Snickers-Torte und Cappuccino – unser Autor saß zum ersten Mal seit sieben Monaten in Dortmund wieder in einem Café. © Robin Albers

Das erste Mal im Café seit Monaten: Ein kleines Stück Freiheit

Seit Freitag (11. Juni) darf man sich in Dortmund wieder in Restaurants, Kneipen und Cafés setzen. Unser Reporter hat es im Doppeltsolecker im Kreuzviertel ausprobiert.

Es ist schon ein komisches Gefühl, wieder in einem Café zu sitzen. Doch das ist seit Freitag (11. Juni) wieder möglich. Nach siebenmonatiger Pause dürfen Gastronomen in Dortmund wieder ihre Innenbereiche für Gäste öffnen, da die Inzidenz in Dortmund unter 50 liegt.

Ich entscheide mich für das „Doppeltsolecker“ an der Straße Neuer Graben im Kreuzviertel. Das vegan-vegetarische Bistro/Café hatte seit November zu. Doch meine Innengastro-Premiere in diesem Jahr ist zunächst mit ein paar Hürden verbunden.

Erst der Test, dann das Vergnügen

Denn ich muss zunächst noch einen Corona-Test machen. Aktuell dürfen nur vollständig Geimpfte, Genesene und Menschen mit einem negativen Corona-Test in die Innenbereiche. Das wird sich am Sonntag ändern, da die Inzidenz in Dortmund dann stabil fünf Werktage lang unter 35 lag.

Am Testzentrum meines Vertrauens erwartet mich zwar keine lange Schlange, jedoch stehen vor mir drei junge Männer, die entweder noch nie ein Corona-Test gemacht haben oder zum ersten Mal dieses Testzentrum nutzen – ihnen muss noch das Prozedere erklärt werden. Es ist 12.30 Uhr, eigentlich wollte ich pünktlich um 13 Uhr mit negativem Corona-Test im Doppeltsolecker sein.

Das gelingt mir zwar dennoch, allerdings muss ich draußen vor dem Lokal warten, weil mein Testergebnis noch nicht da ist. Normalerweise geht das schneller, nur heute dauert es länger. Gegen 13.30 Uhr bekomme ich dann die Benachrichtigung auf mein Smartphone, dass mein Testergebnis da ist – es ist negativ. Ich darf rein! Endlich! Auch wenn das Wetter – es ist sonnige 26 Grad – zum draußen sitzen einlädt. So wie es ein junges Pärchen an diesem Freitag tut.

Einchecken mit Luca

Im Doppeltsolecker ist es deshalb auch leer, ich bin der einzige Gast im Innenbereich. Ich habe freie Platzwahl. Zunächst muss ich mich aber mit der Luca-App einchecken – das Bistro nutzt das Programm, um die Kontaktdaten seiner Gäste zu sammeln.

Praktischerweise klebt an jedem Tisch ein QR-Code. Die App habe ich allerdings noch nie genutzt. „Kein Problem“, erklärt mir Inhaberin Irina Poljatchek, „das funktioniert auch so!“ Na ja, nur bei mir nicht. Ich lade mir die App runter, registriere mich mit meinen Kontaktdaten und checke ein.

Ich bestelle mir einen Cappuccino mit Hafermilch und ein Stück vegane Snickers-Torte. Für mich ist es das erste auswärtige Essen seit langem, das nicht geliefert oder abgeholt wurde. So fühlt sich also Normalität an, nach einer gefühlten Ewigkeit Social Distancing und Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Es mag die Euphorie sein, aber es schmeckt besser.

Doppeltsolecker-Inhaberin Irina Poljatchek hofft, dass sie mit ihrem wieder fast normal laufenden Betrieb ein Stückchen zu einem normalen Leben in der Gesellschaft beitragen kann.
Doppeltsolecker-Inhaberin Irina Poljatchek hofft, dass sie mit ihrem wieder fast normal laufenden Betrieb ein Stückchen zu einem normalen Leben in der Gesellschaft beitragen kann. © Robin Albers © Robin Albers

Doppeltsolecker-Inhaberin Poljatchek erhofft sich von den Lockerungen „auch ein Stück weit Normalität“. „Wir wollen den Gästen dadurch auch das Gefühl geben, dass es wieder weiter geht, dass wir wieder anfangen können so zu leben, wie wir es gewöhnt waren“.

Der Betrieb war „gedämpft“

Die letzten sieben Monate seien laut Poljatchek „teils ruhig, teils knackig“ gewesen. Das Doppeltsolecker konnte nur Essen To-Go anbieten. Es sei zwar viel zu tun gewesen, der Betrieb habe sich aber „gedämpft“ angefühlt. „Es war ein ganz komisches Arbeiten“, so Irina Poljatchek.

Kurz vor dem Lockdown, Ende Oktober 2020, kam es im Doppeltsolecker noch zu mehreren Super-Gaus: Eine defekte Kaffeemaschine löste quasi über Nacht einen Wasserschaden aus, der Laden musste eine Woche lang schließen. Zwei Tage war er wieder offen, dann der siebenmonatige Lockdown. Zwischendurch ging dann noch die Spülmaschine kaputt.

Das reparierte Gerät wurde an diesem Freitag mit Innengastro-Revival wieder eingebaut. Und Irina Poljatchek ist sichtlich erleichtert, dass es wieder weitergeht. Das bin ich auch, denn so ein fast normaler Café-Besuch hat nach dem Lockdown ein Gefühl von Freiheit.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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