Das dritte Geschlecht: So viele Menschen sind in Dortmund als „divers“ gemeldet

hzIntersexualität

Seit dem 22. Dezember ist es möglich, sein Geschlecht im Personenmelderegister auf „divers“ zu ändern. Auch in Dortmund wurde diese Möglichkeit bereits genutzt.

Dortmund

, 01.08.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In NRW meldeten sich bisher 27 Menschen als „divers“ – diese Meldung der eigenen Zugehörigkeit zum „dritten Geschlecht“ ist seit dem 22. Dezember 2018 möglich. Diverse Menschen werden aus körperlichen oder hormonellen Gründen nicht dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet. Auch in Dortmund wurden bereits Änderungen des Geschlechts beurkundet.

Hier gab es auf Grundlage des Paragrafen 45b des Personenstandgesetzes sechs Einträge. Dieser Paragraf umfasst neben der Eintragung des Geschlechtes „divers“ auch die Möglichkeit, das Geschlecht von „männlich“ in „weiblich“ oder umgekehrt zu ändern beziehungsweise die Geschlechtsangabe wegfallen zu lassen. Seit Ende letzten Jahres änderten zwei Menschen ihr Geschlecht in „divers“ und vier wechselten von männlich auf weiblich oder umgekehrt, so Stadtsprecher Maximilian Löchter.

Der Facharzt muss bescheinigen

Um das Geschlecht auf „divers“ ändern zu können, müssen sich Betroffene von einem Facharzt bescheinigen lassen, dass sie mit einer „Variante der Geschlechtsentwicklung leben, die körperlich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden kann“, erklärt Stadtsprecher Christian Schön. Mit dieser Bescheinigung gehen die Betroffenen dann zum Standesamt. Für Neugeborene können die Eltern eine solche Bescheinigung einreichen.

In Fällen, in denen die Betroffenen die Geschlechtsveränderungen durch Hormoneinnahme selber herbeiführen, kann das Geschlecht nicht geändert werden. Sprich: Intersexualität hat nichts mit Transgendern zu tun.

Von den sechs Fällen, die ihr Geschlecht geändert haben, haben alle neue Vornamen gewählt. „Eine der beiden diversen Personen hat einen geschlechtsneutralen Vornamen gewählt, die andere ihren vorherigen Namen gekürzt“, so Schön. Diese Namensänderungen kosten nichts.

Eintragung als „Elternteil“

Diversgeschlechtliche Personen sollten keine Probleme bei Adoptionen haben, „denn das Geschlecht ,divers‘ steht auf einer Linie mit ,männlich‘ oder ,weiblich‘“, so Schön. Bei einer Adoption werde eine diversgeschlechtliche Person nicht als „Vater“ oder „Mutter“, sondern als „Elternteil“ eingetragen (PStV, § 42). Auch gleichgeschlechtliche Paare könnten inzwischen – wie verschieden-geschlechtliche Paare – gemeinsam adoptieren. Eheschließungen seien für diverse Menschen kein Problem: „Seit 2017 haben wir neben der verschieden-geschlechtlichen Ehe auch die gleichgeschlechtliche. Daraus ergibt sich: Eheschließung - ja klar!“, erklärt Schön.

Diversgeschlechtliche Menschen können ein X als Geschlechtsangabe im Reisepass erhalten. Der Personalausweis enthält nach dem Deutschen Passgesetz keinen Geschlechtseintrag. Seit diesem Jahr wird aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes bei Stellenausschreibungen häufig der Klammerzusatz „(m/w/d)“ verwendet.

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