Corona-Tote: Warum liegt Dortmund deutlich unter dem NRW-Schnitt?

hzCoronavirus

So bedrohlich die Fallzahlen aktuell steigen, in Dortmund gibt es dennoch eine positive Kennzahl. Verglichen mit anderen Städten sind relativ wenige Corona-Patienten gestorben.

Dortmund

, 30.10.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lange Zeit ist Dortmund relativ gut durch die Coronavirus-Pandemie gekommen. Die Stadt war umzingelt von Nachbarn mit höheren Inzidenzwerten, doch seit Mitte Oktober sind die Fallzahlen auch in Dortmund erheblich angestiegen. Allerdings ist die Zahl der Verstorbenen bislang noch deutlich niedriger als in vielen anderen Städten. Woran liegt das?

Diskutiert wird bei Betrachtung der Todesfälle mit nachgewiesener Corona-Infektion immer, ob der- oder diejenige auch ursächlich an einer Covid-Erkrankung gestorben ist. Zur Vergleichbarkeit verwenden wir hier die vom Robert-Koch-Institut genannte Zahl. Das Institut zählt dabei alle Todesfälle mit einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-Cov-2.

Nirgendwo im Ruhrgebiet gibt es dieser Statistik zufolge auch so wenige Corona-Tote pro 100.000 Einwohner wie in Dortmund (Stand Donnerstag, 29.10.). Hier liegt der von unserer Redaktion ermittelte Wert bei 4,1 - der niedrigste Wert der Nachbarschaft liegt im Ennepe-Ruhr-Kreis bei 7,1.

Der NRW-Schnitt liegt bei 11,6. Bislang sind landesweit also pro Einwohner fast dreimal mehr Corona-Patienten gestorben als in Dortmund.

Im Vergleich der 15 größten deutschen Städte haben nur Dresden und Leipzig geringere Todesraten als Dortmund.

Machen die Verantwortlichen in Dortmund irgendetwas besonders richtig? Stadt-Sprecherin Anke Widow betont: „Die Zahlen bilden immer das Geschehen eines etwa 14 Tage zurückliegenden Zeitraums ab.“ Bis dahin, also Mitte Oktober, habe die Dortmunder Strategie aus konsequenter Kontaktnachverfolgung und Tests ihre Früchte getragen.

Exponentiell ansteigendes Infektionsgeschehen

„Allerdings haben wir es seitdem auch in Dortmund mit einem exponentiell ansteigenden Infektionsgeschehen zu tun, dessen Ursache unter anderem darin begründet ist, dass sich die Übertragungswege in mehr als der Hälfte der aktuellen Fälle nicht mehr zurückverfolgen lassen“, so Widow. Ein bevorstehender Anstieg der Todesfälle ist also nicht unwahrscheinlich.

In anderen Gegenden habe es im Frühjahr schon viele ältere Covid-Patienten in Krankenhäusern gegeben, sagt Infektiologe Dr. Bernhard Schaaf vom Klinikum. In Dortmund seien die Patienten im Schnitt relativ jung gewesen, sodass die Todesfallrate geringer war. Zur aktuellen Entwicklung sagt er: „Dass wir jetzt kaum Todesfälle haben, liegt noch an der Anzahl der Patienten.“

Infektiologe rechnet mit mehr als 300 Covid-Patienten in Krankenhäusern

Viele Erkrankte wurden erst kürzlich aufgenommen. „Bei diesen Patienten wird es wahrscheinlich zu weiteren Todesfällen kommen“, so Schaaf. Er gehe davon aus, dass die Zahl der stationären Patienten auf mehr als 300 wächst, bis die aktuellen Schutzmaßnahmen greifen. „Wenn wir so viele Patienten behandeln, wird es auch zu mehr Todesfällen kommen“, sagt Schaaf.

Jetzt lesen

Stadtsprecherin Anke Widow sagt, ein Grund für den deutlichen Anstieg der Zahlen sei, „dass zunehmend junge Menschen asymptomatisch erkrankt sind und so andere Menschen anstecken können und es leider auch tun, ohne es zu wissen.“ Wenn jeder wieder stärker auf das Einhalten der oft beschriebenen AHA-Regeln achten würde, seien sicher viele Neuansteckungen, und damit auch Todesfälle, zu verhindern.

Lesen Sie jetzt