Die CDU-Bezirksvertreter aus Brackel möchten, dass das Neubaugebiet Hohenbuschei besser an das Ortszentrum angebunden wird. © www.blossey.eu
Stadtbezirks-Auswertung

Corona-Zahlen in Aplerbeck, Brackel und Mengede steigen – was bedeutet das?

Einige bisher unauffällige Dortmunder Stadtbezirke verzeichnen einen besonders hohen Anstieg an Neuinfektionen. Ist die Gefahr, sich dort zu infizieren, höher? Die Antwort ist kompliziert.

Die Corona-Infektionen steigend rasant an. Der Dortmunder Inzidenzwert für Samstag (23.4.) liegt nach einer Vorausberechnung der Stadtverwaltung von Freitag bei 211,8 – sieben Tage zuvor hatte er noch fast 40 Punkte niedriger (174,6) gelegen.

Doch wie verteilen sich die Corona-Fälle innerhalb Dortmunds? Das zeigen Daten zum Infektionsgeschehen in den Stadtbezirken, die die Stadt einmal pro Monat veröffentlicht.

Dazu sei gesagt, dass die Stadtbezirkszahlen, die unserer Redaktion vorliegen, nur eine Momentaufnahme sind, die mittlerweile überholt sein dürfte. Grundlage sind Berechnungen eines Zeitraums, wo die Inzidenz um 100 lag (13. März bis 12. April).

Dynamik in Bezirken entwickelt sich unterschiedlich

Die Zahlen geben Aufschluss darüber, dass das Infektionsgeschehen im gesamten Stadtgebiet zunimmt. In den vier Wochen bis Mitte März (dem vorherigen Untersuchungszeitraum) stieg die Zahl der Neuinfektionen im Vergleich zu den vier Wochen davor um lediglich 8,6 Prozent. Im Zeitraum vom 13. März bis 12. April verdoppelte sich dieser Wert: Es gab 15,9 Prozent mehr Neuinfektionen als noch von Mitte Februar bis Mitte März.

In diesem Berichtszeitraum zeigt sich auch, dass in drei Stadtbezirken der prozentuale Anstieg an Neuinfektionen höher ist als im städtischen Durchschnitt. In Mengede lag der prozentuale Anstieg gegenüber dem Vormonat bei 27,1 Prozent, in Brackel bei 24,8 und in Aplerbeck bei 19 Prozent.

Heißt das nun, dass sich in diesen drei Stadtteilen das Virus besonders ausbreitet? Ein klares Jein. Denn allein der Blick auf diese Statistik reicht nicht aus, um das Infektionsgeschehen in Dortmund zu analysieren.

Dabei hilft ein Blick darauf, wie viele Menschen sich pro 1000 Einwohner im jeweiligen Stadtteil mit dem Virus zwischen 13. März und 12. April angesteckt haben. Denn in den einzelnen Bezirken wohnen unterschiedlich viele Menschen – 100 Corona-Fälle auf knapp 56.000 Einwohner in Aplerbeck wirken sich anders auf die Statistik aus als 100 Fälle auf fast 39.000 Einwohner in Mengede.

Mengede ist auch in dieser Grafik Spitzenreiter: Statistisch gesehen haben sich fast neun Menschen je 1000 Einwohner dort mit Corona angesteckt. In Brackel, wo es im Berichtszeitraum genauso viele Fälle gab, infizierte sich nur jeder sechste Bewohner je 1000 Einwohner.

Unterschiedliche Lage in den Stadtteilen: Ein Erklärungsansatz

Warum entwickelten sich die Infektionszahlen in den Stadtteilen so unterschiedlich? Die Stadt erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass im Berichtszeitraum „recht viele Kitas und Grundschulen“ betroffen gewesen seien.

Ein Trend, der sich übrigens schon seit längerer Zeit bundesweit, aber auch in Dortmund abzeichnet – mehr Infektionen unter jungen Menschen. Bereits im vorherigen Berichtszeitraum (12. Februar bis 12. März) wurde bei mehr 0- bis 19-Jährige und 20- bis 39-Jährige das Coronavirus festgestellt. Laut Stadtsprecherin Anke Widow waren in dem Vormonat „bereits im Vergleich zu der Zeit davor vermehrt Kitas und Schulen in das Infektionsgeschehen involviert“.

Zu dem aktuellen Berichtszeitraum sagt die Stadtsprecherin: „In Mengede waren fünf Kitas und vier Grundschulen betroffen, in Brackel vier Kitas und drei Grundschulen.“

„Die Infektionszahlen lagen pro Einrichtung zwischen einem und vier Fällen. In Mengede und in Brackel gab es jeweils eine betroffene Kita mit gut 20 Infektionsfällen.“

Allein diese Einzelfälle erklären jedoch nicht, weswegen sich in Mengede besonders viele Menschen mit Corona angesteckt haben. Angenommen, in den vier Grundschulen und vier Kitas des Stadtteils seien je vier Fälle aufgetreten, plus die 20 Fälle in der fünften Kita, machen diese Fälle (52) nur fast ein Siebtel der Gesamtfälle (342) aus.

In Aplerbeck habe es Einzelfälle an drei Kitas und einer Grundschule gegeben. Obwohl es in Aplerbeck im Vergleich zum vorherigen Untersuchungszeitraum 19 Prozent mehr Corona-Fälle gegeben habe, haben sich dort in den vergangenen vier Wochen nur 4 von 1000 Einwohnern mit dem Virus infiziert.

Sich das Virus in der Nordstadt oder Eving einzufangen, ist immer noch wahrscheinlicher. Dort steckten sich im Berichtszeitraum rechnerisch 6,7 von 1000 Einwohner an.

Wie sieht der Trend aus?

Immer mehr Dortmunder sind geimpft, immer mehr Menschen haben die Krankheit überstanden – sinkt damit in naher Zukunft die Gefahr, dass das Virus sich weiter ausbreitet?

Dafür bräuchte es eine Herdenimmunität. Die sei aber erst dann erreicht, wenn etwa 70 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen das Virus gebildet hätten – entweder durch eine Impfung oder die Krankheit selbst. Davon sei Dortmund noch weit entfernt, stellt Anke Widow klar.

„In Dortmund sind bislang erst 18,6 Prozent der Menschen einmal und 4,8 Prozent vollständig geimpft worden“, schreibt sie.

Ein Blick auf die Statistik zeigt außerdem, dass selbst in der Nordstadt – dem Stadtteil, der lange als Hotspot galt – sich bisher nur 5,4 Prozent der Bewohner nachweislich mit dem Virus infiziert haben. Die Dunkelziffer, also die unbemerkt verlaufenen Infektionen, ist hier freilich nicht einbezogen – doch auch mit ihr dürfte der Herdenimmunität noch nicht erreicht sein.

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Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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