Bis zum 31. August 2020 dürfen keine Großveranstaltungen stattfinden. Das betrifft auch die Stadtbezirke Lütgendortmund, Huckarde und Mengede, die jetzt umplanen müssen.

Huckarde, Lütgendortmund, Mengede

, 16.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit der Videokonferenz von Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch (15. 4.) ist klar: Großveranstaltungen wird es bis zum 31. August nicht geben.

Was genau als Großveranstaltung zählt, müssen die Bundesländer noch definieren. Entsprechende Angaben werden zum Wochenende erwartet. Doch schon jetzt beeinflusst die Regelung einige große Veranstaltungen in Dortmund.

Im Stadtbezirk Huckarde müssen beispielsweise die beliebte Pfingstkirmes (29. 5. bis 1. 6.) und die Kirchlinder Woche (1. bis 7. 6.) ersatzlos ausfallen. Die Veranstalter hoffen jedoch, im Spätsommer oder Herbst eine kleine Alternative anbieten zu können.

Kirchlinder Wochenende statt Kirchlinder Woche?

„Es ist eine Katastrophe für Huckarde, dass die Pfingstkirmes nicht stattfinden kann“, sagt Huckardes Bezirksbürgermeister Harald Hudy. „Das Fest ist fast 350 Jahre alt.“

Er hoffe, dass die Kirmes im Kleinen in das Huckarder Bürgerfest beziehungsweise die Bürgerwoche (5. bis 11.9.) integriert werden könne, sagt Hudy. Beides findet kurz nach der Frist statt, bis zu dem das Veranstaltungsverbot gilt, von der aber niemand weiß, ob sie nicht noch verlängert wird.

Für die Kirchlinder Woche bedeutet der von Bund und Ländern beschlossene Zeitraum jedoch das Aus. „Egal, wie groß nun eine Großveranstaltung ist: Wir bräuchten Einlasskontrollen, Abstandsregeln und mehr Personal“, sagt Mario Gacek, Vorsitzender der IG Kirchlinder Vereine und Veranstalter der Kirchlinder Woche.

Das sei nicht zu leisten. Stattdessen könne es möglicherweise ein Kirchlinder Wochenende im Herbst geben. „Es tut allerdings schon weh, wenn eine Traditionsveranstaltung in ihrer 37. Auflage nicht stattfinden kann – auch für die beteiligten Vereine“, sagt Mario Gacek.

Großes Bangen um Traditionsveranstaltungen in Lütgendortmund

Gedrückte Stimmung herrscht an Tag eins nach der Merkel-Verkündung auch im Stadtbezirk Lütgendortmund. Reinhard Sack, Chef der Interessengemeinschaft Lütgendortmunder Vereine und Verbände (IGVV), muss gleich um zwei Traditionsveranstaltungen bangen.

Das Dorffest samt 870-Jahr-Feier hatten Sack und sein Team wegen des Kontaktverbots bereits auf Anfang Juli geschoben. „Wir haben aber alles so gut vorbereitet, dass wir das Fest auch drei bis vier Mal verschieben können“, bleibt der IGVV-Chef optimistisch.

Reinhard Sack sieht gute Chancen, das Dorffest mit dem Ortsjubiläum im September nachfeiern zu können. Den Termin wolle er in der nächsten Woche bekanntgeben.

Keine Chance für die 661. Bartholomäus- und 699. Bodelschwingher Kirmes

Sacks Hoffnung, dass die 661. Bartholomäuskirmes (28. bis 31. 8.) vielleicht doch stattfinden kann, teilt Schausteller-Chef Patrick Arens nicht. „Die Ansage ist klar, bis einschließlich 31.8. geht nichts. Für uns Schausteller ist diese Entscheidung ein Desaster“, so Arens. Er betont aber auch: „Wir verstehen die Maßnahme, denn Gesundheit ist das A und O.“

Ob im Juni das Reit- und Springturnier in Somborn stattfinden kann, steht noch in den Sternen.

Ob im Juni das Reit- und Springturnier in Somborn stattfinden kann, steht noch in den Sternen. © (A) Stephan Schütze

Patrick Arens sieht keine Möglichkeit, die Kirmes im Herbst 2020 nachzuholen. „Da werden wir wegen anderer Veranstaltungen keinen Termin finden“, bedauert er. Das gleiche gelte für die 699. Bodelschwingher Kirmes (4. bis 6. 7.).

In Marten herrscht gerade große Verunsicherung. Dort fragt man sich, ob das Maifest „Marten unter den Linden“ (6. 6.) und das Martener Bürgerfest (1. bis 2. 8.) als Großveranstaltungen gelten.

Veranstalter sind verunsichert und haben viele Fragen

Man warte noch auf weitere Informationen von Stadt und Land, so Ingo Rößler vom ausrichtenden Förderverein Dortmund Marten und Germania. Erst dann könne man Entscheidungen treffen.

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Abwarten, so lautet auch die Devise von Stefan Mitze mit Blick auf das geplante Reit- und Springturnier (10. bis 14. 6.) der Reiterstaffel Somborn. Wie viele andere hat der 2. Vorsitzende etliche Fragen, die ihm bisher niemand beantworten konnte.

Beispiel Getränkeausgabe: „Dürfen Gläser weiterhin mit der Hand gespült werden oder müssen alle in die Spülmaschine? Oder ist nur noch Flaschenbier erlaubt?“ Ein „Geister-Turnier“, also ohne Zuschauer, hält Mitze für nicht realistisch. Die Kontrollen seien zu aufwändig.

13. Mengeder Gaudium erst im Juni 2021

Lange hatten die Mittelalterfans gehofft und sich auf Facebook Mut gemacht. Nun die traurige Gewissheit: Das Mengeder Gaudium vom 11. bis 14. Juni wird nicht stattfinden können. Organisator Detlef Huß möchte zwar erst noch eine klare rechtliche Regelung abwarten.

Er ist aber Realist genug: „Wir sind alle tief traurig. Das 13. Mengeder Gaudium werden wir auf 2021 verschieben müssen.“ Es findet dann vom 3. bis 6. Juni statt. Eine Verlegung in den Herbst sei nicht geplant. Am Donnerstagmorgen hatte der Neuburger Hofnarr und Gaudium-Dauergast Sepp Egerer auf Facebook noch über den Charakter des Mittelalter-Lagers als „eine Art Reihenhaussiedlung“ geunkt.

Ausfall der Bodelschwingher Kirmes ist eine Zäsur

Für Gerd Obermeit ist der Ausfall der Bodelschwingher Kirmes eine Zäsur. „Das ist schon gewaltig. Aber wir müssen die Entscheidung akzeptieren“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins Bodelschwingh/Westerfilde und des Fördervereins Schlosskirche Bodelschwingh.

Die Bodelschwingher Kirmes ist Rummel, vor allem aber auch ein Treffpunkt für Einheimische, Neubürger und Fortgezogene.

Die Bodelschwingher Kirmes ist Rummel, vor allem aber auch ein Treffpunkt für Einheimische, Neubürger und Fortgezogene. © (A) Stephan Schuetze

Er weiß um den besonderen Charakter des Rummels mit Dorffest-Charakter, der vor allem auch von Wiedersehensfreude und nahem Beisammenstehen an den Bierständen geprägt ist. „Wir sind alle gefährdet, dass wir uns anstecken. Und wir können uns nicht so bewegen, wie wir das früher getan haben.“

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