Corona-Krise sorgt für bessere Luft - Ist die Entwicklung nachhaltig?

hzFolge des Coronavirus

Die unterschiedlichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben auch in Dortmund dazu geführt, dass sich die Schadstoffbelastung verändert hat. Die Nachhaltigkeit ist aber umstritten.

Dortmund

, 14.05.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zahlreiche Betriebe haben die Produktion heruntergefahren, viele Menschen arbeiten aus dem Homeoffice und das Reisen war mehrere Wochen komplett untersagt. Was bereits vielerorts dazu führte, dass sich die Luftqualität in Ballungsgebieten verbesserte, hat auch in Dortmund zu Veränderungen geführt. Doch sind diese Änderungen auch nachhaltig?

In Dortmund wird die Luftqualität vor allem durch den Straßenverkehr und die Wirtschaft beeinflusst. Dabei wird die Luftqualität in Dortmund vom Umweltamt Nordrhein-Westfalen regelmäßig von vier Messstationen überwacht.

Messstationen erfassen Schadstoffe

Während die kleineren Stationen an der B1 jedoch lediglich einzelne Werte ermitteln, geben die Messstellen an der Brackeler Straße und in Eving detaillierte Auskünfte über die Schadstoffbelastung. Unter anderem wird hier die Belastung der Umgebung mit Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM10) gemessen.

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Betrachtet man stichprobenartig die Werte der vergangenen Wochen wird deutlich: Obwohl sich die Schadstoffbelastung zunehmend auf dem Niveau des Vorjahres einpendelt, hat sie im Vergleich zum vergangenen Jahr zwischenzeitlich vor allem in der Innenstadt abgenommen.

Deutliche Veränderungen zum Vorjahr

So wurde unlängst zum Beispiel am 11. Mai an der Brackeler Straße ein Stickstoffdioxidgehalt von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) gemessen. 2019 waren es zu diesem Zeitpunkt noch 46 µg/m3. Eine ähnliche Entwicklung gibt es beim Feinstaub. Dort, wo am Montag noch 12 µg/m3 nachgewiesen werden konnten, waren es im vergangenen Jahr 24 µg/m3.

Obwohl sich der Standort der Messstation in Eving laut Umweltamt im „städtischen Hintergrund“ befindet, sind auch hier Veränderungen erkennbar. Am Montag lag der NO2-Wert mit 8 µg/m3 erheblich unter der Konzentration von vor einem Jahr (25 µg/m3).

„Verbesserung ausschließlich wegen des Lockdowns“

Nicht so deutlich ist der Unterschied hingegen beim Feinstaub. Einem Wert von 13 µg/m3 steht hier ein Feinstaubgehalt aus dem Jahr 2019 von 15 µg/m3 gegenüber. Unterdessen liegt die zulässige Grenze für die beiden Schadstoffwerte bei 40 µg/m3 im Jahresdurchschnitt.

Obwohl die Luftbelastung auch von der Wetterlage abhänge, ist die Erklärung für die zwischenzeitliche Verbesserung laut Thomas Quittek vom BUND Dortmund eindeutig: „Die Verbesserung der Luftqualität ist ausschließlich auf den Lockdown zurückzuführen: Weniger Autofahrten, kaum Reisen und weniger industrielle Produktion.“

Schadstoffbelastung wird wieder ansteigen

Der Experte befürchtet durch die derzeitigen Lockerungen allerdings einen zeitnahen Anstieg der Schadstoffwerte: „Ich habe aber auch die Hoffnung, dass viele Menschen aus der Corona-Krise lernen und die Zeit zur Reflexion nutzen“, so Quittek.

Mit einer erneuten Zunahme der Schadstoffbelastung rechnet auch die Stadt Dortmund. Die derzeitigen Werte liegen zwar unterhalb der Werte, die ohne Corona-Krise zu erwarten gewesen wären. „Mit der Zunahme von Aktivitäten wird aber auch die Schadstoffbelastung wieder ansteigen“, erklärt Sprecher Maximilian Löchter.

Neue Mobilitätsstruktur notwendig

Man wolle allerdings durch eine Vielzahl von Maßnahmen die Luftqualität in der Stadt dauerhaft verbessern.

Besondere Maßnahmen? Die fordert auch Dr. Herbert Lüftner von der TU Dortmund. Dem Geowissenschaftler zufolge hängt die Entwicklung vor Ort durchaus mit der reduzierten Mobilität der Menschen zusammen, für die Nachhaltigkeit seien allerdings weitreichende Veränderungen notwendig.

„Die Stickoxidemission durch den PKW-Verkehr ist zwar phasenweise deutlich zurückgegangen, ein langlebiger Effekt würde aber nur eintreten, wenn sich die Mobilitätsstruktur in der Stadt ändert“, so Lüftner. Konkret heiße das: Weg vom Individual- und hin zu öffentlichem Personennahverkehr und zum Ausbau des Radwegnetzes.

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