Fahrrad-Boom in Dortmund: „Es gibt Parallelen zum Klopapier“

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Die Corona-Krise macht die Menschen flott. Die Fahrrad-Branche erlebe gerade einen Boom, der alles Bisherige toppe, sagt die Store-Leiterin von fahrrad.de im Indupark Dortmund.

Kley

, 21.05.2020, 12:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für alle, die regelmäßig in den Indupark fahren, ist der Anblick mittlerweile vertraut: Vor dem Fahrradmarkt „fahrrad.de“ an der Wulfshofstraße in Kley bilden sich Kunden-Schlangen. Sind die Menschen in der Corona-Krise aufs Rad gekommen?

Genauso das sei der Fall, sagt Store-Leiterin Wiebke Landwehr. „Die Kunden haben es geschafft, uns innerhalb von vier Wochen fast leer zu kaufen. Wir kommen mit dem Aufbau kaum noch hinterher“, erzählt die 30-Jährige.

Ein gewohntes Bild: Vor dem Eingang von fahrrad.de im Indupark hat sich eine Schlange gebildet.

Ein gewohntes Bild: Vor dem Eingang von fahrrad.de im Indupark hat sich eine Schlange gebildet. © Beate Dönnewald

Wiebke Landwehr schiebt den Boom auf die vergangenen Corona-Wochen - auch wenn man sich gerade mitten in der Hauptsaison befinde. „Kein Fitnessstudio, kein Tennisverein, kein Spielplatz, nichts hatte geöffnet. Einiges ist immer noch nicht möglich. Also fahren die Leute Rad.“ Was die Branche gerade erlebe, sei in dieser Form noch nie dagewesen, meint sie.

Kaufwillige Kunden gehen Kompromisse ein

Die Menschen seien sehr kaufwillig und gingen dabei auch Kompromisse ein, so Landwehr. Sie machten zum Beispiel Zugeständnisse bei der Farbe, der Marke, beim Modell, einige sogar bei der Größe - letzteres gegen den ausdrücklichen Rat der Verkäufer. „Viele befürchten, in dieser Saison leer auszugehen.“

Das Dortmunder Team von fahrrad.de setzt in der Corona-Krise auf eine 1:1-Beratung.

Das Dortmunder Team von fahrrad.de setzt in der Corona-Krise auf eine 1:1-Beratung. © Beate Dönnewald

Wiebke Landwehr fühlt sich an die Hamsterkäufe in den ersten Wochen der Corona-Krise erinnert. „Es gibt durchaus Parallelen zum Klopapier. Nach dem Motto: Wenn das zweilagige Papier nicht da ist, kaufe ich eben das vierlagige.“

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Neben E-Bikes seien Trekking-Räder, Mountain- und Gravel-Bikes der Renner, so Wiebke Landwehr. Gravel-Bikes? „Das sind Rennräder mit breiten Reifen für Schotterwege“, erklärt die Store-Leiterin. Im fahrrad.de-Shop gibt es noch eine kleine Auswahl.

Bei fahrrad.de werden im Akkord Fahrräder montiert, je nach Mitarbeiter-Stärke bis zu 30 pro Tag. Aufgrund der großen Nachfrage kommt es zu längeren Wartezeiten.

Bei fahrrad.de werden im Akkord Fahrräder montiert, je nach Mitarbeiter-Stärke bis zu 30 pro Tag. Aufgrund der großen Nachfrage kommt es zu längeren Wartezeiten. © Beate Dönnewald

„Die meisten Räder können wir aber online in unserem Zentrallager bestellen“, so Landwehr. Und das ganz unverbindlich. „Der Kunde kann das Rad dann bei uns testen und falls es nicht das richtige ist, muss er es nicht kaufen.“ Schließlich ginge es hier zum Teil um Preise von 2500 bis 4000 Euro, etwa für E-Bikes. Einzelne Modelle seien in dieser Saison aber schon vergriffen.

fahrrad.de-Team montiert 30 Räder pro Tag

Das Nadelöhr sei die Montage, erklärt Wiebke Landwehr. Wegen der großen Nachfrage würden die Räder nämlich nicht mehr in der Montagestraße von fahrrad.de zusammengebaut, sondern im Store. Mittlerweile habe man das Personal dafür aufgestockt, „Deshalb schaffen wir jetzt an die 30 Räder täglich.“

In großen Kartons kommen die bestellten Räder aus dem Zentrallager im Store an, dann müssen sie montiert werden.

In großen Kartons kommen die bestellten Räder aus dem Zentrallager im Store an, dann müssen sie montiert werden. © Beate Dönnewald

Trotzdem müssten die Kunden inklusive Lieferzeit rund zwei bis drei Wochen auf ihr Fahrrad warten. „Manchmal sind sie ungeduldig, weil sie im Internet ja sehen können, dass das Rad schon bei uns im Geschäft ist.“ Die meisten seien aber sehr verständnisvoll. „Kürzlich hat uns ein Kunde sogar mit einer Obstschale überrascht.“

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Aufgrund der geschrumpften Auswahl vor Ort ergebe es wenig Sinn, dass die Kunden alleine durch die Gänge liefen. Deshalb hole man sie einzeln ins Geschäft, um sie in Ruhe und ausführlich beraten zu können, so Landwehr. Bisweilen müssten die Kunden draußen etwas länger warten. „Drinnen nehmen wir uns dann aber viel Zeit für sie.“

Die Auswahl bei den Helmen und beim Zubehör ist vor Ort eindeutig größer als bei den Rädern. Vieles kann Store-Leiterin Wiebke Landwehr online bestellen. „Wir sind durchaus handlungsfähig“, betont sie.

Die Auswahl bei den Helmen und beim Zubehör ist vor Ort eindeutig größer als bei den Rädern. Vieles kann Store-Leiterin Wiebke Landwehr online bestellen. „Wir sind durchaus handlungsfähig“, betont sie. © Beate Dönnewald

Gerade kümmert sich Wiebke Landwehr um Osman Güncü, der eine Handyhalterung für sein Fahrrad sucht. „Ich war noch nie so aktiv wie in den vergangenen Wochen. Meine Freundin und ich fahren viel Rad und gehen oft spazieren“, erzählt der Dortmunder.

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Der nächste Kunde ist Dirk Horten aus Marl, er braucht Fahrradtaschen. „Unser Bangkok-Urlaub im September ist wegen Corona geplatzt. Stattdessen wollen wir mit den Rädern den kompletten Ruhrtalradweg abfahren, rund 240 Kilometer.“

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