Corona-Schnelltests: Seniorenheime warten auf Okay des Gesundheitsamtes

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Seniorenresidenzen sollen ihre Bewohner auf das Coronavirus testen und müssen dafür Konzepte vorlegen. Einige Besucher wollen selbst getestet werden – was die Heime in Erklärungsnot bringt.

Lütgendortmund, Westerfilde

, 11.11.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Gesundheitsministerium hat beschlossen, dass Seniorenheime ihre Bewohnerinnen und Bewohner auf das Coronavirus testen sollen. So soll das Virus eingedämmt und diejenigen besser geschützt werden, die zur Risikogruppe gehören.

Die Alloheim Senioren-Residenzen Am Volksgarten in Lütgendortmund und die Einrichtung Schloss Westhusen in Westerfilde haben sich nun in einer Pressemitteilung zur Thematik geäußert.

Alloheim-Konzept liegt noch beim internen Krisenstab vor

Die Pflegedienstleitung Anna-Christin Wegener (35) von der Alloheim Seniorenresidenz Schloss Westhusen erklärt, dass das Test-Konzept derzeit bei dem internen Krisenstab der Einrichtung liege. Erst, wenn der Krisenstab das Konzept geprüft habe, wird es offiziell bei der Stadt Dortmund eingereicht. Das Gesundheitsamt muss es dann genehmigen.

Die Einrichtung in Westerfilde wartet derzeit auf die Lieferung der neuen sogenannten Schnelltests. „Bis zum Ende dieser Woche müssen die Schnelltests da sein“, sagt Wegener. Erst wenn sie da sind, soll sich das Personal mit den Tests vertraut machen. „Wir wollen sicher sein, dass die Durchführung auch stimmt“, sagt Wegener.

Nicht nur Bewohner sollen getestet werden

Das Gesundheitsministerium schreibt in der Verfügung, dass „Personal, Besucher, Patienten und Bewohner regelmäßig auf das Corona-Virus“ getestet werden sollen. Im Fall von Anna-Christin Wegener sind das 147 Bewohnerinnen und Bewohner, 80 Pflegekräfte sowie beispielsweise das Küchenpersonal. Ob die Anzahl der Schnelltests ausreicht? „Ja, für eine Testung“, sagt Wegener.

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Katrin Billecke, Einrichtungsleiterin der Alloheim Residenz in Lütgendortmund, beschreibt, dass sie in der Einrichtung oft Diskussionen mit Besuchern und Angehörigen führen muss. „Fälschlicherweise“ seien viele Besucher der Ansicht, dass die Einrichtung ab sofort dazu verpflichtet ist, sie zu testen. „Sogar, wenn die Besucher angeben, Corona-typische Symptome haben“, heißt es.

Dringender Appell: Nur symptomfreie Besucher dürfen kommen

Das sei falsch. Richtig ist: Erst müssen die Einrichtungen die Konzepte erarbeiten und genehmigen lassen. Billecke betont: Besucher mit Corona-Symptomen haben ein Recht auf einen PCR-Test nach der Testverordnung bei einem Arzt, Testzentrum oder Gesundheitsamt. Das sei nicht die Aufgabe der Pflegeeinrichtungen.

Doch da gibt es noch ungeklärte Punkte der Verordnung. So sei beispielsweise nicht geklärt, wie genau die Mitarbeiter geschult werden sollen, um die Tests durchführen zu können.

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Das Testkonzept der Alloheim-Residenzen umfasst einmal wöchentlich eine Schnelltest-Möglichkeit vor Ort. Es dauert 15 bis 20 Minuten, um den Test bei einer Person durchzuführen. Dann liegt ein Ergebnis vor.

Besucher dürfen nur in die Residenz kommen, wenn sie symptomfrei sind. Sollte es einen positiven Corona-Fall in einer Einrichtung geben, wird ein „Besuchsstopp realisiert“, was „keine böse Absicht“, sondern notwendig sei.

Angehörige informieren

Auch das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Kirchlinde hat ein Konzept beim Gesundheitsamt eingereicht. Peter Boeckel (65) ist der Einrichtungsleiter und bestätigt, dass Ärzte seine Mitarbeiter schulten, um die Schnelltests durchführen zu können. Jetzt gehe es darum, das Organisatorische zu klären. „Ich muss Dienstpläne neu schreiben und die Angehörigen darüber informieren, dass wir demnächst testen“, beschreibt Boeckel.

Peter Boeckel (65) ist der Leiter des Awo-Seniorenheims in Kirchlinde.

Peter Boeckel (65) ist der Leiter des Awo-Seniorenheims in Kirchlinde. © Awo

Kein Bewohner darf zu einem Test gezwungen werden, darum braucht Boeckel die Zustimmung der Bewohner und eventuell von ihren Bevollmächtigten. Es soll „abgestimmte Konzepte“ großer Träger geben, die jedoch auf die individuellen „Eigenarten“ der Einrichtungen eingehen müssen.

„Wir sind froh über die Tests, denn sie bringen uns hoffentlich mehr Sicherheit. Wir können jederzeit loslegen“, sagt Boeckel und zeigt sich optimistisch.

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