Darum gibt es in Asseln Männer, die Baumstämme werfen

hzHighland Games

Wenn Erwachsene in Asseln mit Baumstämmen werfen, Strohsäcke schleudern und einen Schottenrock tragen, sind es die Highlander. Aus Neugier haben wir ihnen einen Besuch abgestattet.

Asseln

, 28.08.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als ich das Gewicht in der Hand halte, traue ich dem Ganzen nicht so richtig. Ob ich mich damit nicht selbst verletze? „Da passiert nichts, wirklich“, wird mir zugerufen. Ich bin skeptisch, starte aber dennoch einen vorsichtigen ersten Versuch. Schwung holen, eins, zwei, drei und Wurf. Ich schleudere das Gewicht nach hinten über meinen Kopf.

Darum gibt es in Asseln Männer, die Baumstämme werfen

Der Respekt davor, ein Gewicht über den Kopf zu Schleudern, war am größten. © Schaper

Bei den Highland Games ist das nur eine von vielen Disziplinen. Die traditionellen Sportveranstaltungen aus Schottland werden auch als Urform der Leichtathletik bezeichnet. Zu ihren Teilbereichen zählen unter anderem einige Kuriositäten wie Baumstammweitwurf oder Strohsackschleudern. In ganz Deutschland gibt es die sogenannten Clans, die sich miteinander messen. Einer davon sind die Lairds of Tremonia aus Asseln, die mir bei einem Besuch ihren Sport näherbringen.

Ganz schön wackelig

Meine erste Aufgabe ist gleich die, vor der ich am meisten Respekt habe: Baumstamm-Überschlag. Kai Blakemore, der Gründer der Asselner Highlander, gibt mir einen Stamm in die Hand, der mit zwei Metern Länge und einem Gewicht von 10 Kilogramm auf den ersten Blick gar nicht so groß aussieht. Er selbst wirft mit einem mehr als doppelt so langen und viermal so schweren Wurfgerät. Dass ich aber mit dem kleinen gut ausgelastet bin, merke ich schnell, als ich versuche, den Stamm auszubalancieren. Ganz schön wackelig.

Darum gibt es in Asseln Männer, die Baumstämme werfen

Clan-Chef Kai Blakemore erklärte, wie der Baumstamm Überschlag funktioniert. © Schaper

Kai Blakemore erklärt mir den für ihn schon gewohnten Bewegungsablauf: „Du gehst einfach ein paar Schritte nach vorne und sobald der Stamm an deinem Ohr vorbeikommt, wirfst du nach hinten.“ Wie, nach hinten? Ich dachte, der Stamm soll vor und nicht hinter mir landen. Nach dem ersten Versuch wird klar, dass er das auch soll - nur mit einer Rotation. Die kommt bei mir zwar nicht wirklich zustande, aber für den ersten Versuch „war das gar nicht so schlecht“, lobt Kai Blakemore.

„Grundstein war eine Schnapsidee“

Er und seine Teammitglieder haben seit einem Jahr einen festen Trainingsplatz bei dem Verein Freizeitfußball Asseln. „Der Grundstein war eigentlich eine Schnapsidee“, erzählt der Gründer von den Anfängen. Gemeinsam mit seiner Frau und einem befreundeten Pärchen war er bei den Highland Games in Kamen. Schon vom Zuschauen hatte der junge Familienvater Blut geleckt und war sich sicher - das können wir auch. Und auch, wenn der Baumstamm auf den ersten Blick ziemlich groß aussieht und die Jungs nicht wie riesige Bären wirken: Sie können es tatsächlich.

Darum gibt es in Asseln Männer, die Baumstämme werfen

Die Lairds of Tremonia haben Spaß bei ihrem Sport. Bei einem Training nahmen sie jetzt unsere Mitarbeiterin Johanna Wiening in ihre Mitte. © Schaper

Eine weitere Disziplin, die der Clan immer wieder trainiert, ist das Strohsackschleudern. Das Prinzip hört sich eigentlich gar nicht so schwer an: Mit einer Mistgabel wird der Sack hochgehoben, Schwung geholt und nach hinten über die Schulter geschleudert. Das Ziel ist nicht möglichst weit, sondern hoch zu schleudern. Der Wurfturm hat Meterbegrenzungen bei drei, vier, fünf und sechs Metern.

Darum gibt es in Asseln Männer, die Baumstämme werfen

Vorsichtig musste der Strohsack hochgehoben und erstmal ausbalanciert werden. © Schaper

Während die Mitglieder der Lairds of Tremonia reihenweise über die höchste Meterbegrenzung werfen, schaffe ich im ersten Versuch nichtmal die drei Meter. Aber es macht Spaß - und jetzt will ich es wissen. Beim fünften Versuch schaffe ich dann die unterste Begrenzung. Immerhin.

In erster Linie geht es um den Spaß

Für die Asselner Highlander wären meine persönlichen Bestweiten wohl eindeutig zu wenig. Denn, wer sich auch auf Wettkämpfen mit den Besten des Landes messen will, der kann mit meinen Würfen wenig anfangen. Regelmäßig sind die Asselner Highlander dort dabei. „Aber uns geht es in erster Linie um den Spaß. Klar sind gute Platzierungen schön, aber erstmal zweitrangig“, sagt Kai Blakemore.

Spaß hatte ich auch. Und selbst die Gewichte, die mir am Anfang am meisten Respekt abgerungen haben, konnte ich am Ende - zumindest mehr oder weniger -bezwingen. Auch wenn die Highland Games also etwas kurios anmuten - wer sie ausprobiert, ist ganz schnell angefixt.

Die Lairds of Tremonia trainieren jeden Donnerstag ab 18 Uhr auf dem Sportplatz in Asseln, Auf dem Bleck. Frauen und Männer sind jederzeit gerne willkommen. Und auch Kinder können die Highland Games ausprobieren: Bei der Museumsnacht am 21. September veranstalten die Lairds of Tremonia einen Wettbewerb für Kinder im LWL-Museum Zeche Zollern. Wer Kontakt mit den Highlandern aufnehmen möchte, kann das per Tel. (0157) 80267923, Mail lairds@web.de, Facebook oder Instagram.
Lesen Sie jetzt