Drastische Maßnahmen gegen Coronavirus - Kulturleben kommt fast komplett zum Erliegen

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Mit massiven Maßnahmen will die Stadt Dortmund die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. Davon sind nicht nur Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern betroffen.

Dortmund

, 11.03.2020, 19:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen konsequenten Umgang mit Veranstaltungen mit Blick auf das Eindämmen weiterer Coronavirus-Infektionen hatte Oberbürgermeister Ullrich Sierau schon am Dienstag angekündigt. Und dabei geht es nicht nur um Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern wie das Revierderby, die nach einem Erlass des Landes bis auf Weiteres nicht mehr stattfinden dürfen. Genaue Regelungen, wie mit Veranstaltungen mit weniger als 1000 Besuchern umgegangen wird, gibt es aber (noch) nicht.

Aktivitätsniveau absenken

Die Botschaft, die die Stadt am Mittwochabend auf einer Pressekonferenz verbreitete, lautete: Jeder und jede soll seine sozialen Aktivitäten möglichst weit zurückfahren.

„Eigenverantwortung“ war das Wort, das dabei am häufigsten fiel. „Wir wollen das reguläre Leben weiter aufrechterhalten, aber zwischen Kür- und Pflichtveranstaltungen unterscheiden“, sagte Sierau. „Die beste Vorsicht ist, dass man sein Aktivitätsniveau deutlich absenkt.“

Man setze dabei zunächst auf Freiwilligkeit, erklärte Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner. Und die Stadt will dabei selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

Die Folge: Das Kulturleben kommt fast komplett zum Erliegen.

Sowohl das Konzerthaus wie auch das Theater sagten alle Veranstaltungen bis Mitte April ab. Aber auch andere Veranstaltungen sind betroffen - vom E-Bike-Festival, das Anfang April stattfinden sollte, bis zur Gedenkveranstaltung an die Gestapo-Morde in der Bittermark am Karfreitag.

Auch das Gedenken an die Karfreitagsmorde in der Bittermark fällt wegen der Coronavirus-Epedemie aus.

Auch das Gedenken an die Karfreitagsmorde in der Bittermark fällt wegen der Coronavirus-Epedemie aus. © Oliver Schaper

„Wir werden von uns aus keine Veranstaltungen mehr durchführen, die einen größeren Kreis in der Öffentlichkeit ansprechen“, verkündet Sierau die Leitlinie. Man werde aber für alle Termine Ersatztermine finden - voraussichtlich dann ab Mai.

Man habe auch festgelegt, wie man verwaltungsintern mit dem Problem umgehe. Dienstreisen finden grundsätzlich, bis auf wenige Ausnahmen, nicht mehr statt. Homeoffice soll stärker genutzt werden. Interne Besprechungen sind auf das absolut Notwendige zu minimieren. Im Zweifelsfalle soll es Telefonkonferenzen geben.

Er selbst habe seine Teilnahme an Veranstaltungen, zu denen er eingeladen worden sei, „durch die Bank abgesagt“, erklärte der OB. Das sei auch ein generelles Signal an alle Veranstalter.

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Sierau stellte dazu erfreut fest, dass man bei den bislang verkündeten Maßnahmen auf sehr viel Vernunft und Verantwortungsgefühl trifft. Es habe sehr viele Gespräche mit Veranstaltern gegeben - vom BVB bis zu den Hochschulen. So habe etwa die Fachhochschule alle an die Öffentlichkeit gerichteten Veranstaltungen abgesagt.

An vielen Stellen, wie hier in der Thier-Galerie, wird auf Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus' aufmerksam gemacht.

An vielen Stellen, wie hier in der Thier-Galerie, wird auf Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus' aufmerksam gemacht. © Oliver Volmerich

Auch die Auslandsgesellschaft teilte mit, dass sie entschieden hat, alle öffentlichen Veranstaltungen bis zum 15. April abzusagen. Die Deutsch- und Fremdsprachenkurse seien davon nicht betroffen.

Schutz von Risikogruppen

Birgit Zoerner erläuterte den Sinn der Maßnahmen. Ziel sei es, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen - „und zwar auf Strecke“. Es gehe vor allem um den Schutz der älteren und der chronisch kranken Menschen, die besonders gefährdet seien. Das normale Leben von Kitas über Schulen bis zum öffentlichen Nahverkehr soll möglichst weitergehen.

Gesundheitsamts-Leiter Thomas Renken äußerte die Hoffnung, dass man die Maßnahmen früh genug ergriffen habe, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. „Wir glauben, dass wir eine Chance haben, das früh zu begrenzen.“ In zwei bis drei Wochen müsse man den Peak, also den Höchststand, erreicht haben.

Fünf neue Coronafälle

Aktuell steigen bundesweit, aber auch in Dortmund die Fälle weiter an. Fünf weitere Corona-Infizierte kamen am Mittwoch dazu, zwölf sind es nun insgesamt. Bei den neuen Fällen handele es sich um Rückkehrer aus Italien und einen Fall mit Bezug nach Bayern, so Renken. Alle Fälle beträfen Altersgruppen, die nicht zur Risikogruppe gehören. Alle könnten in heimischer Quarantäne behandelt werden.

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