Ein aktueller Gesetzentwurf sieht vor, dass Unternehmen ihren Mitarbeiter jede Woche ein Schnelltest-Angebot müssen. © picture alliance/dpa
Förderschulen

Corona-Schnelltests sind nicht für alle Kinder geeignet

Schnelltests sollen allen Schülern in Dortmund wieder den Besuch des Unterrichts ermöglichen. Doch für einige Kinder sind die Tests nicht geeignet. Eltern fühlen sich ausgegrenzt.

Alle Schulen in Dortmund sind in den vergangenen Wochen mit denselben Coronatest-Paketen beliefert worden. Doch die Tests der Firma Siemens Healthcare sind nicht für alle Kinder geeignet. Vor allem an den rund 20 Förderschulen unterschiedlicher Art für Kinder mit geistiger und/oder körperlicher Beeinträchtigung wird ein großes Problem sichtbar.

Die Dortmunder Familie Minich im Jahr 2020 beim Homeschooling. Mutter Ivonne Minich betreut die Autistin Soey (r.) und ihre nicht-beeinträchtigten Zwillingsbruder. © Archivbild © Archivbild

Ivonne Minich ist Mutter der 8-jährigen Soey, die auf die Max-Wittmann-Förderschule für Geistige Entwicklung geht. Es ist für sie nicht vorstellbar, dass ihre autistische und körperlich beeinträchtigte Tochter, die Teststäbchen selbstständig in der Nase anwendet.

„Es besteht die Gefahr, dass sie sich selbst verletzt, weil sie kein Schmerzempfinden hat“, sagt Ivonne Minich.

An Förderschulen sind einige Kinder nicht in der Lage die Tests selbstständig anzuwenden

Laut Torsten Sundermann, Leiter der Max-Wittmann-Förderschule, gibt es eine Reihe von Schülerinnen und Schülern zwischen 6 und 18 Jahren, für die es schwierig sei, die Tests selbst anzuwenden.

„Man fühlt sich am Ende der Kette allein gelassen. So, als ob das Land einfach bestellt hätte, ohne die Belange von Förderschulen zu berücksichtigen“, sagt der Schulleiter.

Soey müsste nach jetzigem Stand weiterhin Unterricht auf Distanz erhalten. Denn als Alternative zum Test im Klassenraum sieht das NRW-Schulministerium bisher nur einen „Bürgertest“ in einem der öffentlichen Testzentren vor.

Eltern von geistig und körperlich behinderten Kindern sollen ins Testzentrum

„Es ist für berufstätige Eltern mit Kindern, die ein besondere Betreuung benötigen, kaum möglich, das zu organisieren. Viele Stellen testen Kinder gar nicht und es ist die Frage, ob es mit Soey und einer fremden Person funktioniert“, sagt Ivonne Minich. Soey hat einen Zwillingsbruder, der an einer Regelschule lernt. Beide Elternteile sind berufstätig.

Schulleitern ist es laut Ministerium grundsätzlich möglich, Eltern gegen eine schriftliche Bestätigung die Testung zuhause zu erlauben. Torsten Sundermann sieht sich derzeit aber nicht in der Lage, von dieser Regelung Gebrauch zu machen.

Schulleiter hält Tests zuhause für „fraglich“

„Ich halte das bei 340 Schülern in einem nicht ganz einfachen Einzugsgebiet für fraglich“, sagt der Schulleiter. Er fürchtet, dass die Sicherheit, die die Tests bieten sollen, geschwächt werde, wenn die Methode nicht einheitlich ist.

Torsten Sundermann und Ivonne Minich wünschen sich zweierlei. Zum einen sollte medizinisches Fachpersonal an Förderschulen die Tests durchführen. „Das muss für eine überschaubare Zahl an Kindern doch möglich sein“, meint die Dortmunder Mutter.

Sind „Lolli-Tests“ eine Alternative?

Zum anderen sollten alternative Schnelltest-Methoden in Förderschulen ermöglicht werden. In Köln wird beispielsweise der Einsatz von so genannten „Lolli-Tests“ erprobt.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hat bereits am Mittwoch (14.4.) eingeräumt, dass die aktuell verfügbaren Tests nicht für alle Kinder geeignet sind. Andere Testmethoden seien aber bisher nicht in der benötigten Größenordnung – 5,5 Millionen Tests für ganz NRW – nicht verfügbar gewesen.

Aus dem Schulministerium in Düsseldorf heißt es dazu auf Anfrage dieser Redaktion: „Ohne diese Tests wäre ein Einstieg in das Wechselmodell mit Präsenzphasen in den Schulen nicht möglich. Die Landesregierung wird bei den weiteren Beschaffungsvorgängen künftig darauf achten, dass die Testverfahren möglichst noch alters- und kindgerechter durchgeführt werden können.“

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat in einem Video-Meeting mit rund 500 Eltern am Mittwochabend (14.4.) in Aussicht gestellt, dass die Lolli-Test die Schnelltests an manchen Schulformen mittelfristig ersetzen könnten.

Vom Einsatz medizinischen Fachpersonals ist seitens des Landes derzeit keine Rede.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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