Senioren trotz Corona-Gefahr auf Einkaufstour: Wenn eine Risikogruppe das Ortsbild bestimmt

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Es hat sich etwas geändert im Ortsbild von Aplerbeck. Es ist leer geworden. Zahlreiche Läden sind geschlossen. Doch etwas stimmt bedenklich beim Blick in die Straßen.

Aplerbeck

, 18.03.2020, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Spielplatz in der Ortsmitte von Aplerbeck liegt direkt neben dem Amtshaus. Ist das Wetter gut, ist auch der Spielplatz gut besucht. Das ist er diesmal nicht. Aber es ist durchaus Betrieb vor Ort. Dabei dürfte er gar nicht betreten werden. Es ist Mittwoch der 18. März 2020. Seit heute gilt die Landesverordnung, dass die Bolzplätze und Spielplätze in NRW gesperrt sind.

Im Aplerbecker Zentrum juckt das einige wenig. Eltern sitzen am Rand, die Kinder spielen im Sandkasten. Der Marktplatz hingegen, über den sonst vormittags die Schüler in Richtung Schweizer Allee laufen, ist fast menschenleer. Auch der restliche Ortskern wirkt gespenstisch ruhig. Zahlreiche Läden haben geschlossen.

Auch, dass die Spielplätze gesperrt sind, hatte sich noch nicht bei allen herumgesprochen.

Auch, dass die Spielplätze gesperrt sind, hatte sich noch nicht bei allen herumgesprochen. © Jörg Bauerfeld

Vor Blumen Risse hat sich eine kurze Schlange gebildet. In den Laden darf hier auch niemand, außer den Verkäuferinnen. Es wird aus der Eingangstür verkauft. Frische Schnittblumen.

Ob das auch morgen noch möglich ist, weiß noch niemand. Es ist eine kaufmännische Grauzone, da Läden für den Gartenbedarf ja geöffnet haben dürfen. Zählt da dieser Laden auch dazu? Die Stadt wird es klären.

Nicht viel los um 11 Uhr

Los ist nicht viel. Warum auch? Die Bäcker haben geöffnet, Apotheken und Ärzte natürlich auch. Und eben Kaufland. Eigentlich bräuchte sich der Betrachter nicht über die wenigen Menschen zu wundern, die gegen 11 Uhr durch den Aplerbecker Ortskern schlendern. Corona-Zeiten, da soll man zuhause bleiben, um sich solidarisch zu zeigen mit der Risikogruppe. Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Mitbürger.

Die Straßen sind ziemlich leer im Ortskern.

Die Straßen sind ziemlich leer im Ortskern. © Jörg Bauerfeld

Komisch nur, dass letztere sich scheinbar nicht in den eigenen vier Wänden aufhalten. Geschätzt 80 Prozent der Bürger, die im Ortskern die wenigen geöffneten Läden und Cafés bevölkern, sind ältere Menschen.

Viele ältere Menschen

Ältere Damen mit Rollator quälen sich auf dem Bürgersteig die kleine Steigung an der Köln-Berliner-Straße hoch. Die vollen Einkaufstaschen inklusive. Auch an den Bushaltestellen vor der Sparkasse, an der sich sonst die Schüler drängeln, sind kaum Menschen. Aber die Männer und Frauen, die da sind, sind geschätzt alle über 70 Jahre alt.

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Auch ein kurzer Blick in das Café Allegretto zeigt die verkehrte Welt. Zwar stehen hier die Tische weit auseinander – Sicherheitsabstand wird hier zurzeit groß geschrieben, obwohl nicht viele Gäste anwesend sind. Aber die, die da sind, gehören der Risikogruppe „ältere Menschen“ an.

Noch haben auch Blumenläden geöffnet.

Noch haben auch Blumenläden geöffnet. © Jörg Bauerfeld

Völlig unverständlich wird es dann im Kaufland, in dem Lebensmitteldiscounter gegenüber dem historischen Amtshaus. Auch nicht alle Kassen sind hier geöffnet. Aber an denen, wo die Menschen stehen, um zu bezahlen, gibt es kaum Sicherheitsabstand. Als ob es das Virus gar nicht gebe.

Ministerpräsident: „Bleiben Sie zuhause“

Und auch hier das gleiche Bild. Die, die die Bevölkerung eigentlich schützen sollte, stehen mit ihren Einkaufswagen dicht an dicht - viele ältere Menschen. Was sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet noch am Dienstag (17.3.): „Es geht um Leben und Tod – so einfach ist das. Und so schlimm. Bleiben Sie zu Hause.“ Nur so helfe man, das Virus einzudämmen.

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