Ein zweiter Lockdown? „Man müsste schauen, wie lange man durchhält“

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Vielen Geschäftsinhabern im Dortmunder Westen sitzt die Angst im Nacken: Einen zweiten Lockdown könnten nicht alle überleben. Manche sind allerdings schon jetzt für den Notfall gewappnet.

Lütgendortmund, Huckarde, Mengede

, 15.10.2020, 10:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der erste Corona-Lockdown im März und April hat einigen Gastronomiebetrieben das Genick gebrochen. Das Café Blickpunkt in Lütgendortmund beispielsweise hat sich nicht durch die Krise gerettet. Im Gegensatz dazu haben die Geschäfte im Dortmunder Westen überlebt.

Nach den ersten Lockerungen haben seit dem 20. April nach und nach alle Geschäfte in Dortmund wieder ihre Türen geöffnet. Darunter auch die Läden in den Stadtbezirken Lütgendortmund, Huckarde und Mengede.

Die Dortmunder dankten es den Händlern in ihren Vierteln und gingen wieder normal einkaufen und shoppen. Doch seit einigen Wochen steigen die Corona-Infektionszahlen wieder. Weitere Beschränkungen für Feierlichkeiten und neue Regeln wie die Maskenpflicht in Fußgängerzonen sollen die Zahlen eindämmen.

Droht ein zweiter Lockdown?

Doch wie wird es den kleinen Geschäften in den Vororten gehen, wenn das nicht klappt und ein zweiter Lockdown droht? „Ich glaube nicht daran“, stellt Birgit Schachtsieck, Inhaberin der Boutique „La Via“ in Mengede, klar. „Wenn doch, wäre ich nicht darauf vorbereitet. Man müsste dann schauen, wie lange man durchhält.“

Ein Onlineshop käme für ihr Geschäft, in dem der direkte Kundenkontakt wichtig sei, nie in Frage. Auch wegen dieser persönlichen Nähe habe sich die Kundenanzahl in ihrem Geschäft trotz steigender Corona-Infektionszahlen derzeit nicht reduziert.

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„Unsere Kunden fühlen sich bei uns mit Maske, Abstand und Hand-Desinfektionsmittel sehr sicher“, erklärt Birgit Schachtsieck. Das sei auch in der Buchhandlung am Amtshaus in Mengede der Fall, so Inhaber Michael Nau.

Masken-Muffel habe er bislang nicht erlebt, nur den ein oder anderen Kunden auf die Mund-Nasen-Bedeckung hinweisen müssen. Ein zweiter Lockdown wäre für ihn allerdings eine Katastrophe. „Jetzt beginnt die Zeit im Jahr, in der der Buchhandel ein Drittel seines Umsatzes macht“, erklärt Michael Nau.

Buchhändler setzen auf Onlineshops und Tür-Verkauf

Die Buchhandlung habe sich beim Lockdown im Frühjahr mit Lieferungen auf Anfrage oder über den Onlineshop gut über Wasser halten können, im Winter jedoch sei der Andrang zu groß, um ein geschlossenes Geschäft aufzufangen. „Ich kann mir keinen zweiten Lockdown vorstellen, aber wenn, dann hoffe ich, dass ich wenigstens an der Ladentür verkaufen darf“, sagt Michael Nau.

Die Buchhandlung „Seitenreich“ in Huckarde hofft indes im Fall eines zweiten Lockdowns, an den Erfolg ihres Onlineshops beim ersten Mal anknüpfen zu können. „Die Angst vor einer weiteren Schließung ist aber definitiv da, zumal gerade unser Hauptumsatz-Zeit anfängt“, sagt Inhaberin Sabine Kurmann.

Sabine Kurmann von der Buchhandlung "Seitenreich" in Huckarde hat Angst vor einem zweiten Lockdown.

Sabine Kurmann von der Buchhandlung "Seitenreich" in Huckarde hat Angst vor einem zweiten Lockdown. © Archiv

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Derzeit schlagen sich die steigenden Corona-Infektionszahlen noch nicht in der Kundenzahl nieder. „In der Innenstadt würde man das vielleicht eher merken“, sagt Sabine Kurmann. „Hier ist die Kundenzahl momentan gleichbleibend und die meisten halten sich auch an Maskenpflicht und Abstand.“

Das erlebt Ingrid Nordmann in ihrer Goldschmiede in Kirchlinde anders. „Bei uns darf momentan nur ein Kunde ins Geschäft kommen, das große Schild am Eingang übersehen aber wohl viele – oder den Kunden, der schon drin steht“, sagt sie.

Positive Einstellung bleibt

Zudem müsse sie die Kunden häufig auf die Maskenpflicht hinweisen, was jedoch kein Protest der Menschen sei, sondern eher Vergesslichkeit.

Noch nicht in Vergessenheit geraten ist indes der Lockdown im Frühjahr. „Ich habe Angst, dass das nochmal auf uns zukommt“, sagt Ingrid Nordmann. „Man hat dann einfach laufende Kosten bei null Einnahmen. Ich habe mich aber bereits nach dem ersten Lockdown bei der Bank abgesichert. Insofern bleibe ich positiv: Wir schaffen das.“

Eigentlich entstehen bei "Marie Beau Brautmoden" in Marten Brautträume. Doch Inhaberin Kerstin Kesper näht seit Beginn der Krise auch Masken.

Eigentlich entstehen bei "Marie Beau Brautmoden" in Marten Brautträume. Doch Inhaberin Kerstin Kesper näht seit Beginn der Krise auch Masken. © Privat

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Eine positive Einstellung, die auch Iryna Lyshtva vom Weinverkauf Uecker in Lütgendortmund teilt. „Natürlich ist immer ein bisschen Unsicherheit da, einen zweiten Lockdown möchte niemand“, sagt sie. „Aber ich habe die Hoffnung, dass wie beim ersten auch beim zweiten Mal Lebensmittelgeschäfte geöffnet bleiben dürfen. Dazu zählt dann auch meine Weinhandlung.“

Die Weinhändlerin hat zwar einen Onlineshop, investiert aber lieber in ihr „Offline“-Geschäft, das sie erst kürzlich in einem größeren Ladenlokal an der Limbecker Straße 5 wieder eröffnet hat. Das wissen auch die Kunden zu schätzen, die derzeit weiterhin normal in Iryna Lyshtvas Weinhandlung kommen.

Braut und Bräutigam mit Maske

Kerstin Kesper hingegen spürt deutlich, dass wieder weniger Bräute ihr Geschäft „Marie Beau Brautmoden“ in Marten aufsuchen. „Seit Juli war es eigentlich wieder gut, viele, die erst abgesagt hatten, haben doch noch geheiratet“, sagt sie. „Aber jetzt merkt man nichts davon, dass die Saison fürs nächste Jahr jetzt eigentlich losgeht. Wenn ich eine Kundin pro Tag habe, ist das wirklich schon gut.“

Im Falle eines zweiten Lockdowns würde sich also derzeit nicht viel ändern. Deshalb plane sie einen Onlineshop, um sich so über Wasser zu halten, so Kerstin Kesper. Zudem nähe und verkaufe sie weiterhin Masken – für den Alltag, aber auch im Braut- und Bräutigam-Design.

„Wer bei uns ein Kleid kauft, bekommt auch eine Maske dazu“, sagt Kerstin Kesper. „Aber auch jeder andere kann bei uns eine Maske kaufen.“

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