Fensterverkauf von Dortmunder Restaurants kommt gut an - und wird größer

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Mit dem Fensterverkauf haben sich Dortmunder Restaurants einen kreativen Weg ausgedacht, um in der Corona-Krise weiter Essen zu verkaufen. Jetzt expandieren sie wegen des großen Erfolgs.

Dortmund

, 22.03.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andreas Menzel ist mit dem Fahrrad zum Balke an der Hohen Straße gekommen. Er hat eine große rote Fahrradtasche dabei. „Ich hätte gerne Curry und Putengeschnetzeltes“, sagt er zu den Mitarbeitern.

Die stehen hinter einem kleinen, selbstgebauten Tresen in der Tür des Restaurants. Um 1,50 Meter Abstand wird gebeten - das steht auf einem Schild. Betriebsleiterin Melanie Adam und Mitarbeiter Marc Hyggenberg begrüßen die Gäste freundlich.

Andreas Menzel hat bei Balke den Fensterverkauf ausprobiert. "Ich finde es gut, die Gastronomen zu unterstützen."

Andreas Menzel hat bei Balke den Fensterverkauf ausprobiert. "Ich finde es gut, die Gastronomen zu unterstützen." © Martina Niehaus

„Gäste sind es ja eigentlich gar nicht mehr in dem Sinne, sondern eher Kunden. Aber wir freuen uns, dass sie da sind“, sagt Marc Hyggenberg. Er und Melanie Adam sind im Fensterverkauf tätig, der in dieser Woche im Balke und anderen Restaurants gestartet ist.

Beide tragen Handschuhe und packen die vakuumierten Portionen in die Fahrradtasche von Menzel. Inzwischen sind schon weitere Gäste, nein Kunden, gekommen. Alle halten großen Abstand voneinander und bilden auf diese Weise eine Art Halbkreis um den Eingang.

Melanie Adam und Marc Hyggenberg packen portioniertes Essen in einen Rucksack.

Melanie Adam und Marc Hyggenberg packen portioniertes Essen in einen Rucksack. © Martina Niehaus

„Gibt es hier eine Schlange?“, fragt ein Radfahrer, der neu dazukommt. „Weil ich nicht erkenne, wo sie anfängt und wo sie aufhört.“ Alle lachen.

Mit den Restaurants Balke, Schürmanns Hafenkantine und dem Freischütz in Schwerte haben die Inhaber Jan Möller und Philip Winterberg ein besonderes Experiment gestartet. „Wir wollen zeigen, dass es weitergeht, und wir können kochen“, hatte Möller erklärt.

Deshalb gibt es an diesen drei Restaurants zwischen 12 und 16 Uhr den Fensterverkauf. Fünf verschiedene Gerichte kann man vakuumiert kaufen, zum empfohlenen Preis von fünf Euro pro Portion. Die Gerichte werden zu je zwei oder vier Portionen angeboten. Man darf mehr geben, aber auch weniger.

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Andreas Menzel freut sich. „Das Essen ist top, und für die Gastronomen ist das eine super Sache“, sagt er. Auch die Idee mit dem Richtpreis gefällt ihm. „Ich hoffe, dass es den Läden auch hilft.“

Eine andere Kundin ist Anette Theurich, die ihre Töchter Lena (5) und Frieda (8) an der Hand hält. „Ich bin im Homeoffice, mein Mann auch. Heute morgen war ich noch im Sauerland und habe für Oma und Opa eingekauft. Da blieb keine Zeit mehr zum Kochen“, erzählt sie. Deshalb freut sie sich über die leckeren Gerichte. „Hier unterstützt man die Kneipen. Das ist großartig“, sagt die 46-Jährige.

Anette Theurich mit Tochter Lena (5): "Ich bin im Homeoffice. Da bin ich froh, dass ich nicht kochen muss."

Anette Theurich mit Tochter Lena (5): "Ich bin im Homeoffice. Da bin ich froh, dass ich nicht kochen muss." © Martina Niehaus

Trotzdem bleibt Anette Theurich vorsichtig und hält mit den Mädchen möglichst großen Abstand zu anderen. Auch Melanie Adam passt auf: Zwischendurch desinfiziert sie die Kühltheke.

Mit der großen Resonanz hat Jan Möller in dieser Form gar nicht gerechnet. „Helfer melden sich, unsere Lieferanten unterstützen uns, die Westfallenhallen haben uns ihre große Küche zum Kochen angeboten“, erzählt er.

Deshalb hat sich die Aktion noch erweitert. „2019 hat sich die Dortmunder Gastro-Initiative gegründet“, erzählt Möller. Dazu gehören die Westfalenhallen, das Overkamp, das Strobels, das Lennhof, das Hotel Drees und viele andere. „Auch kleinere Restaurants gehören dazu“, betont Möller.

In den Westfallenhallen-Küchen kochen die Teams mit großem Abstand.

In den Westfallenhallen-Küchen kochen die Teams mit großem Abstand. © privat

Es gebe bereits Restaurants, die Kochteams zur Verfügung gestellt hätten. In der Küche der Westfalenhallen können die Teams Abstand halten - wichtig in Corona-Zeiten. „Wenn sich jemand innerhalb eines Vierer-Teams ansteckt, fällt theoretisch nur dieses Team aus.“

.Jan Moeller und Vanessa Remscheid vor Schürmanns Hafenkantine

.Jan Moeller und Vanessa Remscheid vor Schürmanns Hafenkantine © Stephan Schütze (A)

Die Einkünfte, die durch den Fensterverkauf entstehen, landen auf dem gemeinsamen Konto der Gastro-Initiative. „Es geht nicht um Umsatz, sondern um Hilfe“, erklärt Jan Möller. „Das Geld können wir später gebrauchen, um die Gastronomie in Dortmund wieder aufzubauen.“

Möller kann sich vorstellen, dass demnächst weitere Restaurants Aktionen anbieten werden.

Der Fensterverkauf findet von 12 bis 16 Uhr hier statt:
  • Balke, Hohe Straße 127, Dortmund
  • Schürmanns Hafenkantine, Am Kai 14, Dortmund
  • Freischütz Schwerte, Hörder Straße 131, Schwerte
  • Bei Lieferbedarf gibt es eine Online-Bestellung www.muto.de oder Tel. (0231) 226 110 00
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