Zwei Coronavirus-Fälle in Dortmund: „Bis zum Wochenende muss das Spiel gewonnen sein“

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In Dortmund wurden die ersten zwei Patienten positiv auf das Coronavirus getestet. Nun arbeitet das Gesundheitsamt daran, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Das muss schnell gehen.

Dortmund

, 05.03.2020, 18:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Donnerstagvormittag wurde offiziell, wovon Experten schon ausgegangen waren: Auch an Dortmund geht das neuartige Coronavirus nicht vorbei. Ein Mann und eine Frau im Alter von 61 beziehungsweise 64 Jahren wurden positiv auf das Virus getestet.

Die beiden Betroffenen zeigen bisher nur milde Symptome der Coronavirus-Krankheit, erklärte der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes Dr. Frank Renken bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Sie seien daher nicht in einem Krankenhaus untergebracht, sondern befänden sich in häuslicher Quarantäne.

Wahrscheinlich im Iran angesteckt

Bei den beiden Betroffenen handele es sich um ein Paar mit einer gemeinsamen Wohnung in der Dortmunder Innenstadt. Die beiden stammen aus dem Iran und seien vor kurzem dort in einer von der WHO ausgewiesenen Infektionsregion gewesen. Sie galten daher bereits als begründete Verdachtsfälle.

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Ob das Paar aus beruflichen oder privaten Gründen im Iran war, konnte das Gesundheitsamt nicht abschließend beantworten. Klar sei, dass die beiden beruflich selbstständig seien.

Die Informationslage zum Coronavirus im Iran ist laut Dr. Frank Renken nicht vollständig verlässlich. „Wir müssen dort von einer ungehinderten Verbreitung des Virus in der Bevölkerung ausgehen.“ Im Iran sind bereits nach offiziellen Zahlen (Stand: 5. März) rund 3000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

Wohl bis zu 40 Kontaktpersonen

Um eine weitere Verbreitung des Coronavirus ausgehend von den beiden bisher bestätigten Fällen einzudämmen, müsse das Gesundheitsamt nun alle Kontaktpersonen ausfindig machen und sie beim Verdacht auf eine Ansteckung testen.

Dazu seien die beiden Betroffenen befragt worden, um daraus Rückschlüsse auf Kontaktpersonen zu ziehen. Diese würden nun ausfindig gemacht und ebenfalls befragt. Von Kontaktpersonen, die über eine längere Zeit auf ein bis zwei Meter an die Betroffenen herangekommen sind, würden ebenfalls Rachenabstriche genommen und auf das Coronavirus getestet. Auch eine häusliche Quarantäne sei in solchen Fällen möglich.

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Insgesamt sei ein Umfang von bis zu 40 Kontaktpersonen wahrscheinlich. Das sei relativ wenig, da bei den beiden Betroffenen kein großes berufliches Umfeld, wie zum Beispiel bei einem Lehrer, berücksichtigt werden müsse.

Schnelle Überprüfung des Umfelds ist wichtig

Wichtig sei, die Umfeldüberprüfung schnell abzuschließen. „Bis zum Wochenende muss das Spiel gewonnen sein“, sagt Dr. Frank Renken. Bis dahin könne durch entsprechende Maßnahmen einigermaßen sichergestellt werden, dass die Kontaktpersonen nicht wiederum selbst viele weitere Personen gefährden. Sollte dies nicht gelingen, müssten eventuell weitere Maßnahmen zum Infektionsschutz getroffen werden.

Eine stadtweite Gefährdung sieht Dr. Frank Renken allerdings bisher nicht: „Wir dürfen weiterhin davon ausgehen, dass wir, wenn wir durch Dortmund gehen, nicht überall die Chance haben, uns anzustecken.“ Auch das generelle Absagen von Großveranstaltungen ist laut dem Gesundheitsamtsleiter noch nicht geboten.

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Insgesamt haben sich in NRW innerhalb gut einer Woche über 300 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Die meisten davon im Kreis Heinsberg. Mit weiteren Fällen in den kommenden Tagen und Wochen – vermutlich auch in Dortmund – muss gerechnet werden.

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