Coronavirus sorgte für besonderen Abschied nach 21 Jahren

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Wegen der Corona-Kontakt-Beschränkungen hätte Ute Stasinski bei ihrer Abschiedsfeier beinahe allein bleiben müssen. Doch ihre Mitarbeiter ließen sich etwas einfallen.

Mengede

, 04.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beinahe wäre sie einfach weg gewesen. Im Alter von 65 Jahren und nach 21 Jahren als Leiterin des Begegnungszentrums Mengede geht Ute Stasinski in den Ruhestand.

Die Stammgäste der städtischen Einrichtung hätten davon beinahe nichts mitbekommen. Doch die langjährigen Mitarbeiter des Begegnungszentrums, außerdem Vertreter der vielen Gruppen, die das Haus an der Bürenstraße ihr Zuhause nennen, wollten Ute Stasinski nicht ohne Feier gehen lassen.

Und die kreativen Köpfe ließen sich etwas Corona-Kompatibles einfallen, eine entzerrte Feier nach Terminplan.

Ein Kaffeetrinken nach dem anderen

Sechs Wochen lang hatte Ute Stasinski jeden Tag alleine in ihrem Büro verbracht. Am Donnerstag bekam sie Besuch. Jeweils zu zweit, im Abstand von einer halben Stunde, von 9 bis 15 Uhr, nahmen Gratulanten Abschied. Für Ute Stasinski war das ein Kaffeetrinken nach dem anderen.

Ute Stasinski steht für viele Bewohner Mengedes für tiefgreifende Veränderung im Begegnungszentrum, seit sie ihren Dienst 1999 übernahm. Die Zahl der Angebote für Senioren nahm stark zu, Stasinski sorgte für Veranstaltungen mit den Jugendfreizeitstätten und Kindergärten. Die Räume wurden geöffnet für Geflüchtete und Menschen mit Behinderungen.

Unterhaltungs-Nachmittag für körperlich Behinderte

„Dank Frau Stasinski war Mengede das erste städtische Begegnungszentrum in Dortmund, das einen Unterhaltungs-Nachmittag für körperlich Behinderte und Demenz-Kranke einführte“, sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Betty Steegers.

Unter Ute Stasinskis Regie wurde ein Angehörigenkreis aufgebaut. Angehörige der Stammbesucher konnten sich über ihre Problemen austauschen.

Viele Kursangebote wie Englisch, Internet, Zumba oder Pilates, kamen durch Ideen von Mitarbeitern zustande, auf die Ute Stasinski immer hörte. Durch Ermunterung zur Initiative entstanden auch Interessengruppen wie: eine Wandergruppe, Schach, Kochen für Männer, 1000 und 1 Nacht oder Veranstaltungen wie der monatliche Familien-Spieletag. Hunderte Spiele wurden bislang gesammelt.

Zeit für eine komplett abgeschlossene Arbeit

21 Jahre lang entstanden im Begegungszentrum Mengede immer wieder neue Angebote am Puls der Zeit. Wie hat Ute Stasinski Routine vermieden? „Man muss immer die Augen offen halten, wo es Bedarf gibt“, sagt sie.

Während ihre Mitarbeiter und Helfer Sorgen hatten, ihre Leiterin ohne angemessenen Abschied zu verlieren, hatte Ute Stasinski während der Corona-Schließung eine produktive Zeit. „Ich konnte alle Akten ordnen, alle noch offenen Gespräche führen, ich habe zum Abschluss alles erledigt.“

Ute Stasinski geht mit Vorfreude in ihren Ruhestand, sagt sie, ohne konkret zu werden. Sie verrät nur: „Es gibt so viele Möglichkeiten für Ehrenämter.“

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