„Das Geld ist nie weg…“

DORTMUND Die Debatte hatte Unterhaltungswert. Bürgermeisterin Birgit Jörder (SPD) zitierte sogar den Kabarettisten Bruno Knust: „Das Geld ist nie weg, es ist immer nur woanders“. In der Marathonsitzung des Rates ging es gleich mehrmals um die Bargeld-Affäre im Oberbürgermeister-Amt.

von Von Gaby Kolle

, 12.05.2007, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein gefundenes Fressen für die Opposition. Und die Wortwahl war nicht zimperlich. „Da stinkt was“, meinte CDU-Fraktionschef Frank Hengstenber. „Hier wird ein Doppelpopanz aufgebaut“, schoss Michael Taranceswki für die SPD zurück. OB Dr. Gerhard Langemeyer musste sich heraushalten, als es darum ging, ihn für den Jahresabschluss zum Haushalt 2005 zu entlasten.

Normalerweise eine unstrittige Sache, doch angesichts der sechsstelligen Summe, die eine 41-jährige Stadtmitarbeiterin über drei Jahre mit gefälschten Unterschriften im OB-Amt veruntreut haben soll, wollten CDU und FDP/Bürgerliste die Entlastung verschieben, wurden aber von Rot-Grün überstimmt.„So richtig ankommen wird das bei der Bevölkerung nicht“, meinte Dr. Jürgen Eigenbrod (CDU).

Heinz Dingerdissen (FDP) vermisste die „Sensibilität“ der rot-grünen Ratsmehrheit: „Peinlich“.Entlastung oder nicht, stellte Jutta Seybusch, Chefin des Rechnungsprüfungsamtes klar, die Zahlen im Jahresabschluss würden sich auch nach einer weiteren Prüfung nicht ändern. Nur die Gründe. Seybusch: „Die Zahlen stimmen, das Geld ist weg.“Bei den Aufwendungen im Amt des OB habe es im Vergleich Planung/Ergebnis keine Auffälligkeiten gegeben, erklärte die oberste Revisorin.

Damit sei für die Rechnungsprüfer kein besonderes Risikopotential zu erkennen gewesen. Und selbst bei intensiverer Prüfung lasse sich nicht sagen, ob man etwas festgestellt hätte. Kriminelle Energie, die aus dem System herauskomme, sei mit einer Systemprüfung nicht aufzuspüren, so Seybusch. Man arbeite neben der Aufklärung daran, so etwas künftig zu verhindern.Für CDU und FDP/Bürgerliste bleibt es nicht nachvollziehbar, dass jemand so viel Geld unterschlagen kann. Beide beantragten Akteneinsicht.

Thomas Gerber (FDP): „Letztlich geht es um das Vertrauensverhältnis von Rat und Verwaltung.“ Rot-Grün schloss sich an und will auch mit je einem Vertreter in die Bücher schauen – nach Abschluss der staatsanwaltlichen Ermittlungen.Auf Antrag der CDU skizzierte Langemeyer noch einmal den Ablauf seines Handelns in dem Rathaus-Krimi: Am 2. April wurde er über „Auffälligkeiten bei einer Barauszahlung“ informiert, schaltete am selben Tag das Rechnungsprüfungsamt ein. Ergebnis am 13. April: Verdacht auf Urkundenfälschung. Am 16. April, einem Montag, informierte der OB die Staatsanwaltschaft. "

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