor der Einsamkeit.

Tipps des Psychotherapeuten: So steuert man den Sorgen entgegen

Um dem entgegensteuern zu können, sei laut Strauß vor allem eine geregelte Tagesstruktur hilfreich.

Für die Menschen, die zurzeit vornehmlich zuhause bleiben, hat der Psychotherapeut konkrete Tipps: „Zu festen Zeiten aufstehen, regelmäßige Mahlzeiten, jeden Nachmittag ein Spaziergang – das alles gibt uns Stabilität in einer Zeit, in der nichts mehr so scheint, wie es einmal war.“

Auch die sozialen Beziehungen sollte man trotz aller Vorsicht und des gebotenen Social-Distancings nicht vernachlässigen, rät er: „Regelmäßig mit Familie und Freunden telefonieren oder chatten trägt dazu bei, dass wir Abwechslung haben und uns nicht isoliert fühlen.“

Ein weiterer Tipp des Psychotherapeuten: Alte Hobbys wieder aufleben lassen oder sich gar neue zu suchen. Das helfe bei der Ablenkung von dem dauer-präsenten Thema Corona.

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Sich eine konkrete Aufgabe zu schaffen, würde ebenfalls helfen - wie zum Beispiel den Frühjahrsputz. „Es ist eine konkrete Aufgabe, die irgendwann gemacht werden muss und unsere ganze Aufmerksamkeit erfordert. Außerdem fördert Ordnung unserer gute Stimmung. Sie gibt im Kleinen Stabilität, wenn im Großen alles aus den Fugen zu geraten scheint.

Zudem rät Dr. Harald Krauß zu Bewegung: Ob Zuhause oder unter Einhaltung der Abstände im Freien - frische Luft täte den Menschen zusätzlich gut, sagt er.

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Ein Ratschlag für Menschen in systemrelevanten Berufen

Doch auch für die Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und somit nicht das Problem von „zu viel Freizeit“ haben, hat Dr. Krauß einen Ratschlag.

Auch für diese sei eine zwischenzeitliche Entspannung „enorm wichtig“, sagt er. „Niemand kann dauerhaft hundert Prozent oder gar mehr geben. Das funktioniert eine gewisse Zeit, aber dann müssen die Batterien wieder aufgeladen

werden.“

Auch wenn die optimale Methode zur Entspannung von Mensch zu Mensch unterschiedlich sei, gelte auch hier: „Ausreichend Bewegung und der Aufenthalt in der Natur bieten wertvollen Ausgleich und sind wichtig für unser Immunsystem.“

Das komplette Interview erscheint am Donnerstag (7.5.) in der Beilage des JoDo-Magazins der St.-Johannes-Gesellschaft. Uns liegt es bereits am Montag (4.5.) vor.
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