Coronavirus: Schulen und Kindergärten dicht - Was Eltern in Dortmund jetzt wissen müssen

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Seit Freitagnachmittag ist klar: Ab Montag (16.3.) sind in NRW Schulen und Kitas geschlossen. Aber es soll eine Notbetreuung geben. Wir haben wichtige Infos zusammengestellt.

Dortmund

, 16.03.2020, 19:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

In den letzten Tagen überschlagen sich die Ereignisse rund um den Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Wir erklären, was vor allem Eltern von Schul- und Kita-Kindern zum Start in die Woche wissen müssen.

Ab wann sind die Schulen geschlossen?

Wie das Land NRW am Freitag mitteilte und die Stadt am Sonntag bestätigte, sind alle Grundschulen und weiterführende Schulen durch das Vorziehen des Beginns der Osterferien ab diesem Montag (16.3.) geschlossen. Die Schulen werden aber am Montag und Dienstag für eine Betreuung von Schülerinnen und Schülern sorgen, deren Eltern nicht spontan eine private Betreuung sicherstellen können.

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Ab wann sind die Kitas geschlossen?

Da ist die Regelung sogar noch rigoroser als an den Schulen. Das Land hat ab diesem Montag ein formelles „Betretungsverbot“ für alle Kindertageseinrichtungen ausgesprochen. In der Mitteilung des Landes heißt es, die Eltern hätten „dafür Sorge zu tragen, dass ihre Kinder die Kindertagesbetreuungsangebote nicht nutzen“.

Was ist mit Tagespflege für Kinder außerhalb von Kitas?

Für die Betreuung durch Tagesmütter oder -väter gilt das gleiche wie für Kitas - auch, wenn diese ja meist nur drei bis vier Kinder betreuen, und das oft in ihren eigenen Wohnungen. Wie das mit dem Betretungsverbot und möglichen Notbetreuungen funktionieren soll - dazu gibt es noch keine Erklärung.

Für welche Berufsgruppen soll es eine Notbetreuung geben?

In der Erklärung des Landes ist von sogenannten „Schlüsselpersonen“ die Rede. Dazu gehören „Angehörige von Berufsgruppen, deren Tätigkeit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie der medizinischen und pflegerischen Versorgung der Bevölkerung und der Aufrechterhaltung zentraler Funktionen des öffentliche Lebens dient.“

Das reicht von Mitarbeitern im Gesundheitswesen und in der Pflege über Feuerwehrleute und Polizisten bis zu Beschäftigten in Supermärkten und von Ver- und Entsorgungsunternehmen. Also: Auch Kassiererinnen und Kassierer in Supermärkten gehören ebenso dazu wie Müllwerker.
Die Stadt selbst rechnet die Beschäftigten der Stadtverwaltung, der Stadtverwaltung, in Schulen und in der Kinderbetreuung dazu.

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Sie können die Notbetreuung nutzen, wenn sie alleinerziehend sind oder beide Eltern zu den „Schlüsselpersonen“ gehören. Und selbstverständlich müssen die Kinder auch gesund sein und dürfen keinen Kontakt zu Menschen mit Coronaverdacht gehabt haben.

In den Schulen soll es ein Betreuungsangebot für Kinder der Klassen 1 bis 6 geben.

Wenn alle diese Voraussetzungen erfüllt sind, müssen die Betroffenen bis Mittwoch (18.3.) eine entsprechende Bescheinigung ihres Arbeitgebers vorlegen. Das Land will dazu ein Muster „schnellstmöglich“ zur Verfügung stellen. Zunächst reiche auch ein Dienstausweis oder eine Verdienstbescheinigung, teilte die Stadt mit.

Nachtrag: Das Land hat zum 23.3. die Aufnahmebedingungen für die Betreuung sowohl in den Schulen wie in den Kitas gelockert. Nun genügt ein Elternteil in systemrelevanten Berufen. Außerdem soll das Betreuungsangebot auf die Wochenende und die Osterferien ausgeweitet werden.

Was muss ich tun, wenn ich nicht zu diesen Berufsgruppen gehöre?

Dann muss man versuchen, eine Regelung mit seinem Arbeitgeber zu finden, um die Kinderbetreuung selbst übernehmen zu können - etwa durch Heimarbeit (Homeoffice) oder gemeinsame Betreuung im Bekanntenkreis. Auf keinen Fall sollte man die Betreuung Menschen überlassen, die zu den besonderen Risikogruppen in Sachen Corona-Infektion gehören - wie etwa die Großeltern.

Wie lange gelten die Regelungen?

Die Schließung von Schulen und Kindergärten gilt nach aktuellem Stand bis zum regulären Ende der Osterferien am 19. April.

Was ist mit den Abiturprüfungen?

Sie sollen trotz der vorgezogenen Osterferien stattfinden.

Die Stadt Dortmund hat Unmut über die Entscheidungen des Landes geäußert. Warum?

Der Ärger dreht sich vor allem um Form und Zeitpunkt der Bekanntgabe, auch wenn man am Freitagvormittag bereits mit der Schließung der Schulen gerechnet hat. Klarheit gab es aber erst durch eine Pressekonferenz der Landesregierung am Freitagnachmittag, während etwa das Saarland oder Bayern die Schulschließungen schon am Morgen verkündet hatten. Dort konnte man also im Laufe des Freitags noch Regelungen treffen, um sich auf die neue Situation einzustellen.

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Kalt erwischt wurden die Städte vor allem von der Schließung der Kitas, auf die das Land eigentlich keinen direkten Zugriff hat. Das Land behilft sich nun mit einem juristischen Trick – mit dem „Betretungsverbot“. Davon wurden nicht nur die Städte, sondern auch alle freien Träger völlig überrascht.

Sie alle mussten nun über das Wochenende viel regeln - von der Information von Personal und Eltern, über das Abbestellen von Mittagstischen bis zur Vorbereitung der Notbetreuung.

Mit dem Ärger ist man übrigens bei der Stadt Dortmund nicht allein. Auf der Homepage der Stadt Witten heißt es zum Beispiel. „Leider haben wir von der Landesregierung keinerlei Hinweise bekommen, wie wir mit dieser Situation nun umgehen können. Selbst die Information über die Schulschließungen haben wir nur auf indirektem Weg erhalten – über Wittener Schulen.



Die Landesregierung stellt uns hier vor vollendete Tatsachen. Und das am Freitagnachmittag zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.“

Wie geht es an den Hochschulen, also unter anderem TU und FH Dortmund weiter?

Der Vorlesungsbeginn wird hier bis zum Ende der Osterferien verschoben. Die Semesterferien verlängern sich also. Die TU hat auch alle aktuell anstehenden Klausuren abgesagt.

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